Positionen zur Flüchtlingspolitik
Wagenknecht spaltet die Linke in Münster

Münster -

Reizfigur Sahra Wagenknecht: Seit Monaten kritisiert der münsterische Linke Rüdiger Sagel die Spitzenpolitikerin seiner Partei wegen ihrer Positionen in der Migrations- und Flüchtlingsdebatte. Von Parteifreunden in Münster bekam er dafür erst Prügel, jetzt kritisiert auch der Kreisvorstand Wagenknecht. Doch der parteiinterne Streit in Münster ist damit noch nicht vorbei.

Samstag, 21.07.2018, 14:00 Uhr

Rüdiger Sagel kritisiert Sahra Wagenknecht schon lange, jetzt geht Hubertus Zdebel auf Distanz – aber auch auf Distanz zu Sagel.
Rüdiger Sagel kritisiert Sahra Wagenknecht schon lange, jetzt geht Hubertus Zdebel auf Distanz – aber auch auf Distanz zu Sagel. Foto: dpa

Die Linke Sahra Wagenknecht ist eine Reizfigur – auch bei den Linken selbst. Einmal mehr sorgt sie jetzt für Krach bei Münsters Linken, wobei der münsterische Fraktionschef Rüdiger Sagel , ein weithin bekannter Dauerkritiker von Sahra Wagenknecht, seine Parteifreunde sogar zu einer Entschuldigung auffordert.

Was ist passiert? Monatelang wurde Rüdiger Sagel nach eigenem Bekunden vom Kreisvorstand drangsaliert, weil er öffentlich Sahra Wagenknecht kritisiert hatte. „Mir wurde sogar parteischädigendes Verhalten vorgeworfen.“

Jetzt aber hat der Kreisverband selbst ein sehr kritisches Positionspapier verabschiedet, in dem es heißt: „Wir lehnen Positionen von Sahra Wagenknecht in der Migrations- und Flüchtlingsdebatte ab.“ Darüber hinaus kritisiert Münsters Linke die von Wagenknecht angestrebte, linke Sammlungsbewegung, weil „sie an allen demokratischen Gremien der Partei vorbei vorangetrieben“ werde.

Der münsterische Fraktionschef Rüdiger Sagel ist ein Dauerkritiker von Sahra Wagenknecht.

Der münsterische Fraktionschef Rüdiger Sagel ist ein Dauerkritiker von Sahra Wagenknecht. Foto: Matthias Ahlke

Generell, so das auf einer Mitgliederversammlung verabschiedete Papier weiter, besteht die Linke darauf, dass sich die Bundestagsfraktion am „Willen der Basis“ orientieren müsse. „Das vermissen wir bei Frau Wagenknecht.“

Sagel: „Warum wurde ich so hart kritisiert?“

Starker Tobak, über den sich Rüdiger Sagel eigentlich freuen müsste, aber nicht freuen kann, weil bei ihm die Frage bleibt: „Warum wurde ich dann so hart kritisiert?“ Bislang habe sich der Kreisvorstand in keinerlei Form bei ihm entschuldigt.

Die Kreisvorsitzende Katharina Geuking begrüßt ausdrücklich die klare Positionierung des Kreisverbandes, zumal die interne Debatte über Sahra Wagenknecht „gerade erst angefangen hat“.

Hat sich also Rüdiger Sagel bei Münsters Linken durchgesetzt? „Das würde ich so nicht sagen“, geht Geuking auf Distanz. Sagel habe sich an der Debatte, die dann zu dem Beschluss geführt habe, nicht beteiligt. Überdies gehe es bei der Kritik des Kreisverbandes an Wagenknecht „um den einen Punkt“, womit sie Sagel – indirekt – vorhält, dass er Wagenknecht generell ablehne.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel legt Wert auf die Feststellung, dass Wagenknecht „auch viele gute Positionen“ vertrete.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel legt Wert auf die Feststellung, dass Wagenknecht „auch viele gute Positionen“ vertrete. Foto: Günter Benning

Bundestagsabgeordneter Zdebel noch immer sauer

Die Wagenknecht-Frage hat auch einen Keil zwischen Sagel und dem linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel getrieben. Zdebel ist noch immer sauer, weil Sagel ihn vor einigen Monaten öffentlich aufgefordert hatte, Stellung zu beziehen. Dabei hat Zdebel längst den Aufstand gegen die mächtige Fraktionschefin gewagt. Als einer von 25 Bundestagsabgeordneten hat er Wagenknecht in einer Erklärung aufgefordert, sich der „Diskussion in der Fraktion, aber auch in den Gremien der Partei“ zu stellen.

Gegenüber unserer Zeitung betont der Bundestagsabgeordnete ausdrücklich, dass er – anders als Wagenknecht – für das „Prinzip der offenen Grenzen“ in der Migrationspolitik plädiere.

Ablösung Wagenknechts „nicht erforderlich“.

Zugleich aber legt Zdebel Wert auf die Feststellung, dass Wagenknecht „auch viele gute Positionen“ vertrete und er im ständigen Gespräch mit ihr stehe. Personelle Konsequenzen, sprich die Ablösung der Fraktionsvorsitzenden, hält er „für nicht erforderlich“.

Da kann sich Zdebel natürlich nicht freuen, wenn Sagel Zeitungsartikel bei Facebook postet, in denen Wagenknecht unverhohlen Nationalismus und ein Schielen auf AfD-Positionen vorgehalten wird.

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