Fällaktion an der Prinz-Eugen-Straße
Holzfäller kamen im Morgengrauen

Münster -

Ein Investor plante an der Prinz-Eugen-Straße mehrere Häuser. Doch die Stadt erteilte keine Genehmigung. Dennoch rückten am frühen Dienstagmorgen Arbeiter an, um mehrere rund 25 Meter hohe Bäume zu fällen.

Mittwoch, 28.02.2018, 07:02 Uhr

Am Dienstagmorgen rückten Arbeiter an und begannen an der Prinz-Eugen-Straße mit Fällarbeiten.
Am Dienstagmorgen rückten Arbeiter an und begannen an der Prinz-Eugen-Straße mit Fällarbeiten. Foto: Matthias Ahlke

Die Anlieger haben nichts unversucht gelassen. Unterschriften gesammelt, sich rechtlich beraten lassen, an alle Ratsmitglieder und den Oberbürgermeister geschrieben, in einem Brief an die Verwaltung knapp ein Dutzend Tiere aufgelistet, die in den Bäumen und Sträuchern leben sollen. Am Ende war alles vergeblich.

Keine Baugenehmigung

Am Dienstagmorgen um 7 Uhr begannen an der Prinz-Eugen-Straße zwischen den Hausnummern 48 und 52 die Fällarbeiten. Insgesamt vier Bäume, die nach Auskunft der Anlieger rund 100 Jahre alt sind, sowie etliche Sträucher sollen verschwinden. Sie befinden sich auf einem nur wenige Meter breiten Grünstreifen zwischen zwei denkmalgeschützten Häusern. Diesen Grünstreifen hat vor ein paar Jahren ein Bauunternehmen erworben.

Dort, wo bis Dienstag die Bäume standen, soll ein Weg zu einer Rasenfläche in der zweiten Reihe entstehen. Hier wollte der Investor Mehrfamilienhäuser errichten. Doch für die bekam er keine Baugenehmigung. „Damit ist die Fällaktion doch eigentlich überflüssig“, wundert sich Anliegerin Stefanie Schulze-Börgel.

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Anlieger vor den Bäumen, die nun gefällt werden. Foto: kal

Andreas Lohaus , Leiter des Bauordnungsamtes, bestätigt, dass der Bebauungsplan dort, wo der Investor bauen sollte, überhaupt keine Bebauung vorsieht. Der Bauantrag sei daher von der Stadt abgelehnt worden. In der zweiten Reihe könne erst dann gebaut werden, wenn der Bebauungsplan geändert wird. Doch eine solche Änderung sei aktuell nicht absehbar.

Warum fällt der Investor die Bäume dennoch? Wiederholte E-Mails und Anrufe unserer Zeitung wurden von dem Bauunternehmen nicht beantwortet.

Anlieger: Bäume rund 100 Jahre alt

Nach Einschätzung von Anlieger Tobias Ehrich sind die Bäume rund 100 Jahre alt. Der Durchmesser des dicksten Baumes misst mehr als 80 Zentimeter, gäbe es in Münster eine Baumschutzsatzung, dann dürfte er nicht gefällt werden. Doch es gibt keine Baumschutzsatzung. Die Fällaktion mag zum aktuellen Zeitpunkt vollkommen sinnlos sein – doch rechtlich sei nichts zu beanstanden, betont Lohaus.

Rechtlich nichts zu beanstanden

Nach dem Bundesnaturschutzgesetzt dürfen Bäume auf Privatgrundstücken gefällt werden, soweit der Artenschutz dem nicht entgegensteht. „Der Investor hat ein entsprechendes Artenschutzgutachten vorgelegt“, so Reimer Stoldt vom Grünflächenamt. Die Verwaltung habe dies geprüft. Ergebnis: Lediglich ein Baum, in dem sich ein Eichhörnchennest befindet, darf – zumindest vorerst – nicht gefällt werden. Den Kampf für alle anderen Bäume und Sträucher haben die Anlieger endgültig verloren.

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