Mr. Ed's: Rechtsstreit um Musikkneipe
Neue Lärmmessung statt Urteil

Warendorf -

Erst in drei bis vier Monaten soll der Rechtsstreit in Sachen Mr. Ed‘s vor dem Landgericht fortgesetzt werden. Auch am Dienstag erging kein Urteil, wohl aber ein Beschluss, weitere Lärmgutachten vorzunehmen.

Dienstag, 27.02.2018, 15:02 Uhr

 
Noch kein Urteil im Mr.-Ed´s-Prozess. Auch am Dienstag fiel vor dem Landgericht in Münster kein Urteil, wohl aber erging ein Beschluss. Danach sollen nochmals Lärmmessungen erfolgen, diesmal allerdings bei Darup und Schulze Johann, die zu den Klägern gehören Foto: Edler

Immer noch kein Ende in Sicht im Rechtsstreit zwischen dem Betreiber des Mr. Ed‘s und den Anwohnern der Emsstraße. Auch am Dienstag fiel vor dem Landgericht in Münster kein Urteil, wohl aber erging ein Beschluss. Danach sollen nochmals Lärmmessungen erfolgen, diesmal allerdings bei Darup und Schulze Johann , die zu den Klägern gehören. Außerdem soll geprüft werden, ob die Kläger, die zum Teil gar nicht mehr in der Emsstraße wohnen, überhaupt noch zur Klage berechtigt sind. Die Verteidiger des Musikkneipenbesitzer und des Hauseigentümers hatten beim Gericht gerügt, dass ein Kläger gar nicht mehr in seiner Immobilie wohnt und somit auch keine Lärmbeeinträchtigungen mehr hat. Die nächste Verhandlung soll in drei bis vier Monaten stattfinden. Dann allerdings unter neuem richterlichen Vorsitz. Der jetzige Richter wurde an ein anderes Gericht berufen.

Paradoxes Lärmmessung

Bis zur nächsten Verhandlung soll noch einmal eine verdeckte Messung stattfinden, und zwar vor den Fenstern der Kläger Manni Darup sowie Maria und Rainer Schulze Johann in der Emsstraße. Paradox: Darup wohnt gar nicht mehr in der Emsstraße. Er hat seine Gaststätte verkauft (wir berichteten). Und der neue Hauseigentümer hat gegenüber unserer Zeitung signalisiert, dass er kein Interesse habe, sich der Klage gegen das Ed´s anzuschließen. Bleibt abzuwarten, wie der neue Richter den Fall sieht. Derweil hofft Kneipenbesitzer Ralf „Ralle “ Friedrich weiterhin händeringend von der Stadt die Wochenend-Öffnungszeiten (Freitag bis Sonntag) bis morgens um drei Uhr und in der Woche bis ein Uhr nachts genehmigt zu bekommen.

Wir arbeiten aufs i-Tüpfelchen genau und sauber – und dafür nehmen wir uns so viel Zeit, wie wir brauchen.

Peter Pesch

Nach der derzeitigen Baugenehmigung für die Immobilie an der Emsstraße ist die maximale Betriebszeit sonntags bis donnerstags von 6 bis 23 Uhr und freitags und samstags von 6 bis 24 Uhr festgeschrieben. Diese Auflage stammt noch aus der Zeit, als sich in dem Gebäude ein Café befand.

Warendorfs Baudirektor Peter Pesch bestätigte am Dienstag noch einmal gegenüber unserer Zeitung, dass die Baugenehmigung und damit die erweiterten Öffnungszeiten in der kommenden Woche erteilt werden. Warum es so lange dauert, nachdem das Bauamt bereits am 5. Februar eine zeitnahe Genehmigung zugesagt hatte, kommentierte Pesch so: „Wir arbeiten aufs i-Tüpfelchen genau und sauber – und dafür nehmen wir uns so viel Zeit, wie wir brauchen.“

Mehr wollte der Baudirektor in dem laufenden Verfahren nicht sagen. Für den Fall, dass die Stadt dem Musikkneipenbesitzer die neuen Betriebszeiten genehmigt, kündigte der Rechtsanwalt um Klageführer Jörg Helms bereits eine Klage gegen die Stadt vor dem Verwaltungsgericht an.

Lärmgutachter beauftragt

Kneipenbesitzer Ralle fiel am Dienstag erst einmal fast hörbar ein Stein vor Herzen: „Ich bin glücklich, dass noch kein Urteil gefällt wurde. Wir werden weiter wie bisher für Ruhe vor der Kneipentür sorgen. Meine Türsteher sind weiter angehalten, die Raucher wegzuschicken.“ Für ihn stellt sich weiterhin die Frage: „Muss ich überhaupt vor einem Nachbarhaus eingreifen, wenn sich dort mehrere Personen laut unterhalten? Und: Kann der 15 Meter entfernte Lärm überhaupt mir angelastet werden?“ Der Fahrradständer sei nicht mehr Kneipengelände und falle somit auch nicht mehr in die Zuständigkeit des Türstehers. „Das ist öffentlicher Raum“, argumentierte der Kneipenwirt.

Fahrradständer als Lärmquelle

Die Frage sollte unter anderem ein Lärmgutachter klären, der in der Nacht vom 24. auf den 25. November vergangenen Jahres eine verdeckte Messung durchgeführt hatte. Gemessen wurde an besagtem Freitag von 23 bis 1 Uhr aus dem der Musikkneipe gegenüberliegenden blauen Haus. Hier wohnt Anwohner Jörg Helms, der sich seit Jahren empfindlich in seiner Nachtruhe gestört fühlt. Das Ergebnis der Lärmmessung: 1047 Sekunden zu laut. In Zahlen ausgedrückt: 69 Dezibel, 19 über dem normalen Richtwert, zeigte das Messgerät in der letzten Stunden an. Allerdings kam der Lärm nicht direkt von der Kneipentür, sondern vom 15 Meter weiter entfernten Fahrradständer vor der Bäckerei Dreischulte.

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