Wirbel auf den Trainerbänken
Kommentar: Trainer-Karussell in der Bundesliga

Gelsenkirchen / Leverkusen -

Es sind Trainer-Erdbeben, die die Fußball-Bundesliga in den letzten Wochen erschütterten. Tuchel in Dortmund entlassen, Schmidt in Leverkusen, Schmidt in Mainz. Und jetzt hat sich Schalke 04 von Markus Weinzierl getrennt. Besonders bemerkenswert dabei ist die Neu-Besetzung der Posten. Ein Kommentar.

Freitag, 09.06.2017, 17:06 Uhr

Wirbel auf den Trainerbänken : Kommentar: Trainer-Karussell in der Bundesliga
Domenico Tedesco wird neuer Coach bei Schalke 04. Damit wird der Platz auf der Trainerbank von Erzgebirge Aue frei. Dort könnte auch Lottes aktueller Trainer Atalan ein Kandidat sein. Foto: dpa

Was für ungeheuere Stoßwellen sorgt, sind dabei auch die Neuen: Es sind Trainer, die nur wenige auf dem Radar haben, fast schon „No-Names“: Sandro Schwarz , Domenico Tedesco , aber auch Maik Walpurgis in Ingolstadt und sicherlich ein wenig Heiko Herrlich. Letztgenannter ist nach dem doppelten Aufstieg von Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga gleich noch ein Stufe höher gehüpft und übernimmt Bayer Leverkusen .

Neuer Wind fürs Fußball-Oberhaus

Es weht ein neuer Wind durch die 1. Bundesliga, große Namen, Expertise als Nationalspieler reichen längst nicht mehr aus. Stefan Effenberg, Lothar Matthäus, Mario Basler – um nur drei Namen zu nennen – spielen in diesem Karussell der Übungsleiter keine Rolle.

Gefragt sind hochqualifizierte Fußballlehrer, wissenschaftlich auf dem neusten Stand, ausgestattet mit einem modernen Netzwerk, und vor allem Menschfänger. Der nächste Kandidat für höhere Weihen ist derzeit Coach eines Drittligisten, er trainiert SF Lotte: Isamail Atalan. Sowohl Erzgebirge Aue wie auch Jahn Regensburg, bei beiden Zweitligisten, würde der 37 Jahre alte Familienvater, der in Senden nahe Münster lebt, passen. Seinen neuen Zwei-Jahres-Vertrag in Lotte hat er noch nicht gezeichnet.

Im ganzen „hire and fire“ der Branche ging fast unter, das Julian Nagelsmann bei der TSG Hoffenheim seinen Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängert hat. Er ist mit 29 Jahren aktuell der jüngste Erstliga-Coach in Deutschland, nach der Rettungstat Ligaerhalt in der Saison 2015/16 folgte in der abgelaufenen Spielzeit der sportliche Ritterschlag mit Rang vier.

Die Trainerwechsel zur Bundesliga-Saison 2017/2018

1/8
  • Borussia Dortmund: Peter Bosz kostete den Pokalsieger eine hohe Ablöse. Nur so konnte der Holländer von Ajax Amsterdam losgeeist werden.

    Foto: "Olympique Lyon v Ajax"
  • Bei den Schwarz-Gelben beerbt Bosz den durchaus erfolgreichen Thomas Tuchel.

    Foto: SASCHA SCHUERMANN
  • Bayer 04 Leverkusen: Heiko Herrlich ist ab sofort Trainer bei der Werkself. Er kommt von Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg.

    Foto: Andreas Gebert
  • Tayfun Korkut schaffte mit Leverkusen zwar den Klassenerhalt, eine Chance auf den Verbleib als Trainer hatte er aber nie wirklich.

    Foto: Federico Gambarini
  • FC Schalke 04: Domenico Tedesco ist etwas überraschend neuer Trainer der Königsblauen geworden. Der erst 31-Jährige wechselt von Zweitligist Erzgebirge Aue ins Revier.

    Foto: Thomas Eisenhuth
  • Er beerbt damit Markus Weinzierl, der in seiner ersten Saison mit Schalke nicht überzeugen konnte. Zuletzt gab es sogar herbe Kritik von einigen Spielern.

    Foto: Ina Fassbender
  • 1. FSV Mainz 05: Sandro Schwarz übernimmt zur neuen Saison den Club. Er war schon länger mit dem Verein verbunden.

    Foto: Andreas Arnold
  • Schwarz folgt auf Martin Schmidt, der einige beachtliche Resultate mit den 05ern erzielen konnte, aber in der abgelaufenen Saison etwas unter den Erwartungen zurück blieb.

    Foto: Thomas Frey

Nagelsmann heiß begehrt

Nagelsmann und die TSG haben die Champions League erreicht, und Nagelsmann ist so ziemlich die heißeste Traineraktie auf dem Markt. auch wenn keine Details nach außen dringen, so wird dem TSG-Coach die Unterschrift unter den neuen Kontrakt deutlich mehr Geld bringen, er wird zu den Spitzenverdienern in der 1. Bundesliga aufsteigen. Und Hoffenheim würde sich einen vorzeitigen Abgang Nagelsmanns nach Dortmund, München, in die Premier League oder sonst wohin fürstlich bezahlen lassen. In der Regel steht in dem Vertrag ein Preisschild.

Also: Tuchel, Weinzierl und auch Roger Schmidt (zuletzt Bayer Leverkusen) stehen im Schaufenster des Bazars der Fußballlehrer, weil beurlaubt von ihren Clubs. Sie warten ab. Jetzt schlägt die Stunde von Herrlich, Tedesco und Schwarz. Herrlich kann ein wenig mit der Reputation als Ex-Profi und Nationalspieler wedeln.

Mehr aber noch damit, dass er persönliche Rückschläge verarbeiten kann, Anfang der Nullerjahre erkrankte er an einem Gehirntumor und überlebte. Ihm macht keiner etwas vor, auch niemand im überdrehten und schnelllebigen Profifußball.

Tedesco, erst 31 Jahre alt, ist ein Seiteneinsteiger ohne Stallgeruch. Fußballerisch kam er über Kreisliga nicht hinaus, sein Studium zum Wirtschaftsingenieur dampfte er zu Gunsten einer Trainerlaufbahn beim VfB Stuttgart ein. Er gilt als gleichermaßen grenzenlos loyal wie auch verbissen ins letzte Detail, ein Maniac an der Seitenlinie.

Spektakulärer Klassenerhalt

Die Fußballlehrerausbildung schloss er 2017 als Bester ab, im März übernahm er Zweitligist Erzgebirge Aue von Pavel Dotchev und führte das Team spektakulär zum Ligaerhalt. Tedesco rauscht mit 250 Sachen links an allen anderen Kandidaten mit Fußballlehrerlizenz vorbei.

Und Schwarz? Sandro Schwarz? Er ist der Beleg, dass nichts sicher ist in der 1. Bundesliga. Schließlich stieg er mit FSV Mainz 05 II in die Regionalliga ab, aber sein Ruf war stärker, er beerbte Martin Schmidt. Verrückt.

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