Viele Probleme, kaum Perspektiven
Stadt will Obdachloseneinrichtung an der Trauttmansdorffstraße aufgeben

Münster -

Wer in der Obdachloseneinrichtung an der Trauttmansdorffstraße lebt, der hat kaum eine Chance, eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt zu finden. „Schon die Angabe der aktuellen Wohnadresse führt in vielen Fällen dazu, dass potenzielle Vermieter Wohnangebote verweigern“, so die Verwaltung.

Montag, 08.01.2018, 21:00 Uhr

Hohes Konfliktpotenzial und wenig Perspektive – so umschreibt die Verwaltung die aktuelle Situation in der Obdachloseneinrichtung an der Trauttmansdorffstraße. Sie soll daher bis Ende des Jahres aufgegeben werden.
Hohes Konfliktpotenzial und wenig Perspektive – so umschreibt die Verwaltung die aktuelle Situation in der Obdachloseneinrichtung an der Trauttmansdorffstraße. Sie soll daher bis Ende des Jahres aufgegeben werden. Foto: Oliver Werner

Denn die Einrichtung hat keinen guten Ruf. 2016 und 2017 gab es pro Woche mindestens einen Polizeieinsatz – wegen Streit, Ruhestörung, Körperverletzung. Menschen, die hier gar nicht wohnen, suchen immer wieder Unterschlupf, viele Kinder schwänzen die Kita oder die Schule, so die Verwaltung. Sie spricht von einem „hohen Konfliktpotenzial“, kurzum: Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Bewohner sollen umziehen

Die Stadt Münster betreibt zwei Übergangseinrichtungen für wohnungslose Familien. Das Wohnheim am Schwarzen Kamp ist inzwischen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt worden. Nun will die Verwaltung auch den Standort Trauttmansdorffstraße angehen. Er soll „so schnell wie möglich“, möglichst bis Ende dieses Jahres, aufgegeben werden, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung, über die der Rat Ende Januar abstimmen wird.

80 der aktuell rund 200 Bewohner sollen in die bislang als Flüchtlingseinrichtungen genutzten Unterkünfte am Sandfortskamp und am Hohen Heckenweg umziehen. Für die übrigen 120 werden noch Ersatzunterkünfte gesucht. „Das wird anstrengend“, prophezeit Heinz Lembeck vom Sozialamt. Entsprechend ambitioniert sei das Ziel, die Trauttmansdorffstraße bis Ende 2018 freizuziehen.

Wird das Grundstück für gewerbliche Zwecke vermarktet?

Danach könnte das Grundstück für gewerbliche Zwecke vermarktet werden. Die Wohn- und Stadtbau, der das Gelände samt Einrichtung gehört, habe bereits Kontakt zur Wirtschaftsförderung angenommen.

Nach Angaben der Verwaltung handelt es sich bei rund 90 Prozent der Bewohner in der Einrichtung Trauttmansdorfstraße um Menschen mit Migrationshintergrund, darunter vor allem ehemalige Flüchtlinge, die auf dem privaten Wohnungsmarkt scheiterten. Etwa die Hälfte der Bewohner sei noch minderjährig.

Über die tägliche Realität macht man sich in der Verwaltung keine Illusionen: „An der Trauttmansdorffstraße erkennt man beispielhaft die Folgen einer unzureichenden Integration und der Konzentration lediglich auf die Versorgung mit Wohnraum“, heißt es in der Vorlage. Hohes Konfliktpotenzial und wenig Perspektive – das soll es an den Nachfolge-Standorten künftig nicht mehr geben.

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