Kritik an Dr. Christian Blex
Warendorfer AfD-Abgeordneter greift Solingen-Hinterbliebene auf Twitter an

Der AfD-Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Warendorf, Dr. Christian Blex greift auf Twitter Mevlüde Genc, die Hinterbliebende des Brandanschlags von Solingen, an. Dafür erntet er viel Kritik. Die bekommt er nicht zum ersten Mal.

Samstag, 02.06.2018, 12:59 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 01.06.2018, 09:11 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 02.06.2018, 12:59 Uhr
Kritik an Dr. Christian Blex : Warendorfer AfD-Abgeordneter greift Solingen-Hinterbliebene auf Twitter an
Der AfD-Landtagsabgeordnete Dr. Christian Blex (kl. Bild) griff via Twitter Mevlüde Genc an, die bei einem rechtsextremen Brandanschlag 1993 in Solingen zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor. Dafür wird der Politiker aus dem Kreis Warendorf heftig kritisiert. Foto: dpa; Collage: Ann-Kathrin Schriever

Dr. Christian Blex ist Landtagsabgeordneter. Der AfD-Mann aus dem Kreis Warendorf sorgt immer wieder für Aufsehen. Denn er scheut die Provokation nicht. Bei einem Besuch in Damaskus traf sich der Politiker Anfang des Jahres mit Ahmed Badr al-Din Hassun, Großmufti und Gefolgsmann von Syriens Diktator Baschar al-Assad. Der ranghohe muslimische Geistliche hatte 2011 mit Selbstmord­anschlägen in den USA und Europa gedroht, falls der Westen auf Seiten der Aufständischen in den Bürgerkrieg eingreifen sollte.

Zu Beginn des vergangenen Jahres reiste Blex zudem mit einer AfD-Gruppe auf die ukrainische Halbinsel Krim, die von Russland annektiert wurde. Um die "deutsch-russischen Beziehungen zu verbessern", hieß es. Die Bundesregierung kritisierte das Vorgehen scharf.

Viel Aufregung auf Twitter

Jetzt also hat Blex wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der ehemalige Lehrer äußerte sich via Twitter zu der Gedenkfeier anlässlich des Brandanschlags von Solingen 1993.

In dem Post kritisiert der 42-jährige AfDler Mevlüde Genc, die bei dem rechtsextremen Anschlag 1993 in Solingen, zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren hat.

"Für die Nachwelt: Armin Laschets "Botschafter der Integration" trägt Kopftuch und spricht nach 48 Jahren in Deutschland trotz deutscher Staatsbürgerschaft kaum ein Wort deutsch", schreibt Blex, der in Wadersloh im Kreis Warendorf beheimatet ist.

Gedenkveranstaltung nach Brandanschlag in Solingen

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  • 25 Jahre nach dem rassistischen Brandanschlag von Solingen wurde mit zwei zentralen Veranstaltungen der Opfer gedacht.

    Foto: dpa
  • Mevlüde Genc (r.) und ihre Enkelin Özlem Genc nehmen am Ort des Brandanschlags an einem Gebet teil.

    Foto: dpa
  • In der Nacht des 29. Mai 1993 hatten vier rechtsradikale Männer das Haus der türkischstämmigen Familie Genc in Nordrhein-Westfalen angezündet. Fünf Frauen und Mädchen starben.

    Foto: dpa
  • NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU, r) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) im Gespräch mit Mevlüde Genc, die bei dem Anschlag fünf Familienmitglieder verloren hat.

    Foto: dpa
  • Bei dem Brandanschlag waren in der Nacht zum 29. Mai 1993 fünf Menschen ums Leben gekommen. Das Archivbild zeigt türkische und deutsche Bürger, de vor dem abgebrannten Haus ihr Entsetzen bekundeten.

    Foto: dpa
  • Eine Frau zeigt am Ort des Brandanschlags Fotos von Opfern des Brandanschlags.

    Foto: dpa
  • Das Archivfoto zeigt die Särge der fünf Opfer des Anschlags vor dem ausgebrannten Haus in Solingen.

    Foto: Franz-Peter Tschauner
  • Mevlüde Genc (r) und ihr Ehemann Durmus Genc verloren bei dem fremdenfeindlichen Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Sie waren 4,9, 12, 18 und 27 Jahre alt. Der Schmerz nehme auch nach 25 Jahren nicht ab, sagte Mevlüde Genc unter anderem im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

    Foto: dpa
  • Mevlüde Genc (M.), Mutter, Großmutter und Tante der Opfer, trägt sich im Beisein von ihrem Ehemann Durmus Genc (2.v.r.), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r), NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (2.v.l., CDU) und Mevlüt Cavusoglu (l), Außenminister der Türkei, in das Gästebuch der Landesregierung ein.

    Foto: dpa
  • NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, befreundet mit dem Ehepaar Genc, wählt warme persönliche Worte. Dass Mevlüde Genc (r.) kurz nach dem Anschlag gesagt habe, es seien „nicht die Deutschen, sondern vier Einzeltäter“ gewesen, sei ein „Verdienst, der uns bis heute sprachlos macht.“

    Foto: dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigt Mevlüde Genc (M.) als „Vorbild an Menschlichkeit“. Dass sie keine Rache in sich trage, sei wahre Größe. „Die Lücke in der Familie und der Schmerz bleiben für immer“, sagt die CDU-Politikerin. „Wir fühlen mit Ihnen.“

    Foto: dpa
  • Mevlüt Cavusoglu, türkischer Außenminister (vorn), sprach im Rahmen der Gedenkveranstaltung neben Heiko Maas (SPD, 2.v.r.), Bundesaußenminister, vor den Besuchern der Veranstaltung.

    Foto: dpa
  • In Solingen stehen Außenminister Heiko Maas (SPD, l.) und sein Amtskollege aus Ankara, Mevlüt Cavusoglu, Seite an Seite. Die schwierigen deutsch-türkischen Beziehungen sind ausgeblendet. In den Mittelpunkt rückte Mevlüde Genc, die für viele zum Symbol menschlicher Größe geworden ist, die Grauenvolles erlebt hat. „Unser aller Mutter Mevlüde Genc“, nannte sie Cavusoglu.

    Foto: dpa

Genc hatte sich trotz der schrecklichen Ereignisse immer für Versöhnung ausgesprochen. Dass sie jetzt aufgrund ihrer deutschen Sprachkenntnisse von Blex angegriffen wird, stößt auf wenig Gegenliebe. Twitter-Nutzerin Gaby Klockner ("gabygutmensch") antwortete auf Blex Vorstoß: "Gut, dass es nicht darauf ankommt, welche Sprache man spricht sondern darauf, was man sagt. Und da steht es 10:0 für Frau Genc." Die Antwort hat inzwischen deutlich mehr "Likes" als der Tweet des AfD-Abgeordneten selbst.

Zum Thema

Am 29. Mai 1993 starben fünf junge Frauen und Mädchen in den Flammen im Wohnhaus der türkischstämmigen Familie Genc. Der fremdenfeindliche Angriff hat weltweit für Entsetzen gesorgt. An einer Gedenkveranstaltung in der NRW-Staatskanzlei nahmen neben NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Mevlüde Genc teil, die bei dem Anschlag fünf Familienmitglieder verloren hatte. Am Nachmittag des 29. Mai fanden die Gedenkveranstaltungen in Solingen statt. -lnw-

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Viel beachteter Tweet

Der Tweet von Dr. Christian Blex fand aber viel Beachtung. Trotz seiner "nur" knapp 1570 Twitter-Follower hat sein Post schon über 1000 Interaktionen. Die meisten Reaktionen verurteilen aber die Gedanken des AfD-Politikers.

Auch Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration im Landtag meldete sich zu Wort.

"Dieses Gefühl, wenn Du Dich bei so viel Hass nur noch übergeben willst... Eine Schande für unser Land #NRW, dass dieser widerliche Kerl, sich MdL nennen darf", schreibt die CDU-Politikerin.

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Daraufhin meldete sich auch Andreas Hollstein, der Bürgermeister von Altena zu Wort.

Der Politiker, der im vergangenen Jahr bei einem hinterhältigen Messerangriff schwer verletzt wurde, äußerte sich wie folgt: "Es ist nur traurig, dass es wieder solche Ansichten im Parlament gibt. Aber der Haltung von Frau Mevlüde Genc gehört die Zukunft! Für ein humanes und tolerantes NRW!"

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