Münsterische Landwirte voller Sorge
Am neuen JVA-Standort: Die Äcker werden knapp

Münster -

Viele von ihnen leben von der Landwirtschaft. Doch Wohnbebauung, Straßenbau und Gewerbeflächen rauben ihnen die Äcker. Auch der Neubau der JVA in Wolbeck sorgt bei Landwirten für Unmut. Sie fordern ein Umdenken.

Freitag, 16.03.2018, 07:03 Uhr

Die Landwirte wollen ihre Flächen schützen. Dabei bekommen sie auch Unterstützung von Susanne Schulze Bockeloh (M.), Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster
Die Landwirte wollen ihre Flächen schützen. Dabei bekommen sie auch Unterstützung von Susanne Schulze Bockeloh (M.), Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster Foto: anf

Für Marcus Hohenkirch bedeutet der Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wolbeck einen herben Verlust. Dem Landwirt gehen durch Neubau und benötigte Ausgleichsflächen 17 Hektar verloren. „Das fällt schon ins Gewicht“, sagt der Inhaber eines Familienbetriebs, der insgesamt 200 Hektar bewirtschaftet. Weil er nur Pächter ist, bekommt Hohenkirch keine Entschädigung: „Das einzige, was ich bekomme, ist die Kündigung.“

Das einzige, was ich bekomme, ist die Kündigung.

Marcus Hohenkirch

Die Landwirte in Wolbeck und im angrenzenden Kreis Warendorf spüren den Flächenfraß nach eigenen Angaben enorm. Mit einem Banner machen sie darauf jetzt am neuen JVA-Standort aufmerksam. Ein Dutzend Landwirte hat sich deshalb am Donnerstag an der Telgter Straße versammelt.

Mindestens 18 Hektar gehen verloren

Beim Aufhängen hilft auch Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster. „Wir wissen, dass die JVA irgendwo hin muss. Aber wir hatten gehofft, dass sie nicht auf Ackerflächen kommt“, sagt sie. Der Bau samt erster Ausgleichsflächen nehme bereits 18 Hektar ein. „Und das ist noch nicht das Ende“, so die Kreisvorsitzende. Das sei angesichts enormer Flächenknappheit ein echtes Problem.

Warum die neue JVA den Landwirten Sorgen macht

Die Betriebe seien auf die Flächen angewiesen, betont Martin Homann-Niehoff. Der Vorsitzende des Ortsvereins Gremmendorf/Wolbeck/Angelmodde sagt: „Es ist Zeit, der Entwicklung etwas entgegenzusetzen.“ Denn laut Schulze Bockeloh gehen den Landwirten in Münster jährlich 100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche verloren. Dass bei Baumaßnahmen ein Ausgleich wichtig ist, stellen Schulze Bockeloh und die Landwirte außer Frage. Sie fordern deshalb ein Umdenken, wie die Kreisvorsitzende sagt: „Wenn die Kinder der Landwirte, die hier stehen, die Betriebe einmal übernehmen sollen, muss sich etwas ändern.“

Landwirte fordern flächenschonendes Vorgehen

„Wir möchten, dass flächenschonend vorgegangen wird“, erläutert Martin Homann-Niehoff. Alternativen habe man dafür auch parat, wie Schulze Bockeloh sagt. Man könne an Gewässern, auf brachliegenden Industrieflächen oder mit Blühstreifen ebenfalls einen Ausgleich schaffen.

Die Landwirte beklagen nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust. „Der Wert der landwirtschaftlichen Nutzflächen wird vernachlässigt“, sagt Christoph Gerd-Holling. Der Vorsitzende des Ortsverbandes Everswinkel sagt: „Der Wald wird geschützt. Der Acker, der die Bevölkerung ernährt, muss auch endlich geschützt werden.“

Doch es droht noch mehr Verlust, wie die Landwirte wissen. Denn die Stadt Münster plane in den Außenbereichen Wohnbebauung – auf 150 Hektar.

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