Fenster sorgen für Probleme
Schloss: Sanierungspläne gestoppt

Münster -

Die Fenster sind stark verwittert, die kunstvolle Fassade bröckelt – das Schloss sieht nicht gut aus. Der schon fertige Sanierungsplan wurde jetzt aber gestoppt. Besonders die Restaurierung der 426 denkmalgeschützten Fenster macht Probleme.

Montag, 26.02.2018, 09:02 Uhr

Die Fenster am Schloss sind stark verwittert, die Verzierungen der Fassaden sind teilweise mit Netzen bespannt, damit niemand von herabfallenden teilen verletzt wird.
Die Fenster am Schloss sind stark verwittert, die Verzierungen der Fassaden sind teilweise mit Netzen bespannt, damit niemand von herabfallenden teilen verletzt wird. Foto: Karin Völker

Das Schloss ist prominentes Wahrzeichen der Stadt – ein Schmuckstück ist es bei näherem Hinsehen aber nicht. Die Sandsteinverzierte Fassade bröckelt, Netze schützen vor herabfallenden Teilen und die Fenster sind unansehnlich verwittert. An diesem wenig repräsentativen Zustand wird sich nun – entgegen der bereits verkündeten Planung – auf absehbare Zeit auch nichts ändern.

Komplizierter Sanierungsfall

Es liege nicht am etwaig fehlenden Geld, beteuert Markus Vieth, Leiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) Münster. Wenige Monate vor dem geplanten Sanierungsstart im Mai hat der BLB als Eigentümer der Immobilie nun, wie Vieth sagt, „die Reißleine gezogen“. Das Schloss erweist sich nach seinen Worten als besonders komplizierter Sanierungsfall.

Mit der Drohne am Schloss Münster

Das erst im vergangenen Herbst öffentlich kommunizierte Sanierungskonzept, aufgeteilt in fünf Bauabschnitte, ist damit hinfällig. Nach dem Katholikentag sollte mit der Sanierung des Südflügels begonnen werden. Aber bei näherem Hinsehen und beim Austausch mit der Universität kamen Probleme zum Vorschein. Konsequenz: „Es ist besser, jetzt noch einmal die Planung anzuhalten“, so Vieth.

Unverständnis über Restauration

Die Universität, die seit vielen Jahren auf die Außensanierung wartet, regiert nicht begeistert, wie zu hören ist. „Wir haben die Entwicklung zur Kenntnis genommen“, lautet die dürre Stellungnahme des Rektorats. Es ist aber zu hören, dass in der Uni vor allem darüber Unverständnis herrscht, dass sämtliche 426 Fenster des Schlosses nicht ersetzt, sondern restauriert werden – ein ungleich größerer Aufwand. Das Schloss, so ergab die Prüfung der Denkmalbehörden, sei ein „Denkmal des Wiederaufbaus“.

250 Jahre Schloss: Altes und Modernes unter einem Dach

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  • Blickfang im Foyer im heutigen Schloss ist das Bild von Rudolf Hausner „Aufruf zur Verteidigung der persönlichen Freiheit“.

    Foto: Karin Völker
  • Ein alter Schaltkasten im Hörsaal S2

    Foto: kv
  • Eines der prächtig möblierten Zimmer im Schloss: Die Aufnahme stammt aus der Zeit um 1930.

    Foto: LWL Denkmalamt
  • Der ehemalige Festsaal des Schlosses vor der Zerstörung. Hier ist heute die Aula.

    Foto: LWL Denkmalamt
  • Die ehemalige Kapelle im Südflügel erstreckte sich über zwei Etagen. Heute ist unten der Hörsaal S 1, oben der S 2, der noch viele Zeugnisse der alten Kapelle enthält.

    Foto: LWL Denkmalamt
  • Die Schlossruine 1945

    Foto: LWL Denkmalamt
  • Zwischen 1933 und 1945 diente der Schlossplatz wiederholt großen Aufmärschen der nationalsozialistischen Machthaber.

    Foto: Universitätsarchiv
  • Die ehemalige Schlosskapelle

    Foto: LWL-Denkmalamt
  • Der Südflügel  mit der ehemaligen Kapelle nach der Zerstörung. Oben links sind die heute noch erhaltenen Verzierungen sichtbar.

    Foto: LWL Denkmalamt
  • Ein Overheadprojektor im Hörsaal S2

    Foto: Oliver Werner
  • Blick in den Hörsaal S2

    Foto: Oliver Werner
  • Engel im Hörsaal S2 – Überbleibsel des Kapellenschmucks

    Foto: Oliver Werner
  • Nicht jeder Stuhl ist im S2 benutzbar.

    Foto: Oliver Werner
  • Engel im Hörsaal S2 – Überbleibsel des Kapellenschmucks

    Foto: Oliver Werner
  • Studentengenerationen haben Kritzeleien im Hörsaal S2 hinterlassen.

    Foto: Oliver Werner
  • Studentengenerationen haben Kritzeleien im Hörsaal S2 hinterlassen.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Blick in den Hörsaal

    Foto: Oliver Werner
  • Alt neben neu: Der Beamer kommt heute in Vorlesungen zum Einsatz.

    Foto: Oliver Werner
  • Studentengenerationen haben Kritzeleien im Hörsaal S2 hinterlassen.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Tablet dient heute der Steuerung des Beamers. Kreide, Schwamm und eine Tafel gibt es aber auch noch.

    Foto: Oliver Werner
  • Studentengenerationen haben Kritzeleien im Hörsaal S2 hinterlassen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Kurbel für den Theatervorhang aus den 50ern im Hörsaal S2

    Foto: Oliver Werner

Und dazu gehörten eben auch die Anfang der 50er-Jahre eingebauten Fenster, die eben keineswegs aus den Zeiten von Barock-Baumeister Schlaun stammen. Die Fenster für den Wiederaufbau wurden laut BLB aus dem haltbaren kanadischen Pitch-Pine-Holz gefertigt. „Sie sind nach Einschätzung der Denkmalschützer nicht marode, lediglich Farbe und Kitt lösen sich“, sagt Markus Vieth. Er stellt die Entscheidung nicht infrage: „Wir wollen als BLB unsere Verantwortung als Eigentümer wahrnehmen und das Schloss nun als Denkmal sanieren“, betont er. Eine Kostenschätzung könne er nicht abgeben.

Pilotsanierung am Südflügel

Fest steht nun lediglich, dass zunächst am Südflügel eine Pilotsanierung angegangen werden soll, voraussichtlich im Jahr 2019. Dann sehe man klarer, wie sehr der Verwaltungs- und Lehrbetrieb behindert sei, ob eventuell Ausweichgebäude gefunden werden müssten, wie lange die Sanierung von Fenstern und Fassaden dauere und wie sehr Veranstaltungen wie Kongresse oder öffentliche Großveranstaltungen auf dem Schlossplatz durch Gerüste und Bauarbeiten behindert würden.

Weitere ungeklärte Fragen: Es gibt nach Einschätzung des BLB nicht allzu viele Firmen, die auf die Restaurierung der Fenster spezialisiert sind. Jedes einzelne Fenster müsse ausgebaut, durch ein Provisorium ersetzt und nach der Aufarbeitung wieder eingesetzt werden. Unklar ist auch, ob Innenfenster eingesetzt werden können, die die Energiebilanz des Schlosses verbessern könnten. Und schließlich muss auch das Untergeschoss abgedichtet, also das Fundament ausgegraben werden.

In den 90ern kurzerhand ausgetauscht

Die denkmalpflegerische Bewertung der Schlossfenster fiel in den 90er Jahren übrigens anders aus. Damals wurden einzelne, besonders verwitterte Fenster kurzerhand ausgetauscht. BLB-Sprecherin Rebecca Keller versucht sich mit einer Erklärung: „Damals war das Bewusstsein für den Denkmalwert der Wiederaufbauzeit vielleicht noch nicht so ausgeprägt.“ 

Kommentar: Denkmal mit Funktion

Also doch: Die Sanierung der immer unansehnlicheren Schloss-Fassade bleibt weiter in der Rubrik unendliche Geschichten.  Viele Jahre, so hieß es, kam die immer drängendere Instandsetzung wegen fehlenden Geldes nicht in Schwung, nun erweist sich die Restaurierung selbst als schwierig. Zwischendurch knirschte es lange zwischen Baubehörde und Denkmalschutz, der sich nun durchgesetzt hat. Das Vorhaben wird dadurch nicht eben leichter. Die Aufarbeitung der 426 denkmalgeschützten Fenster ist eine sehr teure Herkulesaufgabe, die den dazu befähigten Firmen viele Jahre Arbeit beschert. Die Fenster stammen wohlgemerkt aus der Nachkriegszeit, sie sind etwa 65, nicht 265 Jahre alt. Das Schloss ist einerseits Denkmal, es hat aber auch handfeste Funktionen: als Arbeitsplatz für Hunderte von Uni-Mitarbeitern und als Lehrgebäude mit Hörsälen, in die Tausende Studierende strömen. Beim Sanierungsplan gilt es dazwischen abzuwägen – mit Augenmaß.

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