Ein starkes Mädchen
Jessica Sommer erkrankte zweimal an Krebs

Ostbevern -

Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock. Insbesondere, wenn das ei­gene Kind daran erkrankt. Und die Krankheit gleich zweimal zuschlägt. So wie bei Jessica Sommer aus Ostbevern.

Montag, 04.12.2017, 07:12 Uhr

Jessica Sommer (l.) mit ihrer Mutter Claudia und Vater Martin Sommer. Im Hintergrund: Lothar Schlutz aus Rheine, der sich am UKM um krebskranke Kinder kümmert.
Jessica Sommer (l.) mit ihrer Mutter Claudia und Vater Martin Sommer. Im Hintergrund: Lothar Schlutz aus Rheine, der sich am UKM um krebskranke Kinder kümmert. Foto: Inga Tawadrous

Doch die 13-Jährige geht mit ihrer Erkrankung guten Mutes um. Offen spricht sie über die vielen Klinikaufenthalte, die höllischen Schmerzen und die Chemo. Nur eines kommt ihr nie über die Lippen: der Begriff „Krebs“. „Dieses Wort kann ich nicht haben.“

Erste Diagnose mit zweieinhalb Jahren

Als Jessica zweieinhalb Jahre alt ist, wird bei ihr ein Tumor in der linken Nebenniere diagnostiziert. Das Mädchen besiegt die Krankheit, die Familie atmet auf. Jetzt, zehn Jahre später, schlägt der Krebs erneut zu. Wie aus heiterem Himmel. „Irgendwann hatte ich komische Rückenschmerzen, konnte nicht liegen, nicht sitzen, nicht stehen.“ Dass sich wieder ein Tumor in ihrem Körper eingenistet hat, darauf kommen die Ärzte zuerst nicht. „Schließlich hatte Jessica drei Monate zuvor wegen ihrer ersten Tumorer­krankung eine Kontrollun­tersuchung am Uniklinikum Münster gehabt, dabei wurde nichts Auffälliges festgestellt“, sagt ihre Mutter Claudia Sommer .

Zweite Diagnose erst nach vielen Arztbesuchen

Acht Wochen lang klagt Jessica über die Schmerzen: „Ich war bei verschiedenen Ärzten, ein Heilpraktiker hat Akupunktur gemacht, ein anderer hat mir den Rücken eingerenkt und bei einem Psychologen war ich auch. Irgendwann wurde mir gesagt, dass ich mir die Schmerzen nur einbilde, das war echt doof.“ Die Eltern sind hin und hergerissen: Auf der einen Seite die Ärzte, die keinen körperlichen Grund für die Schmerzen ihrer Tochter finden. Auf der anderen Seite dann das eigene Kind, das immer wieder schmerzverkrümmt wiederholt: „Mama, ich bin nicht verrückt, ich bilde mir die Schmerzen nicht ein.“

Bis zu dieser einen Nacht, da rufen Claudia Sommer und ihr Mann Martin wieder den Rettungswagen. In der Uniklinik stellt sich die Mutter wie eine Löwin hinter ihr leidendes Kind. Sie werde nicht weggehen, bis der Grund für die Schmerzen gefunden wird. Wenige Augenblicke später spürt Jessica ihre Beine nicht, sie bricht zusammen. Es wird ein MRT gemacht: Schon wieder ist es ein Neuroblastom. Krebs.

Tumor im Rücken

„Der Tumor saß in meinem Rücken; er hatte gestreut, im Nacken, in der Hüfte.“ Noch in derselben Nacht folgt eine Not-OP. Bei dem Check-Up wenige Monate vorher wurde der Tumor nicht entdeckt, weil er keine Marker abgesetzt hatte.

Wochenlang liegt Jessica auf der Station 17. An ihrem Geburtstag darf sie für ein paar Stunden nach Hause. „Ich war so glücklich!“ Es gibt Phasen im Leben, da braucht man nicht viel, um glücklich zu sein. Da reicht es, wenn man zu Hause bei der Familie sein kann. Da reicht es, wenn man „wie ein normales Kind“, so Jessica, „zur Schule gehen kann“.

Starke Worte von einem starken Mädchen

Die 13-Jährige geht cool mit ihrer Krankheit um. Der Krebs habe ihr Leben bereichert, sagt sie. Starke Worte von einem starken Mädchen. „Wenn ich nicht krank geworden wäre, hätte ich heute meinen Hund Charly nicht.“ Hätte der Krebs nicht erneut zugeschlagen, hätte Jessica auch nicht all die lieben Menschen auf der UKM-Kinderkrebsstation kennengelernt. Dann wäre sie auch nie Lothar Schlutz aus Rheine begegnet – der 78-Jährige setzt sich seit Jahren ehrenamtlich für die jungen Krebspatienten ein.

Jessica hat den Krebs besiegt

Vor kurzem erhielt Jessica eine gute Nachricht: Sie habe den Krebs besiegt und sei auf einem guten – wenngleich langen – Weg der Genesung. Auch das Gefühl in ihren Beinen kommt wieder. So wie es aussieht, wird sie ihren Rollstuhl eines Tages nicht mehr benötigen.

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