Mit Leidenschaft Grillen
Zwei Grillfreaks und ihre Geschäftsidee

Greven -

Am Anfang stand ein Hobby, dem Millionen frönen. Es wurde zur Leidenschaft. Mittlerweile wirft es ein ganz ordentliches Nebeneinkommen ab. Und wer weiß – vielleicht ernährt es irgendwann seinen Mann – pardon: seine Frau.

Samstag, 03.06.2017, 12:06 Uhr

Pulled Pork, ganz langsam gegrillter Schweinenacken, auf dem Grill von Sandra Hertog
Pulled Pork, ganz langsam gegrillter Schweinenacken, auf dem Grill von Sandra Hertog Foto: Monika Gerharz

Die Rede ist vom Grillen. „Ein Freund von mir ist der absolute Amerika-Fan, er liebt Barbecue – und er hat die ganze Clique damit infiziert“, erzählt Sandra Hertog , leidenschaftliche Hobbyköchin, Grillfreak und seit Neuestem Bloggerin und Mitinhaberin eines Internet-Shops. Sie kaufte einen Kugelgrill, mit dem man auch räuchern kann, der bekam bald einen großen Bruder. Ein kleiner, später ein großer Gasgrill kamen dazu. „Und drei Dutch Oven, in jeder Größe einer, dürfen natürlich auch nicht fehlen“, schmunzelt die Grevenerin.

Das sind einfach Geschmackserlebnisse, die die deutsche Küche nicht bietet

Sandra Hertog, leidenschaftliche Hobbyköchin, Grillfreak und seit Neuestem Bloggerin und Mitinhaberin eines Internet-Shops

Viele Jahre lang hat sie zum Spaß gegrillt, für Freunde, für die Nachbarn, die Rezepte wurden immer raffinierter. „Das sind einfach Geschmackserlebnisse, die die deutsche Küche nicht bietet“, ist sie überzeugt. Auch die Kultur rund ums Grillen – „mit einem Bierchen am Feuer stehen, ab und zu Räucherholz dazugeben“ – genoss sie jahrelang als Freizeitvergnügen. Jüngst holte sie mit ihren pikanten Bacon Jam den zweiten Preis beim Wettbewerb „Steinfurt kocht“. Aber Geld mit dem Grillen verdienen? Dazu kam es erst, weil sie und ihre Freundin Sandra Chuchollek sich darüber ärgerten, wie schlecht die Qualität ihrer Grillhandschuhe war. „Nach dreimal waren die durch.“ Das müsste man doch besser machen können, waren sich die beiden Frauen sicher. Sie ließen sich von einem Hersteller aus China ein Muster schicken – „und dann wurde herumgedoktert.“ Sie experimentierten mit hitzeresistenten Aramiden und feuerfesten Silikonstreifen, schrieben ellenlange SMS an den Hersteller, konferierten per Internet – und orderten schließlich 500 Stück. „Und es kamen wirklich 500 Stück – einzelne Handschuhe. Das war zwei Tage Kellerarbeit, die zu Paaren zu verpacken.“

Infos übers Grillen gibt‘s auch „analog“: Sandra Hertog, hier mit Sebastian Limke, hat am vergangenen Wochenende Pulled Pork – ganz langsam gegrillten Schweinenacken – am Beach verkauft. Die Sandwiches fanden reißenden Absatz.

Infos übers Grillen gibt‘s auch „analog“: Sandra Hertog, hier mit Sebastian Limke, hat am vergangenen Wochenende Pulled Pork – ganz langsam gegrillten Schweinenacken – am Beach verkauft. Die Sandwiches fanden reißenden Absatz. Foto: Monika Gerharz

Die beiden Sandras – unterstützt von Sandra Herzogs 17 Jahre alter Tochter Lena – hatten nun also ihr Produkt – und auch schon eine Geschäftsidee, sie an den Mann zu bringen. „Wir vertreiben über einen Amazon-Shop“, erläutert Sandra Hertog. „Ess-Nische.de“ heißt er, und das Logo ziert eine Küchenfee. Damit die Qualität stimmt, haben die Jungunternehmerinnen jemanden, der die Sendungen in China prüft, ehe sie nach Deutschland abgehen. Und der Laden brummt: „Uns gibt es seit Herbst – und mittlerweile gehen die Bestellungen in den vierstelligen Bereich pro Monat“, freut sich Sandra Hertog. Das nächste Produkt, ein überlanger Marinier- und Backpinsel, kommt dieser Tage in den Handel.

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Der Blog und Shop von Sandra Hertog: ess-nische.de

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Doch ein Produkt haben ist das eine – man muss auch dafür werben. „Dafür sind Soziale Netzwerke sehr wichtig“, hat Sandra Hertog schnell gemerkt. Sie veröffentlicht deshalb täglich Fotos bei Instagram, einer Art öffentlichem Album im Internet. Meistens drehen sich diese Bilder ums Essen, viele davon stammen aus der eigenen Küche, denn sie ist und bleibt leidenschaftliche Köchin und Grillerin. Nicht selten klicken 500 Interessenten ein einziges Bild an – und natürlich gibt‘s da immer auch dezente Hinweise auf „Ess-Nische“. Eine Superwerbung, die kein Geld kostet – aber ziemlich viel Arbeit. „Zwei, drei Stunden am Tag investiere ich dafür.“

Rezeptempfehlung für den Dutch Oven

Eine von Sandra Hertogs Empfehlungen für den Dutch Oven: Das Rezept für die Blumenkohlbombe [03.06.2017]

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Seit einigen Monaten schreibt Sandra Hertog überdies ein eigenes Blog – das ist eine Art digitales Tagebuch – über ihre Grillerfahrungen und teilt großzügig ihre Tipps und Rezepte mit den Nutzern unter www.ess-nische.de. Mindestens einmal pro Woche postet sie ein interessantes Rezept mit Foto. Zum Beispiel von einer Blumenkohlbombe mit Speck und viel Gemüse aus dem Dutch Oven, einem gusseisernen Topf, der in glühende Kohlen gepackt wird. Sie erklärt, illustriert mit vielen Bildern, wie man Brisket, also Rinderbrust, im Smoker zubereitet. „Die Königsdisziplin“, schwärmt sie. Sie gibt Tipps, welches Räucherholz wozu passt, welche Gewürze zu empfehlen sind, wie man improvisierten kann. „Ich finde viele Anregungen auf Instagram, im Internet und auf Reisen – und dann probiere ich eben aus“, verrät die Grevener Bloggerin, wie sie zu ihren Erfahrungen kommt.

Übrigens: Im Herbst stecken die beiden Sandras einen Teil ihres Gewinns aus dem Handschuhverkauf in eine lange Rundreise in den Westen der USA. Eine Liste von tollen Grill-Restaurants, die ausprobiert werden, hat Sandra Hertog bereits fertig. „Da blogge ich dann jeden Tag“ verspricht sie ihren Fans. Manches neue Barbecue-Rezept wird dann seinen Weg über den großen Teich finden – und vielleicht auch manches Produkt. Denn natürlich weiß die Bloggerin mit sehr guter Branchenkenntnis genau: „Was in Amerika gerade angesagt ist, das schwappt demnächst zu uns herüber.“

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