Gebühren privat eingesteckt
Freiheitsstrafe für Ex-Bürgerbüro-Mitarbeiterin

Münster -

(Aktualisiert) Mal 30, mal 50, mal 60 Euro – es waren nicht immer große Beträge, die eine frühere städtische Angestellte in die eigene Tasche gesteckt hatte. Doch als die Mitarbeiterin im Bürgerbüro Anfang 2016 nach fünf Jahren aufflog, war der Schaden gleichwohl immens. Mindestens 167.000 Euro an Verwaltungsgebühren für ausgegebene Reisepässe und Personalausweise hat die heute 62-Jährige in dieser Zeit für sich behalten.

Dienstag, 20.02.2018, 10:18 Uhr aktualisiert: 20.02.2018, 16:23 Uhr
Gebühren privat eingesteckt: Freiheitsstrafe für Ex-Bürgerbüro-Mitarbeiterin
Foto: dpa (Symbolfoto)

Die Quittung bekam die Münsteranerin am Dienstag vor dem Schöffengericht: Zwei Jahre Freiheitsstrafe wegen Untreue in einem besonders schweren Fall ohne Bewährung. Auf eine solche Strafaussetzung hatte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer gedrängt. Der Richter indes sah keine Umstände, die eine Bewährungsstrafe rechtfertigen könnten. Die Angeklagte habe gewerbsmäßig gehandelt, ihr Nettoeinkommen damit quasi verdoppelt und sich zugleich als Amtsträgerin strafbar gemacht. Auch das „dürftige Geständnis“ der Frau zu Beginn des zweiten Verhandlungstags half ihr angesichts der erdrückenden Indizien-Lage an dieser Stelle nicht.

Kontrollsystem mit IT-Lücke

An 658 Arbeitstagen zwischen März 2011 und Januar 2016 veruntreute die damalige Stadt-Angestellte Verwaltungsgebühren; einmal waren es an einem Tag fast 900 Euro. Allein für die Jahre 2013 und 2014 zählte das Gericht jeweils 1200 Einzelfälle, in denen die Ex-Bürgerbüro-Mitarbeiterin die Gebühren für sich behielt. „Das Kontrollsystem zum damaligen Zeitpunkt war nicht das beste“, stellte der Richter fest. Und so fiel lange Zeit nicht auf, dass die Zahl der ausgegebenen Reisedokumente weitaus höher war als die vorliegenden Quittungen. Eine IT-Lücke, die kurz danach aber geschlossen worden sei, wie die Stadt versichert. Aufgeflogen war die Mitarbeiterin im Bürgerbüro , weil aufgrund von Unregelmäßigkeiten in einer Nachbarabteilung stichprobenartig Kontrollen durch die Innenrevision durchgeführt wurden.

Angeklagte: „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“

Vor Gericht gab die Münsteranerin an, sie habe aufgrund eines finanziellen Engpasses gehandelt, da ihr Mann infolge eines Unfalls nicht mehr habe arbeiten können und sie noch ihren Sohn unterstützen musste. Diese Version nahm ihr der Richter unter Verweis auf den „extrem langen Tatzeitraum“ und ihre hohen Ausgaben für Zweitwohnung und Auto indes nicht ab. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“, entgegnete die Angeklagte auf weitere Nachfragen vage. Der Richter vermisste bei ihr „jede Form  kritischer Auseinandersetzung“ mit den Taten.

Stadt will veruntreutes Geld zurückfordern

Mit seinem Urteil blieb das Gericht etwas hinter der Forderung des Staatsanwalts zurück, der zwei Jahre und vier Monate Haft für angemessen erachtete. Die Verteidigerin kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, wegen des Strafmaßes in Berufung zu gehen. Die Stadt will nun auf Grundlage des Strafurteils das veruntreute Geld zurückfordern.

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