Pro & Contra
Diskussion über Wohnen am Gasometer

Münster -

In Münster wird darüber diskutiert, ob das Industriedenkmal am Albersloher Weg in Wohngebäude umfunktioniert werden soll. Ist das sinnvoll? Die Redaktion ist geteilter Meinung.

Samstag, 28.07.2018, 16:00 Uhr

Pro & Contra: Diskussion über Wohnen am Gasometer
Die weitere Nutzung des ehemaligen Gasometers ist noch weiter ungewiss. Foto: Matthias Ahlke

Pro: Nachdenken lohnt sich

Seit 2005 wird der Gasometer nicht mehr als Gasometer benutzt. Alle Versuche seitdem, ihn als Ausstellungsraum, Musical-Tempel oder Kletterareal zu nutzen, sind gescheitert. Die Nutzung durch das Wolfgang-Borchert-Theater war zeitlich begrenzt und dient damit nicht als Fingerzeig, wohin die Reise gehen könnte.

Es ist also legitim, eine öffentliche Diskussion darüber anzustoßen, ob der Gasometer nicht als Wohngebäude genutzt werden kann. Die SPD hat ein konkretes Verfahren vorgeschlagen, der Unternehmer Hajo Bierbaum hatte zuvor eine Anregung gegeben.

Die Diskussion hat auch deshalb ihre Berechtigung, weil man das ausrangierte Technikdenkmal nicht sich selbst überlassen kann. Sanierungsarbeiten sind dauerhaft erforderlich, die ohne neue Nutzung „nur“ der Substanzerhaltung dienen würden.

Sicherlich ist es noch ein weiter Weg, bis irgendwann einmal Münsteraner von sich sagen können: „Ich wohne im Gasometer.“ Aber es ist auf jeden Fall die Mühe Wert, darüber nachzudenken, ob man sich auf den Weg macht. (Klaus Baumeister)

Contra: Seid bitte pragmatisch

Die Begeisterung war groß, als der Investor Hajo Bierbaum im Frühjahr vorschlug, im Gasometer 430 Mini-Wohncontainer zu stapeln. Kühn und cool, ein attraktives Bauprojekt – „mit einem gewissen Hipster-Potenzial“, wie ein Facebook-Kommentator schrieb. Nun hängt sich die SPD mit der Idee eines Architektenwettbewerbs dran.

Das alles klingt verlockend, aber auch verflixt nach „Leuchtturmprojekt“ – und solche pflegen in Münster regelmäßig zu scheitern. Zu viele berechtigte Interessen und Em­pfindlichkeiten gilt es abzuwägen: Wie sieht es mit der Erschließung aus, wie mit der Lärmbelastung? Und last, but not least: Wie teuer wird der ganze Spaß?

Münster braucht nicht nur Wohnraum, sondern vor allem erschwinglichen. Und davon eine ganze Menge. Nicht irgendwann, sondern schnell.

Da wäre die Stadt gut beraten, pragmatisch zu denken und zu planen – und hochtrabende Architektenträume erst mal außen vor zu lassen, so begeisternd sie im ersten Moment auch wirken. Gescheiterte „Leuchttürme“ haben wir genug.  (Arndt Zinkant)

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