Weltmeisterschaft im Gebrauchshundesport
Wenn Hunde plötzlich fliegen

Rheine -

Hunde, die auf den Feldern um Rheine scheinbar Furchen ziehen oder im Jahn-Stadion spektakulär durch die Luft fliegen – diese Bilder entstehen, wenn Hundeführer aus 39 Nationen um den Weltmeistertitel im Gebrauchshundesport antreten.

Freitag, 15.09.2017, 08:09 Uhr

Der Deutsche Schäferhund „Gazze von der kleinen Birke“ gehört zum amerikanischen Team und zeigt, was ein Schutzhund können muss: nicht loslassen – auch wenn der sogenannte Schutzdiensthelfer versucht, ihn abzuschütteln.
Der Deutsche Schäferhund „Gazze von der kleinen Birke“ gehört zum amerikanischen Team und zeigt, was ein Schutzhund können muss: nicht loslassen – auch wenn der sogenannte Schutzdiensthelfer versucht, ihn abzuschütteln. Foto: Sven Rapreger

Am Stadtrand im Rheiner Ortsteil Altenrheine steht seit Donnerstagmorgen auf einer 300 Hektar großen Fläche die Fährtensuche auf dem WM-Programm. Bei dieser Übung ist die feine Nase der Hunde gefragt.

„Blackneck‘B‘Grym“, der Malinois-Rüde der Schwedin Lotta Berghard, macht seine Sache ziemlich gut. „Der Hund sucht intensiv und folgt der Spur in einem gleichmäßigen Tempo“, erläutert Fährtenbeauftragter Richard Strauss . Selbst als plötzlich ein Hase auftaucht, lässt sich der Hund nicht von seiner Aufgabe abbringen. „Das war gut. So muss es sein“, sagt Strauss.

Mit Leckerlis trainierte Spürnasen

Mit der Nase tief in der Feldfurche versenkt, sucht „Blackneck‘B‘Grym“ konzen­triert nach den drei Gegenständen – einem Stückchen Holz, einem Stückchen Leder und einem Stückchen Filz. Ein Fährtenleger war etwa eine Stunde zuvor auf dem Feld unterwegs, um die Gegenstände abzulegen – und zwar nach den geltenden Regeln. Das heißt: Die Strecke ist 600 Schritte lang und weist mehrere Winkel auf.

Am Rand bereitet sich derweil Manfred Schramm auf das Fährtenlegen vor. „Ich habe die drei Gegenstände schon die ganze Zeit in meiner Tasche. So nehmen sie meinen Körpergeruch an.“ Anschließend legt er mit 600 Schritt eine Spur, wobei er die drei Gegenstände an verschiedenen Punkten ablegt. „Da, wo ich mich bewege, bleiben Haare, Schweiß oder Hautschuppen von mir in der Spur.

Zudem werden bei jedem Schritt Mikroben im Boden zerstört. Das führt zu einem Verwitterungsprozess. Zusammen macht das die Spur für den Hund“, erläutert Schramm.

Jeder Hund habe einen guten Geruchssinn, sagt Schramm. Bei seinen eigenen Hunden beginnt er in der achten Lebenswoche ­damit, diesen zu trainieren. Wie? „Mit Leckerlis. Positive Konditionierung funktioniert am besten“, ist seine Erfahrung. Und wer glaubt, dass kleinere Hunde eine schwächere Nase haben, der irrt.

Festbeißen und nicht abschütteln lassen

Warum die „Kleinen“ beim Gebrauchshundesport dennoch nicht antreten, wird im Jahn-Stadion schnell klar. Hier werden die Gehorsams- und Schutzdienst-Disziplinen ausgetragen.

Und gerade beim Schutzdienst geht es schon mal ­robust zur Sache – verbissen im geschützten Arm des Helfers werden die Hunde auch schon mal zwei drei Runden durch die Luft gewirbelt. Wie zum Beispiel „Gazze von der kleinen Birke“. Der rund 30 Kilogramm schwere Deutsche Schäferhund im amerikanischen Team rennt in einem Teil der Schutzdienstübung auf den Helfer zu, der ihn mit einem Softstock „bedroht“.

„Der Schutzdiensthelfer tut so, als ob er den Hund schlagen will. Das muss sich der Hund nicht gefallen lassen“, erläutert Christa Bremer, Vizepräsidentin des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) und WM-Organisationsleiterin. „Gazze“ verbeißt sich daraufhin in den Arm des Helfers, der durch eine Jutemanschette geschützt ist. „Der Helfer will ihn abschütteln, aber der Hund darf jetzt nicht lockerlassen“, erläutert Bremer. Und „Gazze“ lässt natürlich auch nicht locker.

Deutsche Kommandos für amerikanische Hunde

„Aus!“, „Fuß!“ – „Gazze“, der Hund aus dem amerikanischen Team, hört übrigens auf Kommandos in deutscher Sprache. „Ein Deutscher Schäferhund spricht halt Deutsch“, lacht „Gazze“ Herrchen. „Nein, im Ernst: Wir in den USA lieben Traditionen, weil der Hundesport in Deutschland entwickelt wurde, halten wir es traditionell.“

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