Test im Teutoburger-Wald-Netz
Eurobahn spricht von „Verbesserungen“: Fahrplanmäßig nach Hengelo

Rheine/Hengelo -

Test bestanden, vorsichtiges Aufatmen bei der Eurobahn. Montagmorgen sind die ersten Züge des krisengeschüttelten Ei­sen­bahnunternehmens von Bielefeld über Ibbenbüren und Rheine bis nach Hengelo gefahren. Der Grenzübertritt als Zeichen dafür, dass jetzt alles besser wird?

Montag, 26.02.2018, 18:53 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 26.02.2018, 18:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 26.02.2018, 18:53 Uhr
Fast eine Jungfernfahrt: Die RB 61 fuhr gestern planmäßig von Bielefeld nach Hengelo. Eigentlich hätte die Eurobahn den grenzüberschreitenden Verkehr schon im Dezember anbieten müssen, doch es gab technische Probleme..
Fast eine Jungfernfahrt: Die RB 61 fuhr gestern planmäßig von Bielefeld nach Hengelo. Eigentlich hätte die Eurobahn den grenzüberschreitenden Verkehr schon im Dezember anbieten müssen, doch es gab technische Probleme.. Foto: Gunnar A. Pier

Eigentlich hatte die RB 61 schon mit dem Fahrplanwechsel Ende 2017 ohne lästigen Lokwechsel in Bad Bentheim in die Niederlande rollen sollen, doch es kam bekanntlich anders.

Die Eurobahn , deutsche Tochter des französischen Keolis-Konzerns, hatte sich seit der Übernahme des Teu toburger-Wald-Netzes (TWN) am 10. Dezember mit fünf Strecken im Raum Münster, Bielefeld und Osnabrück nicht mit Ruhm bekleckert. Verspätungen und Zugausfälle, dazu der Ersatzverkehr nach Hengelo. Die Fahrgäste grummelten, der Aufgabenträger war sauer. Am Ende riss dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NLW) der Geduldsfaden: Er mahnte die Eurobahn ab; obwohl das Unternehmen im Vorfeld versprochen hatte, ab dem 26. Februar störungsfrei zu fahren. Der Imageschaden war gewaltig.

Verzögerungen bei der Ausbildung eigener Lokführer

Montagmorgen, kurz vor zehn, Bahnhof Bad Bentheim. Auf dem Bahnsteig von Gleis zwei frieren Karsten Schulz und Marcus Klugmann bei minus fünf Grad. Beide ar­beiten für die Eurobahn. Beide wollen sicherstellen, dass die RB 61 wirklich rollt.

Mit der Eurobahn nach Hengelo

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  • Endstation Hengelo: Seit Montag, 26. Februar 2018, fährt die Eurobahn von Bielefeld bis in die benachbarten Niederlande.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Rheine ist für viele ein wichtiger Umsteige-Bahnhof.

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  • Die Anzeigetafel am Bahnhof Rheine traute der Sache am ersten Tag wohl noch nicht - und kündigte lediglich eine Fahrt bis Badn Bentheim an.

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  • An Bord der Züge aber wurde bereits der richtige Zeitplan angezeigt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Schienenersatzverkehr - er soll der Vergangenheit angehören.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Stattdessen soll es nach Plan Richtung Holland gehen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In Hengelo macht der Zug kurz Station und startet dann die Rückfahrt nach Bielefeld.

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  • Endstation Hengelo: Seit Montag, 26. Februar 2018, fährt die Eurobahn von Bielefeld bis in die benachbarten Niederlande.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • "Stoptrein" nach Bielefeld - die Anzeigentafel in Hengelo.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

„Uns ist natürlich klar: Wir müssen liefern“, sagt Schulz, auf dessen Visitenkarte Projektleiter Geschäftsentwicklung steht.

Pünktlich um 10.09 Uhr fährt der Zug los und kommt um kurz vor halb elf im Bahnhof Hengelo an. Fahrgäste steigen aus, neue Fahrgäste steigen ein: Ein paar Minuten später setzt sich der neue Triebwagen erneut in Bewegung, wieder zurück Richtung Deutschland.

Grenzüberschreitend elek­trisch Züge fahren zu lassen ist technisch nicht ganz einfach. Marcus Klugmann, Leiter Marketing und Bestellermarkt, erklärt die Unterschiede zwischen den Stromsystemen und Spannungsstärken. Die Züge müssen die Kunst beherrschen mit beidem klarzukommen. Kamen die acht neuen Flirt-3-Triebwagen der Eurobahn bisher jedoch nicht. Al­so war in Bad Bentheim unfreiwillig Endstation.

Eurobahn fehlen Fahrzeuge

Man kann sich lebhaft vorstellen, dass die Techniker des Triebwagenherstellers Stadler und die der französischen Staatsbahn-Tochter in den vergangenen Wochen schlaflose Nächte hatten. Die Software der Triebwagen bekam ein Update, es wurde getestet, es wurde optimiert, es wurde Probe gefahren und geprüft. Am Ende waren alle Beteiligten verhalten optimistisch. Keolis sprach vorsichtig von „ersten Verbesserungen“ im TWN.

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Froh über den verspäteten, aber letztlich offenbar geglückten Start: Carsten Schulz (links, Projektleiter Geschäftsentwicklung bei der Eurobahn) und Marcus Klugmann (Leiter Marketing und Bestellermarkt). Foto: Gunnar A. Pier

Der erste Zug um 6.09 Uhr blieb gestern in Bad Bentheim wieder stehen. Die nachfolgenden rollten nach kurzem Umstellstopp gottlob planmäßig weiter. 34-mal überquert die RB 61 laut Fahrplan täglich die Grenze.

Auch beim Bahnverkehr gilt: Alles hängt mit allem zusammen. Der Eurobahn fehlten im TWN Fahrzeuge, weil die acht neuen Züge mit Grenz-Verkehr-Technik tagelang in der Werkstatt festhingen. Acht von insgesamt 27 Zügen sind viele. „Das konnten wir nicht ausgleichen“, sagt Klugmann.

Zum Pleiten-Pech-und-Pannen-Reigen hinzu kamen Verzögerungen bei der Ausbildung von eigenen Lokführern. Ab März stehen laut Eurobahn neben den 100 bisherigen Triebfahrzeugführern im TWN elf weitere zur Verfügung. Das seien genug, um Engpässe auszugleichen, so Klugmann.

Am frühen Abend meldete sich der NWL zu Wort. Die RB 61 sei bis auf die Ausnahme um 6.09 planmäßig gefahren. Immerhin ein Anfang.

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