„Das neue, alte Münster“
Bislang unbekannte Filmaufnahmen aus dem Jahr 1948

Münster -

Wiederaufbau des kriegszerstörten Münsters in schwarz und weiß: Mithilfe des Stadtmuse­ums sind vor einiger Zeit bis dahin unbekannte Filmaufnahmen aus dem Jahr 1948 aufgetaucht, die das Alltagsleben in der Stadt drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dokumentieren.

Samstag, 09.12.2017, 16:12 Uhr

Dr. Ralf Springer am Schneidetisch im LWL-Medienzentrum. Auf dem Bildschirm sieht man eine Prinzipalmarkt-Szene aus Franz-Josef-Görtz Film „Münster ist eine Reise wert“.
Dr. Ralf Springer am Schneidetisch im LWL-Medienzentrum. Auf dem Bildschirm sieht man eine Prinzipalmarkt-Szene aus Franz-Josef-Görtz Film „Münster ist eine Reise wert“. Foto: Gunnar A. Pier

Der 1925 ge­borene Werner Strumann hatte die Szenen gefilmt; offenbar war er sich damals der Bedeutung des Augenblicks bewusst. Das LWL-Medienzentrum für Westfalen hat nun Teile dieses Films mit weiteren alten Aufnahmen verwoben und so einen Film zusammengeschnitten, der den Titel „Das neue, alte Münster“ trägt und die Zeit von 1948 bis Ende der 1950er-Jahre abdeckt. Damit knüpft er an die eigene Produktion „Münster zwischen den Kriegen“ aus dem Jahr 2006 an.

Maßgeblicher Bestandteil des neuen Films sind Aufnahmen, die der Kaufmann Franz-Josef Görtz Ende der 1950er-Jahre machte. Görtz, ein begeisterter Amateurfilmer, hatte mit seinem professionell gedrehten Farbfilm „Münster ist eine Reise wert“ einen Wettbewerb gewonnen. Ab 1960 zeigte die Stadt den 30-Minüter offiziell zu Werbezwecken.

Mehr von Sensation haben jedoch Strumanns Aufnahmen aus dem noch nicht wiederaufgebauten Münster.

Große Begeisterung

Der Kontakt zum Hobbyfilmer Strumann kam vor drei Jahren über den stellvertretenden Leiter des Stadtmuseums, Dr. Axel Schollmeier , zustande. Ja, da gebe es noch einen alten Film, habe der Strumann seinerzeit gesagt. Nein, den kenne niemand mehr. Er, Schollmeier, könne ihn aber gerne sichten. Was dieser natürlich liebend gerne tat. Danach informierte er umgehend den Archivleiter des Medienzentrums, Dr. Ralf Springer.

Der war natürlich hellauf begeistert. „So alte Aufnahmen in derart hervorragender Qualität sind sehr selten“, erzählt er. Was den 13 Minuten langen Strumann-Film darüber hinaus auszeichnet: Ihm liegt eine Art Drehbuch zugrunde – und er hat überdies eine Botschaft. „Strumann wusste, dass er sich an einer Nahtstelle zwischen Zerstörung und Wiederaufbau befand“, sagt Prof. Markus Köster, der Leiter des LWL-Medienzentrums. Die Blickrichtung Strumanns sei dabei eindeutig nach vorn gerichtet gewesen. Richtung Aufbau, Richtung Zukunft. „Mit der Filmkamera durch Münster 1948“ nannte er seinen Film schlicht und einfach.

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Die Premiere von „Das neue, alte Münster“ findet am 15. Dezember um 18 Uhr im Theater Münster statt. Der Eintritt ist frei. Dort kann der Film auch als DVD erworben werden.

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Was an den Szenen besonders auffällt, sind die vielen Menschen. Sie bevölkern die Straßen, sitzen dicht gedrängt in Bussen oder stehen in den Einstiegen der proppenvollen Straßenbahnen. „100 000 Einwohner hatte Münster 1948 schon wieder“, erzählt Köster. „Bei Kriegsende waren es 25 000 gewesen.“ Ansonsten hielt Strumann Alltägliches vor ei­ner zerbombten Kulisse fest. Bagger, die Schutt abtragen, Familien, die in Ruinen leben, ein Mann, der auf der Promenade einen Baum fällt – und das blühende Leben auf dem Schwarzmarkt vor dem Hauptbahnhof.

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