Neue Flüchtlingseinrichtung
Letzte Hoffnung heißt Verlagerung

Münster -

Lange Gesichter am Mittwochabend im Rat: Als Stadtrat Wolfgang Heuer die Nachricht von der Verlegung der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) aus Schöppingen auf das Gelände der York-Kaserne in Gremmendorf überbrachte, herrschte parteiübergreifend spürbar Betroffenheit. Was diese Entscheidung für die geplante Nutzung des früheren Kasernenareals zu Wohnzwecken bedeutet, ist zunächst unklar. Aber für Hoffnung auf eine zeitnahe Bebauung dürfte es ein Rückschlag sein.

Donnerstag, 15.03.2018, 07:03 Uhr

 Die York-Kaserne in Gremmendorf.
 Die York-Kaserne in Gremmendorf. Foto: Günter Benning

Oberbürgermeister Markus Lewe beteuerte in der Ratssitzung, in Verhandlungen mit dem Land „so schnell wie möglich“ zu einer Verlagerung der neuen Flüchtlingseinrichtung von der York-Kaserne zu kommen. Man werde nach einem ZUE-Ersatzstandort suchen, sagte er zu.

ZAB-Entscheidung hat Nachspiel

„Mich schockiert das“ – so fasste der Gremmendorfer CDU-Ratsherr Andreas Nicklas seine Stimmung in Worte. „Ich danke allen, die in der letzten Ratssitzung mit Nein gestimmt haben“, verwies er mit einer Portion Sarkasmus auf die Entscheidung im Januar. Da war die Ansiedlung einer Zentralen Ausländerbehörde in Münster unter anderem an den Stimmen von SPD, Grünen und Linken gescheitert – im Gegenzug hätte das Land die York-Kaserne freigegeben.

Schon damals hatte es geheißen, dass das Land im Falle eines negativen ZAB-Votums im Stadtrat eine andere Flüchtlingseinrichtung in Münster ansiedeln würde. Und diese Nachricht von der Bezirksregierung erreichte die Stadtverwaltung nach eigener Darstellung am Dienstag dieser Woche um kurz nach halb drei mittags.

CDU nimmt ZAB-Gegner in die Pflicht

CDU-Fraktionschef Stefan Weber nahm angesichts der verfahrenen Situation in der Debatte die ZAB-Nein-Sager, darunter auch den grünen Bündnispartner, in die Pflicht: „Ich bin gespannt auf Vorschläge von denen, die die ZAB abgelehnt haben.“

Vergleichsweise kleinlaut gab sich zunächst Grünen-Fraktionschef Otto Reiners: Das Land müsse mit der Stadt über die Kosten einer Verlagerung sprechen. Ziel sei es, die städtische Belastung so gering wie möglich zu halten, erklärte Stadtrat Thomas Paal in diesem Zusammenhang. Allerdings werde es gar nicht so einfach werden, überhaupt eine Fläche für 500 Menschen aus dem Boden zu stampfen, meldete FDP-Fraktionsvorsitzende Carola Möllemann-Appelhoff Zweifel an, ob es zeitnah gelingen könne, ein Ausweichareal im Stadtgebiet zu finden. Den Versuch von Linken-Fraktionschef Rüdiger Sagel, der CDU/FDP-geführten Landesregierung den Schwarzen Peter für die aktuelle Situation in Münster zuzuschieben, wies die Liberale kurz und entschieden zurück: „Schon im Dezember wussten wir genau, was passiert.“

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