Immer mehr Lehren werden abgebrochen
„Es geht immer öfter schief“

Münster -

Die Quote der zu früh beendeten Ausbildungsverhältnis in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich von 21,6 auf über 23 Prozent gestiegen ist. Wenig überraschend findet diese Entwicklung Carsten Taudt, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen in Münster, und benennt Ursachen.

Mittwoch, 04.04.2018, 15:04 Uhr

Die Ausbildung zum Koch wird besonders häufig frühzeitig abgebrochen.
Die Ausbildung zum Koch wird besonders häufig frühzeitig abgebrochen. Foto: imago

Meist gibt es Schuldige auf beiden Seiten: „Immer dann, wenn ein Lehrling nicht genügend Qualifikationen mitbringt, und gleichzeitig der Lehrbetrieb nicht sehr professionell ausbildet, ist das Risiko des Scheiterns einer Ausbildung besonders hoch“, weiß Carsten Taudt . Auch weil es immer schwieriger wird, Lehrstellen adäquat zu besetzen, werden mehr Ausbildungsverträge nicht zu Ende geführt.

Immer mehr Verträge werden aufgelöst

Im Handwerk ist das Pro­blem noch viel größer: Vera von Dietlein, Sprecherin der Handwerkskammer Münster, berichtete unserer Zeitung am Mittwoch von einer kräftigen Zunahme der Vertragsauflösungen. „Es geht immer öfter schief“, so von Dietlein. Während dieser Anteil 2008 noch bei 25 Prozent lag, habe der im vergangenen Jahr schon einen Wert von 32 Prozent erreicht. „Das sind nicht immer Abbrüche der Lehre, oft wird auch nur der Beruf oder der Betrieb gewechselt“, betonte von Dietlein.

Frühes Aus ist nicht selten

Viele Ausbildungsverhältnisse scheitern laut Handwerkskammer schon in der Probezeit. „Da gibt es dann meist Kommunikationsprobleme zwischen Lehrling und Arbeitgeber“, weiß die Kammersprecherin. Taudt kennt sogar viele Fälle, in denen der Vertrag schon vor Beginn der Ausbildung wieder storniert wird. Bei fünf Prozent der Lehrverträge käme das vor.

Spitzenreiter: Koch-Azubis

Als Beruf mit der höchsten Auflösungsquote bei den IHK-Berufen nannte Taudt den Koch, wo im vergangenen Jahr jeder Dritte Lehrling den Betrieb vorzeitig verlassen hätte. Deutlich seltener scheitern die Ausbildungsbemühungen bei Bank- oder Industriekaufleuten, wo die entsprechenden Abbruchquoten bei lediglich 5,2 bzw. 6,6 Prozent liegen.

Besonderheit Speditionsgewerbe

Über eine Besonderheit berichtete der IHK-Bereichsleiter aus dem Speditionsgewerbe: Von 174 angehenden Berufskraftfahrern hätten 64 im Jahr 2017 ihren Vertrag aufgegeben. „Meist aber weil der Wechsel zur Konkurrenz lukrativ war“, beschreibt Taudt den ex­tremen Fachkräftemangel in diesem Beruf als Ursache für den Trend zur Neuorientierung.

Jeder vierte Lehrling bricht seine Lehre ab

Bundesweit schmeißt jeder vierte Auszubildende sein Lehre hin. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete unter Berufung auf den Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018, dass in Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur sogar etwa jeder Zweite vor der Abschlussprüfung aufhöre. Dem Entwurf zufolge seien 2016 gut 146 000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst worden, hieß es.

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