Gorbatschow in Münster
Auf ein Bier in der Düesbergklause

Münster -

Viele Gäste hat Wilhelm Hölscher in fast 30 Jahren als Wirt der „Düesbergklause“ bedient. Einer ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: Michail Gorbatschow.

Freitag, 22.09.2017, 11:00 Uhr aktualisiert: 22.09.2017, 11:28 Uhr
Auf ein Bier waren Michail Gorbatschow (vorne l.) und Jürgen Möllemann (2.v.r.) in der „Düesbergklause“. Mit dabei waren auch Manfred Erdenberger vom WDR (r.), Carola Möllemann-Appelhoff (l.) und Raissa Gorbatschowa (2.v.l.).
Auf ein Bier waren Michail Gorbatschow (vorne l.) und Jürgen Möllemann (2.v.r.) in der „Düesbergklause“. Mit dabei waren auch Manfred Erdenberger vom WDR (r.), Carola Möllemann-Appelhoff (l.) und Raissa Gorbatschowa (2.v.l.). Foto: Matthias Ahlke

Fast 30 Jahre war Wilhelm Hölscher Betreiber der „Düesbergklause“. Viele Menschen habe er dort kennengelernt, sagt er. Doch an einen Gast erinnert er sich besonders gut: an Michail Gorbatschow . Am 22. September 1992 war der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion in Münster zu Gast – und auf ein Bier in Hölschers Kneipe.

Auf Einladung des damaligen Wirtschaftsministers Jürgen Möllemann war Gorbatschow in die Stadt gekommen. Hölscher und Möllemann waren seit Jahren befreundet, die „Düesbergklause“ war die Stammkneipe des Ministers. „Wir haben bei Wacker Mecklenbeck zusammen Fußball gespielt“, erinnert sich Hölscher an das Kennenlernen.

Gorbatschows Getränkewunsch

Einige Tage bevor Gorbatschow in die Stadt kam, habe Hölscher seine Silberhochzeit gefeiert. „Aber Jürgen Möllemann konnte nicht kommen“, erinnert sich der ehemalige Wirt. Dann habe ihn sein Freund angerufen: „Ich habe eine Überraschung für Dich, halte vier Plätze an der Theke frei.“

Wilhelm Hölscher hatte sich dabei nicht viel gedacht, bis der WDR mit einem Sendewagen vor der Tür seiner Kneipe stand. Mit dabei: Moderator Manfred Erdenberger. „Es wurde live aus meiner Kneipe berichtet“, so Hölscher. Dass der ehemalige sowjetische Staatspräsident zu Gast sei, habe sich in der Stadt schnell rumgesprochen: „Die Kneipe war schon am Nachmittag rappelvoll.“

Michail Gorbatschow kam zusammen mit seiner Frau Raissa, auch Carola Möllemann-Appelhoff war dabei. Gorbatschows Getränkewunsch sei eindeutig gewesen: „Ich trinke Bier.“ Den Frauen habe er Champagner angeboten, erinnert sich Hölscher, doch Gorbatschow habe die Entscheidung gefällt: „Sie trinken auch Bier.“ Mit einem Lächeln sagt Wilhelm Hölscher: „Seitdem hatte Michail Gorbatschow einen Deckel bei uns.“

Kein Durchkommen an der Theke

Später habe Jürgen Möllemann ihm erzählt, wie es zu dem Treffen in der „Düesbergklause“ gekommen sei, erinnert sich Hölscher. Gorbatschow habe den damaligen Wirtschaftsminister gefragt, was dieser nach seinem Feierabend mache. Und Möllemann habe geantwortet: „Ich gehe in eine Kneipe, trinke mir ein paar Bier und esse eine Frikadelle.“ Genau das habe auch Gorbatschow machen wollen.

Wilhelm Hölscher mit dem Gästebuch, in das sich Michail Gorbatschow bei seinem Besuch in der „Düesbergklause“ eingetragen hat.

Wilhelm Hölscher mit dem Gästebuch, in das sich Michail Gorbatschow bei seinem Besuch in der „Düesbergklause“ eingetragen hat. Foto: Matthias Ahlke

Als der ehemalige sowjetische Staatspräsident die Kneipe betreten habe, sei es „mucksmäuschenstill“ geworden, erinnert sich Hölscher: „Seine Ausstrahlung war phänomenal.“ Unter Jubel seien Michail Gorbatschow und Jürgen Möllemann nach nicht ganz einer Stunde in Richtung Rathaus aufgebrochen. „Gorbatschow musste die Kneipe durch den Biergarten verlassen, an der Theke war kein Durchkommen mehr“, erinnert sich der Wirt.

Gerne holt Wilhelm Hölscher das Gästebuch von vor 25 Jahren heraus. Gorbatschow habe sich darin für die Gastfreundlichkeit bedankt. Für den damaligen Wirt steht fest: „Das war das schönste Erlebnis, das ich in meiner Kneipe je hatte.“

Ein Schildchen erinnert noch heute in der „Düesbergklause“ an den Besuch von Michail und Raissa Gorbatschow am 22. September 1993.

Ein Schildchen erinnert noch heute in der „Düesbergklause“ an den Besuch von Michail und Raissa Gorbatschow am 22. September 1993. Foto: Matthias Ahlke

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