Streit statt Skandal zum Ende der Ausstellung
Skulptur-Projekte: Nackt-Künstlerin erhebt Vorwürfe gegen Kuratorin

Münster -

Der Nackt-Skandal auf dem Unterwassersteg im Hafenbecken blieb am Freitag aus. Dafür gibt es einen handfesten Streit um Kunst zum Ende der Skulptur-Projekte. Aktionskünstlerin Milo Moiré erhebt Vorwürfe gegen Kuratorin Peters.

Freitag, 29.09.2017, 21:01 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 29.09.2017, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 29.09.2017, 21:01 Uhr
Mit Baby im Arm ging Milo Moiré im Februar 2015 nackt durch die Ausstellung „Nackte Tatsachen“ im Landesmuseum, bis ein Sicherheitsdienst die Aktion beendete.
Mit Baby im Arm ging Milo Moiré im Februar 2015 nackt durch die Ausstellung „Nackte Tatsachen“ im Landesmuseum, bis ein Sicherheitsdienst die Aktion beendete. Foto: Peter Palm

Auch wenn Münster am Freitag ein handfester Nacktskandal erspart blieb, enden die Skulptur-Projekte am Wochenende mit einem handfesten Streit über Kunst. Die Schweizer Aktionskünstlerin Milo Moiré, die mit spektakulären Nackt-Auftritten zuletzt in der Bonner Bundeskunsthalle und bei der Documenta in Kassel für Aufsehen gesorgt hatte, wirft der Kuratorin der Skulptur-Projekte, Britta Peters , vor, eine von Moiré geplante Performance „mit allen Mitteln“ verhindert zu haben.

Diese Skulpturen bleiben auf keinen Fall in Münster

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  • Was bleibt von den Skulptur-Projekten 2017 in der Stadt? Dieses Werk schon einmal nicht. Der Laster vor dem LWL-Museum erhält mit Sicherheit einen richtigen Parkplatz. Die Moore-Skulptur lässt er aber da.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Trotz aller Popularität: Der Unterwasser-Steg von Ayse Erkmen bleibt nicht in Münster. Er müsste dauerhaft von Rettungsschwimmern gesichert werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Pierre Huyghes Werk in der Eishalle wird zerstört. Auf dem Gelände wird ein Wohnquartier gebaut.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch die recycelte Oberfinanzdirektion von Christian Odzuck muss weichen. An ihrer Stelle an der Andreas-Hofer-Straße entsteht eine Schule.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Spenden-Stein von Lara Favaretto am Ludgeriplatz wird zermahlen und von einer Firma verbaut, das Geld geht an die Flüchtlingshilfe in Büren, beides will die Künstlerin so.

    Foto: Gerhard H. Kock

Nackte Zeitkritik

Moiré wollte am Freitagmittag drei Kunstwerke der Skulptur-Projekte besuchen und unter anderem nackt über den Steg von Ayşe Erkmen im Hafen gehen. Sie übt mit ihrer Performance-Serie „Ceci n’est pas une femme nue“ („Dies ist keine nackte Frau“), bei der sie nur eine VR-Brille trägt, Zeitkritik an der digitalen Welt von morgen. Über einen Livestream sollten ihre 300 000 Follower in den sozialen Medien die Werke der Künstler präsentiert bekommen.

Eine alte Bekannte

Moiré zeigte bereits eine Kunst-Performance in Münsters LandesmuseumNackt im „Nackten Leben“ [24.02.2015]

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Künstler lehnten Performance ab

Aus dem Organisationsteam der Skulptur-Projekte heißt es, dass sich die betroffenen Künstler gegen eine Performance in ihren Installationen entschieden hätten. Es bestehe die Gefahr, dass der Auftritt von Moiré die Wirkung der Arbeiten verwässere. „Wir teilen die Einschätzung der Künstler, dass das letzte Ausstellungswochenende für die Aktion sehr ungeeignet ist“, so Pressesprecherin Jana Duda. Gerade jetzt würden viele Besucher von weit her anreisen.

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Die zehn populärsten Werke

1/10
  • Platz 9 müsste eigentlich Platz 10 sein, teilt sich mit der Wasserwaage von John Knight aber die gleiche Zahl an Stimmen. Daher gibt es zwei 9. Plätze: Einer davon ist Koki Tanakas Werk „Gruppe“. Vier Stunden Film-Material zeigt acht Menschen, die miteinander reden und gelegentlich Impulse von anderen Menschen bekommen. Die Fragestellung ist ebenso spannend wie wichtig: „Wie zusammen leben und das Unbekannte teilen“.

    Foto: Oliver Werner
  • Ebenfalls auf Platz 9: John Knights Waage am LWL-Museum für Kunst und Kultur.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 7: Hervé Youmbi vermischt in seinen himmlischen Masken afrikanische und US-amerikanische Jenseits-Motive von Tod und Schrecken. Der Kameruner hat sie am Überwasserfriedhof in unmittelbarer Nähe zur letzten Ruhestätte des Generals Ludwig Roth von Schreckensteinin in Bäumen aufgehängt. Damit hinterfragt der Künstler die Authentizität von Grabriten. Seine Arbeit wirft an diesem Ort unwillkürlich Gedanken über Spiritualität und Aberglaube auf. Wer etwa die Motive seiner himmlischen Masken studiert, die mitunter recht grimmig sind, dem werden Gedanken über Unheil bringende Fetische kommen. Ob man will oder nicht.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ebenfalls auf Platz 7: Die Gartenstraße Nummer 29 war schon immer ein Ort irgendwo in Fernost – voll chinesischer Zutaten. Während der Skulptur-Projekte 2017 konzentriert sich im Hinterzimmer des ehemaligen Asia-Ladens die globalisierte Welt und dies sehr bunt, aber nicht immer schön. Angeordnet hat dieses Sammelsurium die 1976 geborene Künstlerin Mika Rottenberg, selbst ein Kind der globalisierten Welt. Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Israel, ausgebildet zur Künstlerin in den USA, als solche tätig überall. Rottenbergs Skulptur-Projekt vollendet der 30 Minuten dauernde Film, der im als kleines Kino umgebauten Hinterzimmer des Asia-Ladens in Endlos-Schleife läuft.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 6: Im Tunnel am Schloss herrscht während der Skulptur-Projekte dank Aram Bartholls fünf Kronleuchter mit ihren jeweils aus zehn thermoelektrischen, mit Teelichtern betriebenen LED-Leselampen eine fast schon festliche Stimmung.

    Foto: Hanna Neander
  • Für Platz fünf (Pierre Huyghes Welt im Eispalast) findet Irmgard Bröskamp (Ostbevern) diese Worte: „Hier kann nachempfunden werden, wie trist, trostlos, unheimlich ein Leben ohne Mitmenschen und Pflanzen sein kann. Eine Mahnung, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen und zu pflegen.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Platz 4: Der Schönheit und Stille erfreuen sich Besucher auch beim Haus im Wald von Hreinn Fridfinnsson. Leser Christian Lüschen-Heimer: „Die Wirkung entfaltet sich erst, wenn man sich einlässt, sprich: sich ihm nähert, es betritt. Und dann ist sie enorm: Heimat; Wahrnehmung von Geborgenheit und gleichzeitig Ungeschütztheit; Erinnerung an Kinderspiele; die gedankliche Vervollständigung, die bei jedem anders ist. Es ist berührend!“

    Foto: -kb-
  • Platz drei der „Lieblingsskulpturen“: Der “Nuclear Temple“ von Thomas Schütte erinnert einerseits an ein Atomkraftwerk, andererseits an eine Kirche. Er fügt sich harmonisch in das Gelände des alten Zoos und strahlt eine eigenartige Würde und Ruhe aus.

    Foto: Ellen Bultmann
  • Platz 2: Mit 60 Stimmen landet der Nackerten-Brunnen von Nicole Eisenman auf Platz zwei. Damit kommen die beiden Wasser-Skulpturen auf die Hälfte der Stimmen und verweisen die übrigen 33 Skulpturen auf die hinteren Plätze.

    Foto: Hanna Neander
  • Platz 1: Der Unterwasser-Steg von Ayşe Erkmen war von Start weg ein Renner. Die Unterwasserbrücke hat mit 113 Stimmen fast ein Drittel aller Stimmen auf sich vereint. Das Besondere dieses Skulptur-Projektes ist, dass es an sich unsichtbar ist und erst durch die Besucher erkennbar wird.

    Foto: Oliver Werner

 

Manipulations-Vorwürfe

Moiré sagt, dass sie ihre Performance bewusst mittags starten wollte. „Ich glaube nicht, dass sich um diese Uhrzeit kilometerlange Schlangen bilden.“ Sie wirft Peters vor, gezielt Falschaussagen gegenüber den Künstlern gemacht und in E-Mails die Situation so verzerrt wiedergegeben zu haben, „dass den Künstlern gar nichts anderes übrig blieb, als gegen die Performance zu sein“.

Laut Moiré habe Peters sehr institutionell gedacht und sich nicht geöffnet. Das sei sehr schade.

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