Minister Spahn weiht Lernzentrum ein
Hier sind die Patienten Simulanten

Münster -

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat am Donnerstag in Münster offiziell das Lernzentrum „Limette“ der Medizinischen Fakultät eingeweiht. Dort werden Studenten bei Gesprächen mit Patienten, die von Schauspielern verkörpert werden, von den Lehrenden beobachtet – und anschließend kritisch bewertet.

Donnerstag, 19.07.2018, 16:16 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (stehend) weihte am Donnerstag das Lernzentrum „Limette“ ein. Dort verfolgen Dozenten die Gespräche, die ihre Studierenden mit Patienten führen. Die sind allerdings nicht wirklich krank – sondern werden von Schauspielern verkörpert.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (stehend) weihte am Donnerstag das Lernzentrum „Limette“ ein. Dort verfolgen Dozenten die Gespräche, die ihre Studierenden mit Patienten führen. Die sind allerdings nicht wirklich krank – sondern werden von Schauspielern verkörpert. Foto: Matthias Ahlke

Das Lernzentrum, das die medizinische Ausbildung an der Universität Münster revolutionieren soll, hat Ähnlichkeit mit einem Raumschiff. Um einen dunklen, kreisrunden Raum, der wie eine Kommandobrücke aussieht, sind zwölf kleinere Räume gruppiert. Dort sitzen Medizinstudenten Patienten gegenüber, die nur so tun, als wären sie krank – tatsächlich sind sie Schauspieler, die gegen ein Honorar simulieren. Durch eine halbverspiegelte Scheibe wird das Patientengespräch in den „Arztzimmern“ live von den Dozenten verfolgt.

„Weltweit einmaliges“ Lernzentrum

„Limette“ heißt das Lernzentrum, das am Donnerstag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU ) offiziell eingeweiht wurde. Die Architektur des Zentrums ist nach Angaben der Medizinischen Fakultät der Universität (WWU) „weltweit einmalig“ – und der Ansatz, die klinische Performance von Studierenden zu beobachten und danach kritisch mit den Studierenden durchzusprechen, „die aktuell innovativste und wertvollste Facility im Bereich der medizinischen Ausbildung“, so Prof. Dr. Bernhard Marschall, Studiendekan der Medizinischen Fakultät.

Eröffnung des LIMETTE Lernzentrums an der Medizinischen Fakultät durch Gesundheitsminster Jens Spahn

1/27
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke

Minister begeistert

Der Minister nimmt am Donnerstag den Platz der Lehrenden ein, verfolgt per Kopfhörer die simulierten Behandlungssituationen, die sich hinter den Glasscheiben abspielen. Jens Spahn ist begeistert: „Die Limette ist ein tolles Projekt, denn wir brauchen Ärztinnen und Ärzte, die fachlich super ausgebildet und zugleich mit Patienten auf Augenhöhe kommunizieren können.“ Noch in der Pilotphase war das Limette-Konzept bereits mit dem Lehrpreis der WWU ausgezeichnet worden.

Die Limette ist ein tolles Projekt, denn wir brauchen Ärztinnen und Ärzte, die fachlich super ausgebildet und zugleich mit Patienten auf Augenhöhe kommunizieren können.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Das Lernzentrum erstreckt sich über zwei Etagen, 24 Studenten können damit parallel beobachtet werden. Bis zu 14 Durchgänge gibt es pro Semester, nach einem Gespräch wechseln die Studenten in das nächste „Arztzimmer“, wo sie mit einer anderen Erkrankung konfrontiert werden. „Die Schauspieler, die die Patienten spielen, sind zwischen 18 und 80 Jahre alt“, berichtet Rahel Kurpat. Die Theaterpädagogin übt mit ihnen die Rollen ein. Zehn verschiedene Krankheitsbilder beherrschen die insgesamt 120 Schauspieler.

Weg von der Abi-Fixierung

Nicht nur während des Studiums, auch schon bei der Auswahl der Studierenden kommt das Limette-Konzept zum Tragen. Wer sich hier als besonders kompetent erweist, ist eindeutig im Vorteil. Spahn gefällt diese Art der Auswahl. „So kommt man endlich von der Abi-Fixierung weg“, sagt der Minister und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Wer sein Abitur mit 0,9 macht aber nicht gerne mit Menschen in einem Raum ist, der sollte besser kein Arzt werden – Pathologen ausgenommen.“

Landarztquote

Landärzte sind Mangelware. NRW will daher im Medizinstudium eine Landarztquote einführen. 7,6 Prozent der Studienplätze sollen für Studienanfänger reserviert werden, die sich verpflichten, als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Jens Spahn bezeichnete eine solche Quote am Donnerstag als „richtiges Signal“. Das Studium ist kostenlos, „da darf die Gesellschaft auch Anforderungen formulieren“. Andere Bundesländer zeigten bereits Interesse am NRW-Modell.

...
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5918329?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Nachrichten-Ticker