Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe bestätigt Verbesserungen
Eurobahn findet Weg aus der Krise

Lengerich/Tecklenburger Land -

Nach einem Katastrophen-Start der Eurobahn samt Abmahnung scheint die Krise im Teutoburger-Wald-Netz so gut wie überwunden. Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sieht Verbesserungen in allen Bereichen. Sogar der neue Holland-Zug von Bielefeld über Osnabrück nach Hengelo rollt inzwischen zuverlässig.

Donnerstag, 19.07.2018, 17:35 Uhr

Die Eurobahn bringt im Teutoburger-Wald-Netz inzwischen deutlich bessere Leistungen als in den Monaten nach dem Betriebsstart
Die Eurobahn bringt im Teutoburger-Wald-Netz inzwischen deutlich bessere Leistungen als in den Monaten nach dem Betriebsstart Foto: Sebastian Stricker

Die Verbindung in die 80 000-Einwohner-Stadt in der Provinz Overijssel hätte eigentlich schon im Januar stehen sollen. Für den grenzüberschreitenden Verkehr hatte die Eurobahn eigens acht neue Elektrotriebwagen (Typ Stadler Flirt 3) angeschafft. Bis vor Kurzem gelang es einigen dieser Züge jedoch nicht, am Bahnhof Bad Bentheim störungsfrei zwischen deutscher Wechselspannung und der niedrigeren Gleichstromspannung des niederländischen Bahnstromnetzes umzuschalten. Verspätungen, Ausfälle und Kapazitätsverluste auch auf anderen Linien im Teutoburger-Wald-Netz waren die Folge.

Mittlerweile scheinen die technischen Probleme behoben. Wie Eurobahn-Mutterkonzern Keolis Deutschland mitteilt, sind seit Ende Mai alle acht Neufahrzeuge auf der Linie RB 61 (Bielefeld–Hengelo) im Einsatz. „Seit Mitte Juni haben wir einen stabilen Zustand und Betrieb.“

Auch im Führerstand habe die Eurobahn nachgebessert. An Lokführern mangelt es angeblich nicht mehr so stark, dass es den Betrieb nachhaltig beeinträchtigt. „Für das Teutoburger-Wald-Netz ist der Personalbedarf gedeckt“, sagte Sprecherin Nicole Pizzuti, schränkte jedoch zugleich ein: „Leider können wir auch künftig nicht zusichern, dass etwa im Fall einer Grippewelle der Einsatzplan stabil gehalten werden kann. Bei manchen Ereignissen sind uns die Hände gebunden.“

Modernisierungsmaßnahmen laufen

Kurz vor dem Abschluss stehe die Umgestaltung der alten, von Ex-Netzbetreiber Westfalenbahn übernommenen Elektrotriebwagen (Typ Stadler Flirt). Ab Ende August sollen alle 19 Gebrauchtfahrzeuge im neuen Look erscheinen. Bislang seien zwölf Dreiteiler und drei Fünfteiler modernisiert worden. Innen erhalten die Wagen unter anderem neue Tische, Polster und Kopfstützen sowie Videodisplays zur besseren Fahrgastinformation, außen gibt es einen frischen Anstrich in den Farben Weiß, Grau und Mint.

Zehn Monate nach dem Betreiberwechsel im Teutoburger-Wald-Netz sehen die Auftraggeber die Eurobahn weiter im Aufwärtstrend. „Es gibt messbare und sichtbare Verbesserungen in allen Bereichen“, stellte der Sprecher von Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), Uli Beele, fest. Nur noch gut ein Prozent aller Zugausfälle seien durch Keolis Deutschland selbst verschuldet.

"Eurobahn bleibt unter Beobachtung“

Zum schlimmsten Zeitpunkt der Krise, die eine Abmahnung des Unternehmens im Februar nach sich gezogen hatte, sei der Anteil „deutlich höher” gewesen. Zur Einordnung: Um den Vertrag über 15 Jahre mit dem Ableger einer französischen Staatsbahn-Tochter vorzeitig wegen Nichterfüllung kündigen zu können, müsse die Ausfallquote laut Beele mindestens 20 Prozent betragen. „Davon waren wir aber immer weit entfernt.”

Keolis – der Konzern

Mit rund 63.000 Mitarbeitern in zehn europäischen Ländern sowie den USA, Kanada, Australien, Indien, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört Keolis International nach eigenen Angaben zu den bedeutendsten Anbietern von Mobilitätsdienstleistungen.

Seit 1999 ist Keolis in Deutschland aktiv und betreibt unter dem Markennamen „Eurobahn“ modernen öffentlichen Schienenpersonennahverkehr (SPNV).

Heute ist Keolis Deutschland in Düsseldorf ansässig und der größte private Anbieter in Nordrhein-Westfalen. So die Angaben auf der Firmen-Internetseite (eurobahn.de). Das Unternehmen ist seit 2017 für vier Verkehrsnetze verantwortlich, die bis nach Niedersachsen, Nordhessen und in die Niederlande reichen.

Das gesamte Streckennetz umfasst rund 16,3 Millionen Zug-Kilometer und wird ab dem Jahr 2020 rund 21.2 Millionen Zug-Kilometer umfassen.

...

Gleichwohl wolle der NWL wie auch seine beiden Partner Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und Provinz Overijssel die Zügel vorerst nicht locker lassen. „Die Eurobahn bleibt unter Beobachtung“, betonte Beele. Dafür sei „die Verärgerung zu groß und zu lange“ gewesen. Sollte der „einstige Musterknabe in Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“ nicht vollständig zu früherer Stärke zurückfinden, seien weitere Forderungen und Sanktionen denkbar.

Zeit dafür hat Keolis Deutschland nur noch bis zum 4. Oktober: Dann findet die nächste NWL-Verbandsversammlung statt, wo die Situation im Teutoburger-Wald-Netz noch einmal vollständig beleuchtet und neu beurteilt werden soll.

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