Lynn Petertonkoker und ihre Erfahrungen bei „Germany’s next Topmodel“
Zwischen Lagerfeuer und High Heels

Beckum -

Zurück im Alltag ist Lynn Petertonkoker seit gut einem Jahr. Im März 2017 hatte sie es bis ins Halbfinale bei „Germany’s next Topmodel“ (GNTM) geschafft. Und natürlich war die Enttäuschung zunächst groß, als so kurz vor dem Sieg dann Schluss war. Über ihre Zeit bei GNTM und das Leben danach sprach Redakteurin Beate Kopmann mit der 19-Jährigen, die in Beckum lebt.

Samstag, 24.03.2018, 10:03 Uhr

Foto-Shooting auf private Art in Hamburg: In der Hansestadt besuchte Lynn Petertonkoker nach der Staffel Neele Bronst, ebenfalls Kandidatin bei GNTM. Sie machte das Foto von Lynn.
Foto-Shooting auf private Art in Hamburg: In der Hansestadt besuchte Lynn Petertonkoker nach der Staffel Neele Bronst, ebenfalls Kandidatin bei GNTM. Sie machte das Foto von Lynn. Foto: Neele Bronst

Frau Petertonkoker, vor genau einem Jahr ging es für Sie von Los Angeles zurück nach Beckum. War das ein harter Neustart?

Petertonkoker: Ja, schon. Ich hatte zuletzt in einer Villa in LA gelebt, war 20 Grad Sonne gewöhnt und habe es auch genossen, mal auf dem Roten Teppich zu stehen. Und dann war plötzlich Schluss. Ich kam bei winterlichen Temperaturen zurück nach Deutschland und musste auch sehr schnell wieder mit der Arbeit beginnen.

Welchen Beruf üben Sie heute aus?

Petertonkoker: Ich mache eine Ausbildung zur Indus­triekauffrau in Hamm-Uentrop. Damit hatte ich gerade angefangen, als ich die Zusage für GNTM erhielt. Mein Betrieb hat mich zum Glück einfach ein Jahr aussetzen lassen.

Und danach wollten wahrscheinlich erst einmal alle wissen, wie es denn so war bei Heidi Klum .

Petertonkoker: Richtig. Das fand ich okay. Aber heute stört mich, dass ich von manchen immer noch auf diese Zeit reduziert werde. Manchmal treffe ich Leute in der Stadt, die ich zwei Jahre nicht gesehen habe. Und dann fragen die nicht, wie es mir geht, sondern nur nach GNTM.

Haben Sie selbst „Germany’s next Topmodel“ gesehen, bevor Sie sich dort beworben haben.

Petertonkoker: Ich kannte es, aber regelmäßig geguckt habe ich es nicht. Einige wenige Male und nie bis zum Ende. Vielleicht so zehn Minuten.

Warum haben Sie sich dann für die Staffel beworben?

Petertonkoker: Weil ein Freund mir gesagt hat, dass ich mich dort bewerben soll. Das habe ich mehr aus einer Laune heraus gemacht. Und es hat auf Anhieb geklappt. Damit hatte ich aber nicht gerechnet. Ich habe mich nie viel geschminkt. Das mache ich auch heute nur, wenn ich ein Shooting habe. Und auf High Heels war ich vorher auch noch nie gelaufen.

Das hat trotzdem geklappt?

Petertinkoker: (lacht). Natürlich nicht. Aber das lernt man mit der Zeit. Am Ende hat es mir Spaß gemacht.

Was hat denn überhaupt am meisten Spaß gemacht?

Petertonkoker: Die Begegnung mit den Promis hat mich schon sehr fasziniert: Naomi Campbell, Alessandra Ambrosio, Adriana Lima und Donatella Versace. Bei der amfAR-Gala in New York durfte ich Heidi Klum begleiten und stand zum ersten Mal auf dem Roten Teppich. Das war klasse.

Welchen Eindruck hat Heidi Klum auf Sie gemacht?

Petertonkoker: Das kann ich nicht sagen. Dafür haben wir sie viel zu wenig gesehen. Sie kam nur zu den großen Drehtagen.

Sie waren ein Jahr in der ganzen Welt unterwegs – in New York, auf Kreuzfahrtschiffen, auf großen Galas. War das immer nur toll – oder haben Sie auch mal daran gedacht, das Projekt abzubrechen.

Petertonkoker: Doch zwischendurch war der Druck so hoch, dass ich aufhören wollte. Dann hat mein Freund mich aber ermuntert, weiter zu machen.

Was hat Sie so unter Druck gesetzt?

Petertonkoker: Wir durften über lange Zeit kein Handy benutzen, hatten keine Außenkontakte. Und dann war ja fast immer die Kamera auf einen gerichtet. Es reicht ein einziges falsches Wort, eine Szene, in der du nicht so gut rüberkommst – und du wirst gleich zum Gespött bei Facebook.

Ist Ihnen das passiert?

Petertonkoker: Ja. Einmal haben sie mir gesagt, ich würde jetzt kurze Haare bekommen. Ich war entsetzt und habe spontan geantwortet, dass ich mir keine verfickte Kurzhaarfrisur machen will. Ich weiß: Das war keine gute Wortwahl, aber eben Jugendsprache. Und darüber haben sich dann viele Leute in den sozialen Medien aufgeregt. Das war unterste Schublade. Manchmal wurde eben etwas dargestellt, das sich gar nicht so abgespielt hat.

Zum Beispiel?

Petertonkoker: Bei einem Shooting musste ich einen langen Rock anziehen, in dem ich mich überhaupt nicht wohl gefühlt habe. Ich habe dann gesagt, dass ich mich irgendwie „zu angezogen“ fühle. Am Ende haben sie den Rock abgeschnitten und ich trug ein sehr kurzes Teil. Genau in dieser spärlichen Bekleidung war ich später im Video zu sehen, aber dazu wurde meine Äußerung eingeblendet, dass ich mich „zu angezogen“ fühle. Dabei war die Situation eine ganz andere.

Welche Konsequenz haben Sie daraus gezogen?

Petertonkoker: Vor der Kamera darf man immer nur was Positives sagen – egal, was man denkt und fühlt.

Was war denn das schönste Erlebnis in dieser Zeit?

Petertonkoker: Einmal haben wir abends ein Lagerfeuer gemacht – irgendwo in der Wüste zwischen Las Vegas und Los Angeles. Das war wirklich unglaublich schön.

Und was war das Schöne daran?

Petertonkoker: Wir haben einfach nur miteinander geredet – und es war keine Kamera dabei.

Würden Sie trotzdem gerne als Model arbeiten?

Petertonkoker: Im Moment mache ich das nur im Nebenjob. Vor allem zählt für mich, dass ich meine Ausbildung gut beende. Hin und wieder habe ich zwar Aufträge als Model. Aber als ich zuletzt bei der Lambertz-Night in Berlin war, habe ich noch in der Nacht den Zug zurück nach Beckum genommen. Am nächsten Morgen musste ich nämlich zur Berufsschule. Das hat Vorrang. Was später mal sein wird, weiß ich nicht.

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