Verkehrssituation in den Rieselfeldern
Die lange Liste der überfahrenen Tiere

Münster-Coerde -

Immer wieder werden Tiere in den Rieselfeldern überfahren. Durch das Naturschutzgebiet führen beliebte Schleichwege. Doch alle Verbesserungsvorschläge zur Verkehrsberuhigung werden abgelehnt.

Freitag, 19.05.2017, 09:05 Uhr

Die Rieselfelder verzaubern ihre Besucher durch ihre besondere Atmosphäre
Die Rieselfelder verzaubern ihre Besucher durch ihre besondere Atmosphäre. Foto: Biologische Station

Im Jahr 2016 wurden nach Angaben die Biologische Station sechs Ringelnattern, drei Nutrias, ein Bisam, ein Blässhuhn und eine Blaumeise getötet. In 2015 wurden mindestens zwölf Ringelnattern überfahren, ein Reh, ein Hase, zwei Nutrias sowie zahlreiche Vögel.

Einen traurigen Fund machte SPD-Rastherr Michael Kleyboldt bei einer sonntäglichen Radtour an der Straße Coermühle in den Rieselfeldern: Am Straßenrand lag ein junges Reh, gerade dem Kitz-Alter entwachsen.

Überfahrene Amphibien wie Frösche oder Kröten zählen wir nicht mehr, es sind einfach zu viele.

Dr. Hans-Uwe Schütz, Biologische Station Rieselfelder

„Wir gehen davon aus, dass es mehr Tiere sind, weil viele auch von den aasfressende Vögeln verzehrt werden. Überfahrene Amphibien wie Frösche oder Kröten zählen wir nicht mehr, es sind einfach zu viele“, erläutert Dr. Hans-Uwe Schütz von der Biologischen Station Rieselfelder.

Die Liste der toten Tiere wurde in dieser Woche schon wieder länger: Am Mittwoch wurde ein Nutria an der Coermühle überfahren, am Wöstebach erwischte es einen Singvogel. Und am gestrigen Donnerstag kam ein Reh auf dem Hessenweg zu Tode.

Immer wieder werden in den Rieselfeldern Tiere überfahren wie jüngst dieses junge Reh.

Immer wieder werden in den Rieselfeldern Tiere überfahren wie jüngst dieses junge Reh. Foto: Michael Kleyboldt

Alle Verbesserungsvorschläge abgelehnt

In der jüngsten Vorlage der Verwaltung zur Verkehrsberuhigung in den Rieselfeldern werden alle Vorschläge der Politik (Fahrradstraße, Sperrung für den Durchgangsverkehr, Errichtung von Schwellen mittels Amphibiendurchgängen) zur Verbesserung der Situation negativ beschieden.

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Beliebte Alternativstrecken: Schleichweg durchs Naturschutzgebiet

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Die Bezirksvertretung Nord setzte diese Vorlage auf SPD-Antrag von der Tagesordnung ab. Eine Berichtsvorlage, so die SPD , sei nicht das, was man auf Anträge aus der Politik erwarte. Sie wünscht eine Beschlussvorlage. Die CDU enthielt sich: Sie hätte eine vorherige Beratung im Ältestenrat und in Abstimmung mit der Verwaltung für sinnvoll erachtet. Übrigens hat auch der Planungsausschuss diese Vorlage abgesetzt.

Wie sieht das die Biologische Station? Ihn ärgere, so Hans-Uwe Schütz, dass von der Verwaltung immer nur Ablehnungen kämen, aber keine Vorschläge, wie man die Verkehrssituation in den Rieselfeldern zum Schutz der Erholungssuchenden und der Tiere verbessern könne.

Kfz-Verkehr und Naturreservat Rieselfelder passen nicht zusammen.

SPD-Ratsherr Michael Kleyboldt

Die Situation werde nicht besser, solange keine gravierenden Nutzungsänderungen der Rieselfelder vorgenommen würden, meint SPD-Ratsherr Michael Kleyboldt. „Kfz-Verkehr und Naturreservat Rieselfelder passen nicht zusammen. Die Nutzung der die Rieselfelder durchziehenden Straßen durch Kraftfahrzeuge sollte zügigst auf ein Mindestmaß reduziert werden – zugunsten der hier lebenden Tiere, der Bewohner und der Erholung suchenden Bürger.“

Ein Kommentar zum Thema

Es wird Zeit, sich Gedanken zu machen, wie eine Lösung für die Rieselfelder aussehen kann. Denn dieses einzigartige Naturschutzgebiet ist ein großer Schatz.

Doch es braucht mehr Schutz. Es kann nicht sein, dass tote Tiere die Straßen säumen. Es kann nicht sein, dass Erholungsuchende gefährdet werden. Es muss nicht sein, dass Autofahrer den Weg durch ein Naturschutzgebiet als kommode Abkürzung nutzen. Morgens knubbelt es sich auf der Coermühle, spätnachmittags dito.

Und Wild gibt es überall in den Rieselfeldern – an der ­Coermühle ebenso wie an der Schlüppe, am Messingweg oder am Hessenweg. Andere Städte wären froh, wenn sie sich um ein solch schönes Naturschutzgebiet wie die Rieselfelder kümmern könnten. - Katrin Jünemann

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Die ursprünglichen Seiten des Münsterlands

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  • Emsdettener Venn

    Von den Jahrtausende alten Mooren im Münsterland sind vielfach nur noch Reste übrig. Vor allem in den vergangenen 150 Jahren für den Torfabbau entwässert und zerstört, bieten die Restflächen wie das Emsdettener Venn aber auch heute noch moortypischen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Interessante Libellenarten, eine reichhaltige Vogelwelt mit dem Großen Brachvogel oder der Uferschnepfe, das puschelige Wollgras oder der fleischfressende Sonnentau sind bei einem Besuch der weiten, baumlosen Landschaft zu sehen. Fußgänger und Radfahrer können über einen barrierefreien Rundgang das gesamte Emsdettener Venn umrunden und über einen Bohlweg hautnah erleben. Für noch mehr „Moor-Feeling“, da abgelegener und stiller, empfiehlt Geograf Thomas Starkmann von der Biologischen Station Steinfurt das Recker Moor. Beobachtungshütten, ein Torfgang und barrierefreie Stege machen das europäische Naturerbe erlebbar. Aber bitte die Wege nicht verlassen und auf die empfindlichen Torfmoose treten. Moor wächst nur einen Millimeter pro Jahr nach.


     

    Parkplatz und Eingang zum Emsdettener Moor befinden sich an der Neuenkirchener Straße nordwestlich von Emsdetten. An 13 Stationen gibt eine Begleitbroschüre Informationen zum Venn. Ein als Nummernpfad angelegter Lehr- und Erlebnisweg hilft ebenfalls beim Erkunden. Infos unter www.natur-erleben-nrw.de

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emsaue

    Natürlichkeit und die Ems: Lange waren das Widersprüche. Der Fluss war in ein Korsett gezwängt, begradigt, langweilig. Bis die Natur zurückkehrte – dank etlicher Renaturierungsprojekte, die der Ems ein natürlich gewachsenes Bett und ihre ursprüngliche Tier- und Pflanzenwelt wiedergeben wollten. Es hat funktioniert – und ist noch im vollen Gange. Zum Beispiel im Gebiet Pöhlen bei Telgte, wo Auerochsen-Nachfahren und Wildpferde das ganze Jahr über weiden und so als Landschaftspfleger Lebensraum für weitere Rückkehrer schaffen. Trockene Flussarme mit Treibholz, sich selbst überlassene Baumgruppen, Feuchtwiesen – die Auen bilden wieder eine reizvolle Landschaft. Vergleichbare Projekte gibt es in den Emsauen Lauheide und Vadrup bei Telgte. Dr. Olaf Niepagenkemper, Naturkenner mit einem Faible für Geheimtipps, empfielt das Teilstück der Ems bei Einen: Ursprüngliche Altarme und renaturierte Abschnitte bilden hier das Bild der Ems. An den Steilhängen nisten Uferschwalben. Ein Stück Wildheit ist hier bereits zurückgekehrt.


     

    Regelmäßige Führungen bieten die Nabu Naturschutzstation Münsterland (www.nabu-naturschutzstation-muensterland.de, Telefon 0 25 01/ 97 19 433) oder die Biologische Station des Kreises Steinfurt an. Infos unter Telefon 0 54 82/92 91 0, www.biologische-station-steinfurt.de .

    Foto: Bockwinkel
  • Davert

    Ein Naturschutzgebiet der Superlative: Die Davert ist eins der größten Schutzgebiete im Münsterland und laut Umweltministerium ein „Waldbiotop von internationaler Bedeutung“. Naturkenner kommen schon einmal ins Schwärmen, wenn es um die Wälder mit Sternmieren, Hainbuchen und Eichen über dichtem Unterholz geht, zwischen denen sich die gefährdete Flatter-Ulme findet, oder um die Bestände der Azurjungfer, einer Libellenart, die hier einzigartig ausgeprägt sind. Wasserpflanzen, Libellen, Schmetterlinge – die Davert ist Top-Biotop für gefährdete und seltene Arten. Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen sind so viele Mittelspechte gezählt worden. Kanadagänse leben in den Gewässern und auf den Lichtungen. Heckrinder und Konikpferde in der Emmerbachaue verhelfen der Flusslandschaft zu einer neuen Ursprünglichkeit. Die beste Tageszeit für Entdecker ist im Sommer die Abenddämmerung, wenn die Fledermäuse erwachen.


     

    Exkursionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten unter anderem über die Nabu-Naturschutzstation Münsterland (www.nabu-station.de, Telefon 02501/9719433) oder das Biologische Zentrum Lüdinghausen ( www.biologisches-zentrum.de , Telefon 02591/4129)

    Foto: Theo Israel
  • Rieselfelder

    Von Kanadagans über Weißstorch bis hin zu Eisvogel – Die Rieselfelder in Münster sind vor allem in ornithologischer Hinsicht einzigartig: Die Seenplatte mit über 130 Einzelteichen gibt Vogelarten, die regional in Nordrhein-Westfalen nur noch in den Rieselfeldern vorkommen, Lebensraum. Mehr als die Hälfte aller nordrhein-westfälischen Blaukehlchen beispielsweise leben hier. Früher als Abwasserreinigungsfläche genutzt, sind die Rieselfelder im Norden Münsters heute europäisches Vogelschutz- und Feuchtgebiet internationaler Bedeutung. Das Gebiet eignet sich besonders für die Erkundung mit dem Rad. Fünf Rundwanderwege sind ausgewiesen.Ausgangspunkte sind entweder die Biologische Station oder der „Heidekrug“.


     

    Infos unter www.rieselfelder-muenster.de

    Foto: Oliver Werner
  • Canyon Lengerich

    Türkises Wasser wie im Mittelmeer, sattes Grün auf kalkweißen Hängen, dazwischen exotisch anmutende Orchideen und die seltene Gebirgspflanze Enzian – der Lengericher Canyon ist ein landschaftliches Juwel. Der ehemalige Steinbruch ist Ersatzlebensraum für seltene Tiere geworden. Hier brütet der in weiten Teilen Mitteleuropas ausgestorbene Uhu, leben verschiedene Amphibien, wie Molche, Erdkröten und Frösche. Zum Schutz der Pflanzen und Tiere ist das Betreten des Canyons verboten. Den atemberaubenden Blick auf den Canyon können Besucher dennoch genießen. Auf dem Wanderweg „Canyon Blick“ können sie den See umrunden. Startpunkt und PKW-Stellplatz: Parkplatz an der Friedhofskapelle bei der LWL-Klinik Lengerich.


     

    www.tecklenburger-land-tourismus.de

    Foto: Wilhelm Schmitte
  • Bockholter Berge

    Wer vermutet schon Sanddünen im Münsterland? Dazu der Geruch von Kiefern, zypressenähnliche Wacholdersträucher, knorrige Eichen und das Zirpen von Grillen. Das ist wie Nordsee und Toskana in einem. Doch Flora und Fauna sind typisch für die Heide in der Emsdünenlandschaft der Bockholter Berge bei Greven-Gimbte und Zeugnis einer alten Kulturlandschaft. Durch Rodung und Entnahme von Mutterboden vor Jahrhunderten von Menschenhand geschaffen, ist dieser Lebensraum mit dem wildromantischen Gellenbach und seinen Sandbänken, dem Eisvogel und anderen seltenen Bewohnern heute Naturschutzgebiet. Am schönsten Ende August, Anfang September wenn die Heide blüht! Von Gimbte aus über die Emsbrücke zu erreichen oder vom Schiffahrter Damm in Richtung Westbevern abfahren und dann weiter in entgegengesetzter Richtung bis eine Auschilderung erfolgt.


     

    Weitere Infos unter: www.natur-erleben-nrw.d e

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Merfelder Bruch

    Mähnen, soweit das Auge reicht: 350 Tiere bilden die einzige Wildpferdeherde Europas, die im Merfelder Bruch auf 3,6 Quadratkilometern lebt. Die „Dülmener“ tragen ihre Rangkämpfe aus, weiden einträchtig, sterben und pflanzen sich fort – so wie seit Jahrhunderten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als ihre wilde Welt durch die Zivilisation gefährdet war, leben sie in einem umzäunten Reservat, der Wildpferdebahn. Hier ist die Natur mit ihren Kuhlen und Brüchen, feuchten Wiesen und mächtigen Wäldern gleichfalls unberüht. Die Wildpferde sind sich selbst und ihren Instinkten überlassen – mit einer Ausnahme: dem Fang der Jährlinge, wenn am letzten Samstag im Mai die jungen Hengste von der Herde getrennt werden.


     

    Samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr ist das Reservat geöffnet (3 € /Erwachsene, 1,50 € /Kinder). Unter der Woche ist das Gehege geschlossen. Infos zu Führungen beim Försterehepaar Rövekamp (Telefon 0170/­3478005) und auf www.wildpferde.de .

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Zwillbrocker Venn

    Mit Flamingos rechnet man in Florida, in der Camargue oder auf Sardinien, aber nicht im Münsterland. Und doch lebt im Zwillbrocker Venn die nördlichste Flamingokolonie Europas. Die Tiere ziehen hier seit 1980 ihre Jungen auf (neun in diesem Jahr), bis sie Ende September mit ihnen ins holländische Winterquartier an der Nordsee fliegen. Bis dahin lassen sich die Brachvögel von einem sechs Kilometer langen Rundweg durch das Naturschutzgebiet aus beobachten – am besten mit einem Fernglas. Daneben ist auch die größte binnenländische Lachmöwen-Kolonie Deutschlands ein Erlebnis, die ebenfalls dort wohnt. Ein toller Blickfang jetzt im August ist außerdem die blühende Heide.


     

    Das Besondere am Zwillbrocker Venn ist, dass Besucher gleich drei Lebensräume mit ihrer Artenvielfalt auf relativ kleinem Raum erleben: Heide, Moor und See. Guter Ausgangspunkt ist die Biologische Station Zwillbrock. Infos unter www.bszwillbrock.de .

    Foto: Hubert Stroetmann

 

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