Schöffengericht Rheine verhandelt Fall von Selbstjustiz
Nach Überfall sollen Opfer zu Tätern geworden sein

Rheine -

Vom Täter zum Opfer - und umgekehrt: 2014 versuchten sich zwei Ochtruper an einem Raubüberfall auf zwei Männer aus Aurich. Doch das ging nach hinten los. Die Opfer drehten den Spieß um. Jetzt saßen sie wegen Selbstjustiz auf der Anklagebank. 

Dienstag, 24.04.2018, 05:04 Uhr

Symbolbild 
Symbolbild  Foto: dpa

Der Überfall, bei dem einer der beiden Täter erst 20 Jahre alt war, wurde bereits im März 2016 beim Schwurgericht in Münster verhandelt. Jetzt saßen die anfänglichen Opfer aus Aurich wegen Selbstjustiz auf der Anklagebank. Sie sollen die aus Ochtrup stammenden Täter, die von ihnen 14.000 Euro erpressen wollten, mit ihrem Pkw verfolgt und laut Anklage bewusst Kollisionen mit den Flüchtenden auf dem Fahrrad herbeigeführt haben.

Bewaffnet aus Gebüsch gesprungen

Ursprung des Ganzen war das Interesse an einem Golf GTI, den die beiden Angeklagten aus Aurich für 14. 000 Euro kaufen wollten. Die Ochtruper hatten den Plan, von ihnen das Geld zu erpressen. Den Golf gab es gar nicht. Sie sollen maskiert sowie mit Schlagring und Pfefferspray bewaffnet aus dem Gebüsch gesprungen sein und von den Angeklagten Geld verlangt haben. Weil ihre Verhandlung am Schwurgericht in Münster stattfand, wurde einer der Richter ihrer Verhandlung jetzt in Rheine als Zeuge gehört.

Am 17. Mai 2014 legten sich die beiden Ochtruper im Gebüsch an der Waldstraße auf die Lauer und sahen zwei sportliche, ihnen körperlich deutlich überlegene Männer aus einem Pkw steigen. Sie bekamen Bedenken, die geplante Tat durchzuziehen, entschlossen sich dann aber doch dazu und griffen an. Ihre Opfer hatten aber angeblich kein Bargeld dabei, machten Geschäfte nur online. Die jungen Räuber flüchteten daraufhin auf Fahrrädern.

Vorwurf: Fahrzeug „gezielt als Waffe“ eingesetzt

Zornig wegen des Überfalls verfolgte der damals 25-jährige Fahrer aus Aurich die Räuber laut Anklage mit seinem Pkw. Auf dem Beifahrersitz saß sein ein Jahr älterer Bruder. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, ihr Fahrzeug „gezielt als Waffe“ eingesetzt zu haben.

Einen der Flüchtigen touchierten sie mit dem Pkw. Der 20-Jährige fuhr gegen einen Baum und erlitt schwerste Kopfverletzungen sowie mehrere Knochenbrüche. Er wurde drei Monate stationär behandelt und stand danach unter Betreuung. Der zweite Fahrradfahrer fuhr weiter, wurde aber ebenfalls von dem Auto erfasst. Er rollte über die Motorhaube, sprang auf und fuhr weiter nach Hause.

Zeit genug, um Waffe verschwinden zu lassen

Die Verteidiger der Angeklagten sagten, dass ihre Mandanten mit einer Pistole bedroht worden seien und die Täter diese auch bei der Flucht auf sie gerichtet hätten. Das sei der Auslöser für die Verfolgung gewesen. Besagte Waffe wurde jedoch am Tatort nicht gefunden. Den Ochtruper ermittelte die Polizei erst zwei Tage später in seinem Elternhaus. „Da hatte er genügend Zeit, die Waffe verschwinden zu lassen“, sagte ein Anwalt.

Da einer der Räuber nicht als Zeuge vor Gericht erschien, wurde der Prozess auf den 4. Mai (Freitag) vertagt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5683415?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Nachrichten-Ticker