Ambulante Pflege vor dem Kollaps
Immer mehr Dienste lehnen Patienten ab

Münster -

Weil ambulanten Pflegediensten qualifizierte Mitarbeiter fehlen, nehmen sie immer häufiger keine neuen Pati­en­ten auf und kündigen bestehende Verträge. „Das ist inzwischen bei fast allen Diensten gang und gäbe“, sagte Eva-Maria Matzker vom Caritas-Verband im Bistum Münster am Montag. 

Montag, 28.05.2018, 19:53 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 28.05.2018, 19:16 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 28.05.2018, 19:53 Uhr
Ambulante Pflege vor dem Kollaps: Immer mehr Dienste lehnen Patienten ab
Die Politik muss der Alten- und Krankenpflege auch nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erste Priorität einräumen. Foto: colourbox.de

Der Personalmangel sei inzwischen so groß, dass selbst Patienten in der Palliativpflege vereinzelt Verträge gekündigt worden seien. „Das ist dann natürlich besonders schlimm.“

Die großen Wohlfahrtsverbände in NRW haben im April ihre Mitglieder zu dem Thema befragt. 208 ambulante Pflegedienste nahmen an der Umfrage teil. Danach erteilten sie landesweit 2250 mal pflegebedürftigen Pati­en­ten eine Absage. Das sind über zehn Fälle pro Dienst in einem Monat. Die Betroffenen und ihre An­gehörigen bleiben in solchen Fällen auf sich gestellt.

Vergleichbar mit NRW ist die Situation in Niedersach sen. Dort hatte die Landesar­beitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege 400 ambulante Dienste für den Zeitraum von Februar bis April um Rückmeldung gebeten. Ein Viertel antwortete. Demnach sei in rund 1700 Fällen eine Anfrage von Pflegeverträgen abgelehnt worden. In 63 Fällen seien Pflegeverträge gekündigt worden.

Allerhöchste Zeit

„Das Problem wird in naher Zukunft noch deutlich größer werden“, sagte Klaus Wingenfeld, von der Fakultät für Gesundheitswissenschaft an der Uni Bielefeld. Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, forderte Christoph Treiß, Geschäftsführer des NRW-Landesverbandes freie ambu­lante Krankenpflege, mehr Lohn für die Mitarbeiter, ein Abbau der „teilweise unnötigen Dokumentationspflicht“, dadurch mehr Zeit für die Pflege und eine attraktivere Ausbildung.

Beim 12. Deutschen Seniorentag hat sich am Montag in Dortmund auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu dem Thema geäußert. „Pflege kann nicht immer nur billig sein – und sie darf nicht auf Kosten der Pflegekräfte gemacht werden“, sagte er. Es sei allerhöchste Zeit, dass die pflegenden Berufe endlich die Wertschätzung bekämen, die sie verdienten.

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