Unterschriftenaktion: Anwohner fordern Investor zur Sanierung auf
Schandfleck in schöner Altstadt

Warendorf -

Rosemarie Friederichs, die „Hüterin der Oststraße“, will dafür sorgen, dass die leerstehende Immobilie im Eingangsbereich der Oststraße saniert wird. Deshalb hat sie jetzt Unterschriften gesammelt. 

Donnerstag, 15.06.2017, 12:06 Uhr

Der desolate Zustand des Eckgebäudes Oststraße 55/Zuckertimpen ist Rosemarie Friederichs ein Dorn im Auge. Sie machte mobil, sammelte Unterschriften im Quartier und forderte den Eigentümer zur Sanierung des Objektes auf. Auch das Kunstprojekt der Künstler Dirk Groß und Dieter Nußbaum in den Fenstern hat die besten Zeiten hinter sich.
Der desolate Zustand des Eckgebäudes Oststraße 55/Zuckertimpen ist Rosemarie Friederichs ein Dorn im Auge. Sie machte mobil, sammelte Unterschriften im Quartier und forderte den Eigentümer zur Sanierung des Objektes auf. Auch das Kunstprojekt der Künstler Dirk Groß und Dieter Nußbaum in den Fenstern hat die besten Zeiten hinter sich. Foto: Joachim Edler

„Seit zehn Jahren steht die Schrottimmobilie im Eingangsbereich zum Ostviertel. Das ist eine blamable Visitenkarte für das ganze Quartier.“ Rosemarie Friederichs nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie von dem ruinenähnlichen Eckhaus Oststraße 55 und die dahinterliegende Baulücke am Zuckertimpen spricht.

Die „Hüterin der Oststraße“ wie die Eigentümerin des in unmittelbarerer Nähe befindlichen Friederichs-Museums und Betreiberin einer Galerie in der ehemaligen Apotheke an der Oststraße liebevoll genannt wird, will den Schandfleck nicht länger hinnehmen und macht mobil.

Sie hat Unterschriften gesammelt, über 50 Anlieger aus dem Pferdeviertel haben unterzeichnet. Sie fordern den Eigentümer der Immobilie, den Warendorfer Unternehmer Karl Elmer , auf, das Gebäude umgehend in einen „ordentlichen und gepflegten Zustand“ zu versetzen.

Bereits im Vorfeld der Unterschriftenaktion habe sie ein längeres Gespräch mit dem Eigentümer geführt und ihn darauf hingewiesen, dass Eigentum verpflichte. Immer wieder werde Rosemarie Friederichs von Museumsbesuchern auf den Schandfleck angesprochen, sagt sie im WN-Gespräch. „Das ist kein Aushängeschild für Warendorf. Der rückwärtige, zeitweise völlig vermüllte Parkplatz hinter dem Haus Oststraße 55 ist mit Metallgittern abgesperrt worden. Ein Schandfleck mitten in der schönen Altstadt, und das direkt neben dem Stadtmuseum Zuckertimpen und meinem Museum.“

Dieser Umstand sei nicht länger hinnehmbar. „Als Bürger, der auch Steuern zahlt, möchte ich für mein kleines Museum ein schönes Umfeld“, betont Rosemarie Friederichs. Und sie fügt hinzu: „Aus dem Gespräch mit Herrn Elmer habe ich erfahren, dass er nicht vorhat, in absehbarerer Zeit in das Gebäude zu investieren.“

Dabei sei es ihrer Meinung nach ein Leichtes, mit geringem finanziellem Aufwand, wenigstens das äußere Erscheinungsbild auf die Schnelle herauszuputzen: „Unkraut rund ums Haus entfernen, zerbrochene Flaschen und Müll aufsammeln, Fassade reinigen, Fenster und Türen einsetzen – fertig.“

Zurzeit läuft bei der Stadt ein Genehmigungsverfahren für eine Umnutzung des Eckgebäudes Oststraße/Zuckertimpen. Wie berichtet, plant der Investor eine Sanierung mit Neubebauung für barrierefreies Wohnen. Im Erdgeschoss des Haupthauses an der Oststraße könnte eine Bäckerei mit Café einziehen. Der rückwärtige Teil soll abgerissen werden und Platz machen für einen Neubau. Hier sollen vier barrierefreie, altengerechte Wohnungen entstehen. Die Baulücke (Parkplatz) gegenüber dem Museum-Gadem soll ebenfalls durch einen Neubau geschlossen werden.

So könnten weitere fünf barrierefreie Wohnungen geschaffen werden. Die Umsetzung scheiterte bislang an baurechtlichen Problemen. Genauer gesagt geht es um Abstände, Stellplätze, Baulasten und einem baufälligen Schuppen im Grenzbereich.

Nach Informationen unserer Zeitung konnten sich Investor und Nachbar nicht über eine Bereinigung der Eigentumsverhältnisse einigen. Der Rat der Stadt Warendorf griff deshalb zum Instrument der „vereinfachten Umlegung“ – ein im Baugesetzbuch geregeltes förmliches Grundstücksflächentauschverfahren. Quasi Grenzbereinigung „von oben“.

Rosemarie Friederichs kennt die Pläne des Investors, würde sich über ein Café sogar sehr freuen. „Das fehlt uns hier im Pferdeviertel.“ Sie sei jedoch skeptisch: „Für mich ist das nur alles nur Taktik, einen auf gut-Wetter-machen. Saniert und gebaut wird deshalb noch lange nicht.“

Sie befürchtet, dass sich die Bewohner der Oststraße, die sich im Umbruch zu einer kleinen Künstler- und Museumsmeile befindet, noch lange mit dem Schandfleck im Eingangsbereich abfinden müssen.

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