Amazon-Ansiedlung
Etwas Licht und viel Schatten

Oelde -

Skepsis herrschte vor beim Salongespräch über die Amazon-Ansiedlung im interkommunalen Gewerbegebiet Aurea, zu dem die Kreistagsfraktion der Grünen nach Oelde eingeladen hatte.

Samstag, 07.10.2017, 16:37 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 07.10.2017, 07:02 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 07.10.2017, 16:37 Uhr
Amazon-Ansiedlung: Etwas Licht und viel Schatten
Foto: dpa

Skepsis herrschte vor beim Salongespräch über die Amazon-Ansiedlung im interkommunalen Gewerbegebiet Aurea, zu dem die Kreistagsfraktion der Grünen nach Oelde eingeladen hatte. Dabei ging es nicht allein um die Qualität der Arbeitsplätze, sondern auch um Kosten, die durch die Ansiedlung auf die beteiligten Gemeinden zukommen könnten. Mangelnde politische Einflussmöglichkeit auf die Entscheidung, Amazon anzusiedeln und fehlende Transparenz in der Planung standen beim Publikum in der Kritik.

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Im Gespräch: Ulrich Schlösser und Valeska Grap von der grünen Kreistagsfraktion, die Gewerkschafter Karsten Rupprecht (Verdi) und Volker Nicolai-Kloß (DGB) sowie Michael Radau, Präsident des Handelsverbands NRW.  Foto: Ulrike von Brevern

Eine Chance für Langzeitarbeitlose

Mit zwei Gewerkschaftsvertretern unter den Gästen war das Thema Amazon als Arbeitgeber programmiert. Der Online-Händler bedeute für viele Menschen, besonders Langzeitarbeitslose, eine Chance, betonten Volker Nicolai-Koß (DGB) und Karsten Rupprecht ( Verdi ). „Amazon stellt jeden ein“, sagte Rupprecht, der für Verdi ausgiebig Erfahrungen mit den Amazon-Standorten in Dortmund und Werne gesammelt hat, und meinte das durchaus positiv.

Arbeitsbedingungen problematisch

Als problematisch beschrieben die Gewerkschafter hingegen die fehlende Tarifbindung, niedrige Löhne, wenig Möglichkeit zur betrieblichen Mitbestimmung und vorwiegend befristete Arbeitsverhältnisse. „Die Menschen werden ausgetauscht“, beschrieb Rupprecht die Strategie aus Arbeitnehmersicht. „Vergessen Sie, jemals Amazon unter Druck setzen zu können“, ergänzte Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes NRW, in Bezug auf Einflussmöglichkeiten auf die Unternehmenspolitik des Online-Händlers.

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Der interkommunale Gewerbepark Aurea leigt an der A 2 bei Oelde Foto: Reinhard Baldauf

Die Aurea GmbH, in deren Aufsichtsrat Vertreter aus allen drei an dem interkommunalen Gewerbegebiet beteiligten Gemeinden sitzen, hatte die Entscheidung getroffen, die Fläche auf dem Oelder Teil an Amazon zu verkaufen. Die kommunalen Räte seien trotz der enorm hohen Infrastrukturkosten, die durch die Ansiedlung auf die Gemeinden zukommen könnten, noch immer nicht beteiligt, kritisierte Moderatorin Valeska Grap, Fraktionssprecherin der Grünen in Kreistag. Dabei geht es unter anderem um Wohnungsbau und Kita-Plätze für die Familien zuziehender Arbeitnehmer. „Wir bekommen keinen Zugriff auf den Prozess und das macht zornig“, war auch von Seiten eines Ratsvertreters aus Rheda-Wiedenbrück zu hören.

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2000 neue Arbeitsplätze?

Amazon-Fachmann Rupprecht zeigte sich skeptisch über die Zahl von bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen, die in Verbindung mit der Ansiedlung kursierten. „Hier gibt es keine Menschen dafür“, sagte er angesichts der niedrigen Arbeitslosenquote im Kreis. Seine Vermutung: Amazon könne in Oelde möglicherweise eine neue, stark automatisierte Generation von Logistikzentren austesten.

Im Logistikzentrum entstehen vorwiegend niedrig entlohnte Jobs für „Picker und Packer“, erläuterte Rupprecht. Die Löhne lägen zwar über dem Mindestlohn, mit knapp elf Euro aber mehr als drei Euro unter dem Tariflohn für einfache Verräumtätigkeit im Einzel- und Versandhandel.

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