Nachwuchs auf der Dachterrasse
Entenfamilie wohnt auf ehemaligem Bundesbankhaus

Münster -

Auf einer Dachterrasse an der Geiststraße hat eine Entenmama Junge ausgebrütet. Die Bewohner des Hauses versuchen sich so gut es geht um die Tiere zu kümmern.

Samstag, 02.06.2018, 12:00 Uhr

Kaum jemand kennt die Dachterrasse auf dem ehemaligen Gebäude der Bundesbank. Eine Entenfamilie hat dieses kleine Reich nun für sich entdeckt. Eine nicht unproblematische Wahl, wie sich zeigt.
Kaum jemand kennt die Dachterrasse auf dem ehemaligen Gebäude der Bundesbank. Eine Entenfamilie hat dieses kleine Reich nun für sich entdeckt. Eine nicht unproblematische Wahl, wie sich zeigt. Foto: Björn Meyer

Es ist ein beinahe geheimer Ort mitten im Geistviertel: Die große Dachterrasse auf dem ehemaligen Gebäude der Bundesbank an der Geiststraße. Kaum jemand kennt sie. Früher sei sie mal ein Paradies gewesen, sagt ein Anwohner, der nicht genannt werden möchte. Heute hat der neue Eigentümer des Gebäudes offenbar keine Verwendung mehr für die mehrere Hundert Quadratmeter große Fläche.

Weitgehend ist sich die Terrasse, auf der früher Bäume und Spielgeräte für Kinder zu finden waren, sich selbst und vor allem der Natur überlassen. Und die hat den Raum jetzt auf ungewöhnliche Weise okkupiert: als Brutstätte einer Stockente.

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Eine Entenfamilie hat die Dachterrasse der ehemaligen Bundesbank als ihr Zuhause auserkoren. Keine unproblematische Wahl. Foto: privat

Elf oder zwölf Küken seien es gewesen, die die Ente dort ausgebrütet habe. Ganz einig sind sich die Anwohner da nicht. Klar war nur, der Ente muss geholfen werden. Denn Wasser findet sich dort oben, viele Meter über dem Straßenniveau nicht. „Meine Frau hat erstmal die Feuerwehr angerufen“, erzählt Hajo Vagedes , der in einem der oberen Stockwerke des mittlerweile als Mietshaus genutzten Gebäudes wohnt.

Angst um Küken-Enten-Bindung

Dort sei man sehr freundlich gewesen und habe seine Frau an die Stelle für „Tiere in Not“ weitergeleitet. Nur wenige Minuten später seien drei nette junge Männer zu ihnen gekommen und hätten sich die Situation angeschaut.

Nach Rücksprache mit Tierschützern und dem Zoo sei dann entschieden worden, die Enten auf der Dachterrasse zu lassen. Wohl auch, weil zu befürchten gewesen sei, dass die Bindung zwischen der Ente und ihren Küken durch das Einfangen hätte gestört werden können, wie Vagedes berichtet. Also machen die Anwohner derzeit das Beste aus der Situation, und versuchen die Entenmutter so gut es geht zu unterstützen. Ein kleines Bassin mit Wasser wurde aufgestellt, zudem eine Futterstelle mit Wasser, Haferflocken und Salat errichtet.

Trotz aller Mühe: Alle Küken haben es wohl nicht geschafft. Nur noch sechs zählten die Anwohner in dieser Woche. „So ist die Natur“, sagt ein Anwohner. Vor allem Ratten, Marder und Raben gelten als Feinde für die Enten, denen auf der Dachterrasse nur wenige wirkungsvolle Verstecke zur Verfügung stehen. Sechs bis acht Wochen dauert es, bis die Küken ihr volles Federkleid entwickelt haben und somit flugfähig sind.

Enten-Quartier gar nicht so ungewöhnlich

Dass Enten, die normalerweise nahe dem Wasser im Schilf brüten, ihre Jungen in luftiger Höhe großziehen, ist übrigens gar nicht so selten. Regelmäßig würden sich besorgte Anwohner melden, schreibt etwa der „Landesbund für Vogelschutz“ in Bayern auf seiner Homepage.

Und auch Hajo Vagedes hat diese Situation schon mal auf der Dachterrasse an der Geiststraße erlebt. Anfang der 80er-Jahre müsse das gewesen sein, erinnert er sich. Zu der Zeit also, als die Terrasse nicht noch ein Paradies für Menschen war.

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