Nun kehrt auch die CDU dem Laerer Bürgermeister Maier den Rücken zu
In Rekordzeit zum Außenseiter

Laer -

Jetzt auch noch die CDU. In ihrer fast zweiseitigen Stellungnahme bricht die stärkste Fraktion des Laerer Rates mit Bürgermeister Peter Maier, attestiert ihm eine „unbegreifliche Selbstwahrnehmung“ und vermutet, dass er „der Belastung des Amtes und der Situation einfach nicht gewachsen ist“. Damit hat es der vor zwei Jahren von 61,5 Prozent der Laerer gewählte Bauingenieur aus Franken in Rekordzeit geschafft, die Mehrheit des Rates gegen sich aufzubringen.

Mittwoch, 15.11.2017, 18:11 Uhr

 
  Foto: Axel Roll / Fotomontage

Erst in der jüngsten Sitzung des Rates, in dem acht Vertreter der CDU , zwei der SPD , zwei der Grünen, zwei der Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG), zwei der Freien Bürger und zwei Fraktionslose vertreten sind, schlugen die Wellen hoch: Die Sprecherin der Grünen erklärte öffentlich, den „Hals gestrichen voll“ von der Amtsführung des 53-Jährigen zu haben.

Viele Vorwürfe

Ihre Ärger-Liste war lang: Unangemessenes Verhalten gegenüber Privatpersonen und Investoren, Beschlüsse des Rates würden nicht ausgeführt, die Verschwiegenheitspflicht verletzt. Elke Schuchtmann-Fehmer schloss ihre Ausführungen mit dem Satz: „Mit ihrem schlechten Benehmen schädigen Sie unsere Gemeinde ganz enorm.“ Für einen Bürgermeister starker Tobak.

SPD und FDP auf Tauchstation

SPD und FDP hatten den damals nach Arbeit und einem privaten Neuanfang suchenden Ingenieur nach Laer geholt. Sie schickten den Franken als einen von fünf Bewerbern um den Bürgermeisterstuhl ins Rennen. In der Stichwahl machte Maier unerwartet gegen Amtsinhaber Detlev Prange das Rennen. Sozialdemokraten und Liberale sind inzwischen auf Tauchstation.

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Im Rathaus werfen die Mitarbeiter ihrem Chef hinter vorgehaltener Hand selbstherrliches Verhalten vor. Das ist inzwischen auch in der Politik angekommen. Der fraktionslose Uwe Veltrup redete seinen Ratskollegen ins Gewissen: „Als Ratsmitglieder haben wir auch Verantwortung für die Mitarbeiter in der Verwaltung.“ Seine Frage an den Verwaltungschef, wie er seinen Führungsstil auf einer Skala von „autoritär“ bis „liberal-demokratisch“ einordnen würde, blieb unbeantwortet. Die Rathaus-Belegschaft antwortete auf ihre Weise. Sie lud ihren Vorgesetzten zum Betriebsfest aus ...

Nichtöffentliche Informationen ausgeplaudert

Die „Eskapaden“ – wie Kritiker die Aktionen des Bürgermeisters immer wieder nennen – beschäftigen inzwischen den Kreis Steinfurt als Dienstaufsicht. Die zweite Beschwerde wird dort gerade bearbeitet. In der kommenden Woche soll eine Entscheidung vorliegen. Darin wird Peter Maier von CDU, Grünen und den Unabhängigen Wählern bezichtigt, nichtöffentliche Informationen zur Bebauung des ehemaligen Hospitalgeländes ausgeplaudert zu haben.

Überregional für Wirbel sorgte Maier mit seiner Idee, Laer als Standort für das münsterische Gefängnis ins Spiel zu bringen. Der Rat entschied, die Bewerbung zurückzuziehen und stoppte so das Projekt.

"Politische Nebelkerzen"

Peter Maier selbst hat nach Darstellung seiner Gegner bislang nur einmal Selbstkritik gezeigt. Beim Neujahrsempfang entschuldigte er sich in einem Satz für die in 2016 gemachten Fehler. In einer von dieser Zeitung erbetenen Stellungnahme bezeichnet Peter Maier alle Anschuldigungen als „inhaltlich substanzlos und allein darauf gerichtet, mich in meiner Amtsführung zu Unrecht in Misskredit zu bringen“. Seine Gegenspieler würden „politische Nebelkerzen“ werfen, die nur davon ablenken sollten, dass „Laer mit mir auf dem richtigen Weg ist“.

Darauf hat die CDU nun geantwortet. Mit Gegenwind habe Maier noch nie umgehen können, sehr ungern nehme er den Rat anderer an. Lieber gehe er auf Biegen und Brechen seinen eigenen Weg, begleitet von „sich immer wiederholenden selbstlobenden Phrasen“.

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