Katholikentag in Münster
Ein Freitag mit Kanzlerin, Kabarettist und Konfliktpotenzial

Münster -

Reichlich Zündstoff gab es am dritten Tag des Katholikentages in Münster. Kanzlerin Merkel kritisierte Donald Trump, Barbara Hendricks die katholische Kirche und Kardinal Marx Kardinal Woelki. Aber es gibt auch viel Positives zu berichten.

Samstag, 12.05.2018, 09:05 Uhr

Katholikentag in Münster: Ein Freitag mit Kanzlerin, Kabarettist und Konfliktpotenzial
Kanzlerin Merkel kritisierte Donald Trump auf dem Katholikentag für seinen Alleingang beim Atomabkommen. Foto: Gunnar A. Pier

Einer der vielen Höhepunkte am Freitag war die Veranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel , die rund 4000 Menschen in die Halle Münsterland anlockte. 

“Wenn man in Münster ist, muss man über den Frieden sprechen”, sagte Merkel und kritisierte danach die einseitige Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch US-Präsident Donald Trump scharf: „Trotzdem glaube ich, dass es nicht richtig ist, ein Abkommen, das verabredet wurde, über das man dann im UN-Sicherheitsrat abgestimmt hat, einstimmig es gebilligt hat, dass man ein solches Abkommen einseitig aufkündigt. Das verletzt das Vertrauen in die internationale Ordnung.“ 

Angela Merkel beim Forum "Deutschland in einer veränderten Weltlage"

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  • Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Freitag Gast beim Forum  "Deutschland in einer veränderten Weltlage" in der Halle Münsterland. Sie begann mit einem Vortrag.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Thema diskutierten (von links) Peter Kardinal Turkson, Angela Merkel, Prof. Dr. Tilman Brück und Moderatorin Astrid Prange de Oliveira.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Tausende Interessierte waren in die Halle gekommen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Thema "Deutschland in einer veränderten Weltlage" diskutierten (von links) Peter Kardinal Turkson, Angela Merkel, Prof. Dr. Tilman Brück und Moderatorin Astrid Prange de Oliveira.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kurz vor Beginn nahmen Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Angela Merkel und Weihbischof Stefan Zekorn in der ersten Reihe Platz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Freitag Gast beim Forum  "Deutschland in einer veränderten Weltlage" in der Halle Münsterland. Sie begann mit einem Vortrag.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Oberbürgermeister Markus Lewe, Thomas Sternberg und Weihbischof Stefan Zekorn holten die Kanzlerin am Auto ab und brachten sie in die Halle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Warten auf die Kanzlerin: Oberbürgermeister Markus Lewe, Weihbischof Stefan Zekorn und Thomas Sternberg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Oberbürgermeister Markus Lewe, Thomas Sternberg und Weihbischof Stefan Zekorn holten die Kanzlerin am Auto ab und brachten sie in die Halle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Oberbürgermeister Markus Lewe, Thomas Sternberg und Weihbischof Stefan Zekorn holten die Kanzlerin am Auto ab und brachten sie in die Halle.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kurz vor Beginn nahmen Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Angela Merkel und Weihbischof Stefan Zekorn in der ersten Reihe Platz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Thema "Deutschland in einer veränderten Weltlage" diskutierten (von links) Peter Kardinal Turkson, Angela Merkel, Prof. Dr. Tilman Brück und Moderatorin Astrid Prange de Oliveira.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Peter Kardinal Turkson beim Forum "Deutschland in einer veränderten Weltlage" am 11. Mai 2018 in der Halle Münsterland, 101. Katholikentag in Münster unter dem Leitwort "Suche Frieden".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Prof. Dr. Tilman Brück beim Forum "Deutschland in einer veränderten Weltlage" am 11. Mai 2018 in der Halle Münsterland, 101. Katholikentag in Münster unter dem Leitwort "Suche Frieden".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

Ungewöhnlicher Gottesdienst auf dem Aasee

Nicht nur bei dieser Veranstaltung sondern auch bei vielen anderen bildeten sich lange Schlangen. Nach dem verregneten Christi-Himmelfahrtstag war der Zulauf bei freundlichem Sommerwetter auch für viele kleinere Angebote so groß, dass längst nicht jeder Platz finden konnte. Auf der Kirchenmeile wurden Zelte zeitweise wegen Überfüllung geschlossen. Da, wo Hallen und Räume überfüllt waren, wurden dann schnell noch Übertragungen nach draußen eingerichtet. 

Am Aasee standen 50 Tretboote für einen ungewöhnlichen Gottesdienst bereit, auf dem Schlossplatz präsentierten sich verschiedene kirchliche Institutionen mit Musik und Tanz: eine bunte Angebotspalette, da war für jeden Besucher was dabei. 

Debatten mit Zündstoff

Doch der dritte Tag des 101. Katholikentags in Münster bot auch viel Zündstoff. Nach Horst Seehofer am Donnerstag sagte auch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles ihr Kommen ab: Dafür nahm Barbara Hendricks an der Veranstaltung "Deutsche Klimapolitik, quo vadis?" teil. Und die frühere Bundesumweltministerin kritisierte den Umgang der katholischen Kirche mit homosexuellen Paaren. 

Unverständnis äußerte auch der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (Zdk) Stefan Vesper auf Aussagen des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer, der sich tags zuvor gegen kirchenpolitische Positionierungen auf dem Katholikentag in Münster ausgesprochen hatte: „Nach meinem Verständnis müssen sich natürlich auch Laien mit den geistigen Fragen auf einem Katholikentag beschäftigen“. 

Zwei weitere Hauptkontrahenten - der Chef der Bischofskonferenz, Reinhard Marx , und der Kölner Kardinal Rainer Woelki - trafen zwar nicht direkt aufeinander, nahmen aber jeweils in Podiumsdiskussionen Stellung. In dem Streit geht es darum, dass die Bischofskonferenz mit Drei-Viertel-Mehrheit dafür gestimmt hat, protestantische Ehepartner im Einzelfall zur katholischen Kommunion zuzulassen. Sieben Konservative haben dagegen unter Federführung von Woelki im Vatikan protestiert. Marx zeigte sich „überrascht“ darüber, dass die Reformdebatte teilweise so „ängstlich“ gesehen werde. Er und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bekräftigten dagegen während eines Ökumene-Forums ihre Entschlossenheit zu Schritten in Richtung Kircheneinheit. 

Katholikentag 2018 - Tag 3

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  • Lange Warteschlangen an der Halle Münsterland vor dem Forum mit Angela Merkel.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch US-Präsident Donald Trump kritisiert. Das Abkommen sei zwar alles andere als ideal, sagte sie am Freitag beim Katholikentag in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der vatikanische Entwicklungsminister, Kardinal Peter Turkson, nannte es auf der Podiumsdiskussion mit Angela Merkel, Prof. Dr. Tilman Brück und Moderatorin Astrid Prange de Oliveira (v.l.), bedauerlich, dass der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran das Verhältnis zu Europa beeinträchtige.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bundesagrarministerin Julia Klöckner war beim Forum "Ist Wahlkampf heute nur noch mit Populismus zu gewinnen?"

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neben Jörg Schönenborn, Dr. Ludwick Schick, Moderatorin Ute Schaeffer, Julia Klöckner diskutierte auch Anetta Kahan, Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Sie rief dazu auf, digitale Präsenz zu zeigen: „Ich bitte Sie alle, ins Netz zu gehen, damit da auch die zivile Gesellschaft vertreten ist. Wir dürfen es nicht denen überlassen, die Hass schüren.“

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kardinal Reinhard Marx (r), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, stehen vor der Podiumsdiskussion «Ökumene nach 2017 - Aufbruchs- oder Katerstimmung?» auf der Bühne. Beide Spitzenvertreter der Kirchen bekräftigten ihre Entschlossenheit zu Schritten in Richtung Kircheneinheit. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zeigte sich „wild entschlossen“, Selbstverpflichtungen einzulösen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fügte hinzu, diese Verpflichtungen seien „nicht rückholbar“.

    Foto: Guido Kirchner
  • Diese Besucher lassen sich auf dem Schlossplatz auf spontane Tänze zu kolumbianischer Musik ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Action wird den jungen Erwachsenen auf der Promenade am Zwinger geboten.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Tretboot in Seenot? Ganz und gar nicht: 50 Tretboot-Besatzungen folgen einem Gottesdienst auf dem Aasee.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Es war ein bezaubernder Auftritt am Freitagmorgen auf der großen Caritas-Bühne an der Stubengasse: kunterbunt und mit einer klaren Botschaft. 14 Maxi-Kinder aus dem Sprakeler Kindergarten St. Marien präsentierten ihr Musícal „Das Vier-Farben-Land“ – eine farbenfrohe Darbietung mit dem Appell, anderen die Hand zu reichen, das Mitein­ander zu suchen und zu leben.

    Foto: Katrin Jünemann
  • Winfried Kretschmann, Seyran Ates, Rainer Maria Kardinal Woelki und Moderator Joachim Frank auf dem Podium "Störfaktor Religion - Wieviel Glaube verträgt die Öffentlichkeit?"

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hat die Einschaltung von Papst Franziskus im sogenannten Kommunionsstreit verteidigt. Falsch sei, dass er dies „heimlich oder hinterrücks“ getan habe, sagte Woelki am Freitag beim Katholikentag in Köln. Sofort nachdem das Thema in der Bischofskonferenz diskutiert worden sei, habe er deren Vorsitzendem Reinhard Marx einen Brief geschrieben und darin eine universalkirchliche Lösung angemahnt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Während Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Rainer Maria Kardinal Woelki und Seyran Ates, Geschäftsführerin der Ibn- Rushd-Goethe-Moschee in Berlin im eher ermüdenden Polit- und Kirchensprech verharrten, brachte Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen seine Sicht der Dinge auf den Punkt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • heo Paul (Generalvikar und Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbands) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf dem Podium "Wie gerecht ist das Gesundheitssystem?". Über Zugangsbedingungen zum Medizinstudium äußerte sich Spahn: „Wer ein Abi von 0,9 hat, aber nicht gerne mit Menschen in einem Raum ist, der sollte nicht Arzt werden naja, höchstens Pathologe...“

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ska Keller, Reinhard Kardinal Marx, Gemma Pörzgen (Moderatorin), Sylvie Goulard und Prof. Irena Lipowicz auf dem Podium "In Vielfalt uneins - Welcher Weg führt Europa aus der Sinnkrise?"

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein friedliches Europa ist nicht selbstverständlich, ein Europa des Friedens bedeutet täglich Arbeit. „Und es ist dieser Mühe wert.“ So jedenfalls sieht es Reinhard Kardinal Marx am Freitag bei einer munteren europapolitischen Debatte in der Halle Münsterland.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Chor gestaltete am Abend dann...

    Foto: Oliver Werner
  • ... den zentralen Ökumenischen Gottesdienst im Paulus-Dom am Freitagabend mit.

    Foto: Oliver Werner

Mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn waren noch weitere Politiker an Podiumsdiskussionen beteiligt. Erfrischend war der Auftritt von Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen. „Was mich an Kirche stört: Wir haben so wichtige Themen wie die Verantwortung für die Schöpfung, da möchte ich nicht über Oblaten reden“, bezog sich der Mediziner auf die Debatte um die Zulassung evangelischer Ehepartner zur Eucharistie und erntete tosenden Applaus der Zuhörer. 

Papst-Film und A-capella-Konzert

Am Rande des Christentreffens präsentierte Star-Regisseur Wim Wenders seinen neuesten Film “Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes”. 

Auch abends werden noch viele Konzerte und Performances geboten. Auf dem Schlossplatz trifft man dann noch “Alte Bekannte”. Die A-capella Band ist die Nachfolgekombo der “Wise Guys”. Die Gruppe feiert drei Stunden lang den 60. Geburtstag von Misereor – mehr als nur ein Ständchen für das kirchliche Hilfswerk.

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