Probleme im Klarastift
Gutachten soll städtischem Altenheim aus der Krise helfen

Münster -

Die Probleme im städtischen Klarastift beschäftigen Verwaltung und Politik. Neben der Androhung eines Aufnahmestopps wegen einzelner Mängel in der Pflege geht es um die schwierige finanzielle Situation.

Freitag, 22.06.2018, 06:56 Uhr
 Die kommunale Altenhilfeeinrichtung Klarastift erlebt stürmische Zeiten.
 Die kommunale Altenhilfeeinrichtung Klarastift erlebt stürmische Zeiten. Foto: Matthias Ahlke

Nach dem angedrohten Aufnahmestopp wegen angeblicher Mängel in der Pflege beim Altenwohnheim Klara­stift ist die Debatte um die Situation der kommunalen Einrichtung voll entbrannt. Der Leiter des Klarastifts, Dr. Michael Lucas , war am Mittwochabend in die nicht öffentliche Sitzung des städtischen Sozialausschusses eingeladen worden. Der Aufsichtsrat des Klara­stifts, das von der städtischen Stiftung Magdalenenhospital finanziell getragen wird, soll sich in den nächsten Tagen zu einer Sondersitzung treffen. Auch der Bewohnerrat des Klarastifts soll tagen.

Aufnahmestopp droht

Die Drohung eines Aufnahmestopps steht weiter im Raum, die Vorwürfe über einzelne Mängel in der Pflege sollen aufgeklärt werden. Die Leitung des Heims beantwortete die Bitte der städtischen Heimaufsicht um Stellungnahme mit einem Anwaltsschreiben – nach Recherchen unserer Zeitung ein eher ungewöhnliches Vorgehen. Die Androhung eines Aufnahmestopps ist aber in Münster kein einzigartiges Vorgehen. Im Jahr 2017 gab es diese Situation vier Mal, 2018 zwei Mal – immer bei anderen Pflegeeinrichtungen als dem Klarastift. Gleichwohl ist sie ein scharfes Schwert, weil sich ein Aufnahmestopp auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.

Sorgen bereitet der Einrichtung aktuell die Finanzierung. Eine zeitweise nicht vollständige Auslastung und die Finanzierungsrichtlinien nach dem neuen Pflegegesetz wirken sich ungünstig aus. Für kommunale Träger gelten zudem besondere steuerrechtliche Regeln, wie Aufsichtsratsvorsitzende Anne Hakenes in einem früheren Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte. Sie war aktuell nicht für ein Telefonat erreichbar. Hakenes wurde nach Informationen unserer Zeitung vom angedrohten Aufnahmestopp Mitte vergangener Woche informiert, die Nachricht erreichte aber nicht die anderen Aufsichtsratsmitglieder.

Unternehmensberatung soll Zukunftsstrategie aufzeigen

In zweifacher Funktion ist dem Klarastift die städtische Beigeordnete Cornelia Wilkens übergeordnet. Sie verantwortet als Sozialdezernentin die Heimaufsicht und ist zusätzlich Präsidentin der finanzierenden Stiftung Magdalenenhospital. Auf ihre Initiative hin soll nun eine Unternehmensberatung die Situation des Klarastifts analysieren und Zukunftsstrategien aufzeigen.

Die gemeinnützige GmbH hat etliche Unterabteilungen gebildet. So gibt es neben dem klassischen Pflegeheim ein Haus zur Betreuung von Demenzkranken, eine Abteilung für Wachkomapatienten, eine Tagespflege, ambulante Dienste und eine Kita. Der Erstellung des Gutachtens, das rund 40 000 Euro kosten und von der Stiftung Magdalenenhospital bezahlt werden soll, stimmte der Ausschuss zu.  

Kommentar: Schwierige Doppelrolle

Die finanziell schwierige Lage des städtischen Altenheims Klarastift schwelt länger, hinzu kommt nun die Androhung eines Aufnahmestopps nach Vorwürfen über angebliche Pflegemängel. Ein solcher Schritt ist zwar nicht alltäglich, auch andere Einrichtungen in Münster mussten sich schon damit auseinandersetzen. Nach allem, was über den aktuellen Fall Klara­stift bekannt ist, geht es um vereinzelte Vorkommnisse.Sie zu bagatellisieren, wäre falsch. Sie können aber auch nicht als Indiz dafür gelten, dass sich Bewohner in Pflegeheimen, aktuell dem Klarastift, generell fürchten müssten, nicht sachgerecht behandelt zu werden. Probleme in der Pflege, denen die städtische Heimaufsicht in der Regel nach Meldungen von Angehörigen nachgeht, sind somit leider keine Seltenheit, aber auch kein Massenphänomen. Sie sind vielmehr Ausdruck des generellen Problems: Die Pflege ist nicht hinreichend finanziert und leidet unter großem Fachkräftemangel. Abgesehen davon ist es gut, dass sie Stadt sich jetzt mit der Frage auseinandersetzt, wie das Klarastift aufgestellt sein soll. Dass sie dabei in einer Doppelrolle agiert, macht die Sache sicher nicht leicht. - Karin Völker

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