Rauchen
Zigarettenautomaten sind ein Auslaufmodell

Münster -

Noch vor wenigen Jahren gehörten Zigarettenautomaten bundesweit zum Stadtbild. Doch sie werden immer weniger: Rund 815.000 Zigarettenautomaten standen vor 20 Jahren, also 1997, an Gehwegen, Bushaltestellen, Hauswänden, aber auch in Gaststätten, Restaurants oder Hotels bereit. 

Sonntag, 14.01.2018, 15:01 Uhr

Wer Zigaretten aus einem Automaten ziehen will, muss Volljährigkeit nachweisen.
Wer Zigaretten aus einem Automaten ziehen will, muss Volljährigkeit nachweisen. Foto: klm

Im Jahr 2006 waren es rund 500.000, aktuell sind es noch etwa 320.000, heißt es beim Bundesverband Deutscher Tabakwarengroßhändler und Automatenaufsteller in Köln.

Wie viele Automaten noch in Münster stehen oder hängen, wird nirgendwo regis­triert, weil es keine generelle Anmeldepflicht gibt. Der allgemeine Rückgang zeigt sich aber auch an einem Ausschnitt: Apparate auf städtischem Grund müssen gemeldet werden. Für 2017 seien 119 angemeldet worden, für 2018 noch 111, sagt Werner Schulik vom Ordnungsamt auf Nachfrage.

Massive Sachbeschädigungen

Ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, weniger Raucher und das Nichtraucherschutzgesetz sind der eine Grund für weniger Tabakkonsum. Dass die Zahl der Automaten in der Öffentlichkeit abnimmt, hat im Wesentlichen aber drei andere Ursachen: „Das größte Pro­blem ist das Kneipensterben. Hinzu kommen Vandalismus und Zerstörungen. Die Vorrichtung für den Jugendschutz für die Alterserkennung spielt eine weitere Rolle“, sagt Gregor Schlief, Inhaber und Geschäftsführer von Tabak Schlief aus Dülmen, die Automaten auch in Münster betreiben. „Es haben viele Kneipen aus verschiedenen Gründen aufgegeben“, so Schlief. Aber auch bestehende gastronomische Betriebe hielten keine Zigarettenautomaten mehr vor. In der Gaststätte dürfe eh nicht geraucht werden.

Erzürnt ist Schlief über Sprengungen und Aufbrüche von Automaten durch Kriminelle. „In Münster haben wir an der Königsberger Straße mehrmals einen Automaten aufgestellt, weil er immer wieder zerstört wurde. Mittlerweile lassen wir es.“ 2007 habe die Firma zehn Totalschäden verzeichnet. Die Polizei kennt das Pro­blem: Im Jahr 2017 habe es 40 massive Sachbeschädigungen an Automaten gegeben, weil die Täter offenbar an Geld und Tabakwaren gelangen wollten: „Sechs Apparate wurden ganz mitgenommen, sechs wurden gesprengt, 27 wurden durch Hebeln, Brechen oder Schneiden geöffnet; und einer verschwand bei einem Einbruch in eine Gaststätte“, weiß Andreas Bode von der Pressestelle.

Jugendschutz-Technik vergrault viele Kunden

Bis Ende 2006 mussten Aufsteller wegen des veränderten Jugendschutzes Apparate „technisch aufrüsten“, wie es Burkhard Amborst vom Unternehmen Tobaccoland, dem größten deutschen Betreiber von Zigarettenautomaten, formuliert. Wer Zigaretten zieht, soll anhand von Ausweis oder Führerschein nachweisen, dass er schon 18 Jahre alt ist. „Dadurch sind die Anschaffungskosten gestiegen – von unter 1000 D-Mark auf bis zu 3000 Euro pro Maschine“.

Georg Schlief erklärt, dass sein Betrieb durch die Jugendschutz-Technik „20 bis 40 und vereinzelt bis 50 Prozent Umsatz pro Apparat verloren“ habe. Manche Kunden hätten anscheinend auch „einfach keine Lust“, sich auf den relativ komplizierten Mechanismus mit Altersnachweis einzulassen.

Die Gebühren für den Betrieb eines Automaten pro Jahr betragen übrigens zwischen 83 Euro in der Innenstadt und 41 Euro in einigen Randbereichen Münsters.

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