Lebensmittel-Rückruf zu spät?
Foodwatch erhebt Vorwürfe gegen Hersteller und Behörden – Branche wehrt sich

Erreichen Warnungen vor möglicherweise gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln die Verbraucher zu spät oder gar nicht? Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch erhebt diesen Vorwurf und nennt das System der Lebensmittelwarnungen in Deutschland sogar „mangelhaft“. Handel und Lebensmittelbranche weisen diesen Vorwurf zurück.

Donnerstag, 24.08.2017, 15:08 Uhr

Lebensmittel-Rückruf zu spät? : Foodwatch erhebt Vorwürfe gegen Hersteller und Behörden – Branche wehrt sich
Foto: dpa (Symbolbild)

Foodwatch , gegründet vom ehemaligen Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode , stellte gestern einen Recherche-Bericht über Warnungen der Lebensmittelindustrie zwischen 2012 bis 2016 vor. „Im Schnitt gab es zwei Rückrufe pro Woche“, erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker in Berlin und folgert daraus. „Zu oft kommt es nicht zu einem Rückruf, obwohl dieser geboten wäre.“ Auch werde die Öffentlichkeit nicht immer über Rückrufe informiert – laut Foodwatch geschehe dies sogar mit Wissen der staatlichen Behörden. Beweise werden für diese Annahme nicht geliefert.

Kommentar

Die falsche Strategie : Rückruf-Studie von Foodwatch

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Die Lebensmittelbranche äußerte gestern erhebliche Zweifel an der Aussagefähigkeit der Studie. „Es liegt im eigenen Interesse der Hersteller, dass sie unter ihrer Marke keine gesundheitsschädlichen Lebensmittel in den Verkehr bringen“, sagt Marcus Girnau, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL) gegenüber unserer Zeitung. Die engmaschigen Lebensmittelkontrollen der Hersteller funktionierten. „Wir haben 170 000 Produkte im Markt, bei den von Foodwatch genannten durchschnittlich zwei Rückrufen in der Woche sind das 0,001 Prozent.“

Belastete Lebensmittel sind kein Einzelfall

Foodwatch erklärte, die „verfehlte Informationspolitik“ im aktuell mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier sei kein Einzelfall. Zu viel Entscheidungsmacht liege noch wie vor bei den Herstellern. „Zudem fehlt den Behörden in vielen Fällen die Rechtssicherheit einzugreifen“, so Foodwatch-Funktionär Rücker. Sie müssten im Zweifelsfall teure Schadensersatzforderungen fürchten. 

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