Berufungsprozess im Monstertruck-Verfahren
Gutachter widersprechen Version des Fahrers

Arnheim/Haaksbergen -

Opfer und Hinterbliebene des Monstertruck-Dramas von Haaksbergen finden es empörend, dass Mario D. gegen seine Verurteilung Berufung eingelegt hat. D. hatte hinter dem Steuer des Fahrzeugs gesessen, das bei einer Show am 28. September 2014 in die Zuschauemenge im Zentrum von Haaksbergen raste.

Mittwoch, 18.04.2018, 08:36 Uhr

Der Monstertruck nach dem Unfall im September 2014. Das Fahrzeug war in die Zuschauermenge gerast.
Der Monstertruck nach dem Unfall im September 2014. Das Fahrzeug war in die Zuschauermenge gerast. Foto: dpa

Drei Menschen wurden getötet, 28 schwer verletzt. D. war vom Gericht in Almelo zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte er Rechtsmittel eingelegt.

"Sei ein Mann und akzeptiere die Strafe!"

Seit Dienstag wird vor dem Gericht in Arnheim die Berufung verhandelt. Laut einem Bericht des Twentsche Courant Tubantia erklärten mehrere Betroffene, sie hätten kein Verständnis für den Schritt von D. „Sei ein Mann und akzeptiere die Strafe! Dann können auch wir endlich mit dem Versuch anfangen, die Sache zu verarbeiten“, sagte eines der Opfer.

Dass D.s Anwalt in der vorigen Instanz anstatt der Freiheitsstrafe Sozialstunden für D. als Strafe beantragt hatte, mit der Begründung „nicht noch eine Familie auseinanderzureißen“, kam bei den Opfern und Hinterbliebenen gar nicht gut an. „Tut nicht so, als ob Mario das Opfer ist. Wenn er im Gefängnis sitzt, kann seine Familie ihn besuchen und umarmen. Wir können nur noch zum Grab gehen.“

Fehlfunktion sei Ursache für Unfall

D. behauptet, dass es durch Fehlfunktionen des Fahrzeugs zu dem schrecklichen Unglück gekommen ist. Das Gas soll hängengeblieben sein, und die Hinterräder nicht funktioniert haben. Er sei „1000-prozentig sicher“, gebremst zu haben.

Notschalter nicht betätigt

Zwei Gutachter, von denen sich D. eine Bestätigung seiner Version erhofft hatte, halten beides jedoch für unwahrscheinlich. Ein Motorenfachmann sagte aus, dass die Umdrehungszahl des Motors, die auf den Videos vom Unglück zu hören ist, zu niedrig sei, als dass das Gas hätte hängen bleiben können. Ein Motorenbauer kam zur selben Schlussfolgerung. Außerdem hätte D. einen Notschalter betätigen können, wenn er gemerkt hätte, dass die Hinterräder nicht funktionieren. „Dann steht man innerhalb von fünf Metern.“ D. sagt, er habe den Schalter betätigt; der Monstertruck habe jedoch nicht reagiert.

Gelände zu klein?

Einer der Gutachter, nach eigener Aussage ein Freund von Mario D., ließ sich während der Vernehmung kritisch über das Gelände aus, auf dem die Show stattgefunden hatte. „Ich wäre dort nicht mit einem Monstertruck aufgetreten. Man darf niemals Zuschauer in Fahrtrichtung haben. Der Truck hat sehr viel Leistung, und das Gelände war zu klein.“

Mario D. sagt, er habe seine Fahrweise der Größe des Geländes angepasst. „Ich bin niemand, der unnötige Risiken eingeht.“

Ich bin niemand, der unnötige Risiken eingeht.

Mario D.

Die Staatsanwaltschaft forderte am Dienstag erneut 15 Monate Haft für D. Der Fahrer habe einen schweren Einschätzungsfehler begangen, als er dachte, die Show auf dem kleinen Gelände durchführen zu können. D. trage ein hohes Maß an Schuld.

Auch Veranstalter geht in Berufung

Ds. Verteidiger machte geltend, dass in vergleichbaren Fällen keine Rede von einem sehr unvorsichtigen Verhalten gewesen sei. Darum sei eine niedrigere Strafe angebracht. Das Urteil soll am 23. Mai verkündet werden.

Auch der zu einer Geldstrafe verurteilte Veranstalter der Show ist in Berufung gegangen. Der Prozess beginnt am Montag. Auch in dem Fall soll das Urteil am 23. Mai bekanntgemacht werden.

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