Vergewaltigungsprozess am Landgericht
Muslima erhebt schwere Vorwürfe gegen Gutachterin

Münster-Gievenbeck -

In der gemeinsamen Wohnung am Gescherweg soll ein 26-Jähriger seine Ehefrau vergewaltigt haben. Mit dem Vorwurf hatte die Frau ein Strafverfahren am Landgericht gegen den mittlerweile von ihr geschiedenen Mann angestrengt.

Donnerstag, 26.04.2018, 01:04 Uhr

Vergewaltigungsprozess am Landgericht: Muslima erhebt schwere Vorwürfe gegen Gutachterin
(Symbolbild) Foto: dpa

Nach kurzer Verhandlung am Mittwoch wurde der „Ex“ freigesprochen – weil die Frau nicht als Zeugin aussagen wollte. Grund für sie war ein Zerwürfnis mit einer Gutachterin, die eine Aussage psychologische Einschätzung über sie abgeben sollte.

Dem in Marokko geborenen Ex-Mann hatte die Muslima vorgeworfen, er habe sie zwischen Ende Dezember 2015 und Mitte November 2016 drei Mal trotz ihres ­Widerstands in der Gievenbecker Wohnung sexuell missbraucht und sie auch geschlagen. Der Mann wollte am Mittwoch nicht zu den Vorwürfen aussagen.

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Der Angeklagte wurde nach einer kurzen Verhandlung im Landgericht freigesprochen. Foto: -klm-

Schwere Vorwürfe gegen Gutachterin

Der Gutachterin warf die Frau in einer Stellungnahme vor, die ihr Anwalt verlas, sie „fordernd und aggressiv“ befragt zu haben. Auch habe die Psychologin sie „ständig provozierend“ im Zusammenhang mit dem Glauben und möglichen Konflikten angesprochen. „Ich bin praktizierende Muslima“, ließ die Klägerin darlegen.

Weder habe sie als Opfer von Gewalttaten aus­reichend Gelegenheit gehabt, das Geschehene darzustellen. Noch habe die Gutachterin Rücksicht darauf genommen, dass es ihr als Muslima „schwerer fällt“, so hieß es, offen über sexuelle Dinge zu sprechen.

Die Richter wirkten erstaunt über die Kritik, gaben der Klägerin aber Raum für ihre Sicht der Dinge: Sie sei zu unrecht als „unreif“ be­titelt worden, verlas der ­Anwalt und sie habe kein „negatives Selbstbild“ oder sei in ihrem „Selbstwert­erleben eingeschränkt“.

Vorgehensweise der Psychologin „anmaßend“

Das Gutachten sei „vernichtend“ und die Vorgehensweise der Psychologin „anmaßend“. Aus ihrem „muslimischen Selbstverständnis heraus“, so ließ die Klägerin darlegen, wolle sie nicht mehr „vor Polizisten, Richtern und Staats­anwälten“ ihre „intimsten Lebenssachverhalte ausbreiten“.

Die Richter erklärten der Frau, dass für die Beweis­aufnahme keine Grundlage mehr bestehe. Ohne Beweise müsse der Angeklagte frei­gesprochen werden. Rechtlich hat die Frau die Möglichkeit, eine Revision anzustrengen. Auch hätte die Einsetzung eines anderen Gutachters beantragt werden können. Das wolle die Klägerin nicht mehr, erklärte ihr Anwalt.

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