Mordprozess am Landgericht
28-Jähriger holte Infos über „Tötungsarten“ ein

Ahaus/Münster -

Der wegen Mordes am Landgericht in Münster angeklagte Asylbewerber, der eine 22 Jahre alte Ahauserin erstochen haben soll (wir berichteten), hatte sich offenbar wochenlang im Internet kundig gemacht, wie er einen Mord begehen kann, wie er eine Leiche am besten entsorgen und forensische Ermittler täuschen kann, damit sie bei einem Mord nicht auf seine Spur kämen.

Freitag, 25.08.2017, 17:08 Uhr

Der Angeklagte (Bildmitte) wird von einem Pflichtverteidiger (l.) vertreten – hier ein Bild vom Prozessauftakt.
Der Angeklagte (Bildmitte) wird von einem Pflichtverteidiger (l.) vertreten – hier ein Bild vom Prozessauftakt. Foto: Klaus Möllers

Das hat am zweiten Verhandlungstag am Freitag ein Kriminalbeamter ausgesagt, der zusammen mit Kollegen die Handys des Nigerianers ausgewertet hatte. Er schilderte zudem, dass Schuhabdrücke in Blutspuren am Tatort einem Paar Schuhe des 28-Jährigen zugeordnet werden konnten, die die Polizei in seinem Zimmer in der Asylbewerberunterkunft Am Kalkhügel sichergestellt hatte. Der Angeklagte will weiterhin nicht aussagen.

Der Bruder und der Vater der 22-Jährigen, die in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar am Hessenweg durch 22 Messerstiche starb, sind Nebenkläger. Der Vater hörte am Freitag im Gerichtssaal all die Details der Internetrecherche des Nigerianers mit an. In Frage-Antwort-Foren und über Suchmaschinen wollte er über sein Handy erfahren, „wie ein Leichnam am besten zu entsorgen ist“, schilderte der Polizist. Er habe sich über „Tötungsarten“ informiert und über „Möglichkeiten, die Forensik auszubremsen“.

Nigerianer flüchtete in die Schweiz

Die Suchanfragen hatte der 28-Jährige demnach mit eben diesen Stichworten und Formulierungen eingegeben. Das benutzte Handy hatte die Polizei in seinem Zimmer gefunden, als sich der Nigerianer bereits auf der Flucht in die Schweiz befand. Zuvor soll er versucht haben, per Mitfahrzentrale nach Paris zu gelangen, was aber nicht geklappt habe.

Die Anfragen im Internet hätten sich ferner um die „Entsorgung einer Leiche“ gedreht und ob es Sinn mache, „eine Leiche im Hinterland zu vergraben“. Auch über Kannibalismus habe sich der Angeklagte informiert und ob Feuer DNA-Spuren vernichte.

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Bei der Festnahme des 28-Jährigen in Basel habe die Polizei drei weitere Handys bei ihm sichergestellt, erklärte der Kriminalist. Von einem sei ein langer Whats- App-Chat mit dem späteren Opfer ausgelesen worden. Die junge Frau absolvierte bis Juli 2016 ein Praktikum in der Behelfsunterkunft für 35 Flüchtlinge. Dort lernten sich die beiden kennen und es entwickelte sich anscheinend eine Freundschaft, von der sich der 28-Jährige eine Beziehung erhoffte. „Ich hoffe, Du wählst mich aus“ soll der Angeklagte der Studentin geschrieben haben, als der Kontakt zwischen beiden bereits geringer geworden sei. Die 22-Jährige hatte zu der Zeit seit mehreren Jahren einen Partner. Das Auftreten des 28-Jährigen habe zwischen fordernd, aggressiv und einsichtig geschwankt. Laut dem Chat brach sie den WhatsApp-Kontakt ab.

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