Gewerkschaft bleibt skeptisch
Job-Boom durch Amazon

Oelde -

Bis zu 2000 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, wenn der Internethändler Amazon – wie berichtet – sein neues Logistikzentrum im Gewerbegebiet Aurea an der A2 bei Oelde errichtet. Der Bürgermeister sieht darin nur Vorteile, der DGB bleibt skeptisch.

Mittwoch, 16.08.2017, 17:54 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 16.08.2017, 17:16 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 16.08.2017, 17:54 Uhr
Das Online-Versandhaus Amazon will ein neues Logistik-Zentrum im interkommunalen Gewerbepark Aurea bei Oelde errichten. Investitionen von 200 Millionen Euro sind geplant. Dazu sollen bis zu 2000 neue Arbeitsplätze entstehen.
Das Online-Versandhaus Amazon will ein neues Logistik-Zentrum im interkommunalen Gewerbepark Aurea bei Oelde errichten. Investitionen von 200 Millionen Euro sind geplant. Dazu sollen bis zu 2000 neue Arbeitsplätze entstehen. Foto: dpa

Läuft alles nach Plan, soll das Projekt im Jahr 2019 fertiggestellt sein.

Nach Angaben von Aurea-Geschäftsführer Günter Kozlowski will Amazon rund 200 Millionen Euro investieren. Schon vor sieben Jahren hatte der britisch-amerikanische Projektentwickler Gazely sich das Grundstück für Amazon gesichert. Beim Kauf des Grundstücks soll die Entwicklungsgesellschaft nun mehr als neun Millionen Euro gezahlt haben.

Mit diesem Entwurf wirbt der Projektentwickler Gazeley für seinen „Logistik-Park Ostwestfalen“.

Mit diesem Entwurf wirbt der Projektentwickler Gazeley für seinen „Logistik-Park Ostwestfalen“. Foto: Gazeley

DGB kritisiert Arbeitsbedingungen

Kurz nach Bekanntwerden der Pläne teilte der Deutsche Gewerkschaftsbund Münsterland mit, dass er der Entstehung des Amazon-Logistikzentrums mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegensieht. Die Schaffung von bis zu 2000 Arbeitsplätzen sei zunächst eine gute Botschaft für das Münsterland. „Die Branche wird auch in Zukunft stark wachsen und dafür sorgen, dass viele Menschen in unserer Region in Arbeit kommen. Die Logistik könnte sich zu einer tragenden Säule der regionalen Wirtschaft entwickeln“, erklärt DGB-Gewerkschaftssekretär Volker Nicolai-Koß .

Wir sehen bei Amazon eine erhebliche Lücke bei der Bezahlung im Vergleich zu den Branchentarifverträgen im Einzel- und Versandhandel und auch im Umgang mit Beschäftigten.

Volker Nicolai-Koß
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Doch der DGB sorgt sich um die Qualität der neuen Jobs. „Gute und sichere Arbeitsplätze mit einer vernünftigen Bezahlung sind für uns unverzichtbar. Solche Arbeitsplätze gibt es in der Branche, aber es gibt auch das krasse Gegenteil. Wir sehen bei Amazon eine erhebliche Lücke bei der Bezahlung im Vergleich zu den Branchentarifverträgen im Einzel- und Versandhandel und auch im Umgang mit Beschäftigten. Wir fordern, dass neben Einkommensverbesserungen weitere Bedingungen wie Arbeitszeiten, Urlaub, Zuschläge und Sonderzahlungen bei Amazon tariflich geregelt werden. Tarifverträge sind für uns auch ein Aspekt von guter Standortpolitik“, so Nicolai-Koß.

Der interkommunale Gewerbepark Aurea leigt an der A“ bei Oelde.

Der interkommunale Gewerbepark Aurea leigt an der A“ bei Oelde. Foto: Reinhard Baldauf

Oeldes Bürgermeister sieht Amazon als Chance

Ganz anders bewertet Oeldes Bürgermeister Karl-Friedrich Knop die Amazon-Ansiedlung. „Wir erwarten positive Auswirkungen auf unsere Region und speziell für Oelde.“ Knop berichtet, dass nach Erfahrungen, die andere Kommunen mit Amazon-Niederlassungen gemacht haben, mehr Kaufkraft nach Oelde fließen, neue Einwohner gewonnen und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen im Stadtsäckel landen könnten.

Wir erwarten positive Auswirkungen auf unsere Region und speziell für Oelde.

Karl-Friedrich Knop

Auch wenn Amazon als Arbeitgeber in Teilen kritisch wahrgenommen werde, würden Löhne oberhalb des Mindestlohns gezahlt werden. „Amazon kann ein Einstieg für Menschen sein, die aktuell noch keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt finden“, meint Knop.

Die Stadt Oelde erwartet den Bauantrag für das 200 Millionen schwere Projekt in Kürze, der Startschuss für die Baumaßnahme soll nächstes Jahr fallen.

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