Polizei erschießt Schäferhund
„Die Gefahr für die Retter war zu groß“

Münster -

(Aktualisiert: 18.30 Uhr)  Um einen Notarzteinsatz zu ermöglichen, mussten Polizisten am Freitagnachmittag an der Travelmannstraße in Münster einen aggressiven Schäferhund erschießen. Doch der Einsatz wurde noch tragischer.

Montag, 06.08.2018, 18:44 Uhr

Polizei erschießt Schäferhund: „Die Gefahr für die Retter war zu groß“
Symbolbild Foto: Colourbox

Die Polizei erschießt einen aggressiven Schäferhund, um einem offenbar schwer verletzten Hundehalter helfen zu können, der zu diesem Zeitpunkt allerdings längst tot ist: Der Einsatz vom Freitagnachmittag in einer Wohnung an der Travelmannstraße im Südviertel gehört zu jener Sorte, die auch erfahrenen Polizisten an die Nieren gehen – und über die im Internet leidenschaftlich gestritten wird.

Polizei-Sprecher Andreas Bode stellt auf Anfrage der Redaktion zwei Dinge klar: Es gebe erstens „keine Erkenntnisse über eine Straftat“, der Mann sei eines natürlichen Todes gestorben. Und zweitens habe es sich die Polizei nicht leicht gemacht, den Hund zu erschießen. „Wir mussten abwägen. In diesem Fall ging es einfach vor, der Person Hilfe leisten zu können.“

Wie berichtet, waren die Rettungskräfte von Nachbarn alarmiert worden. Von einer Feuerwehr-Drehleiter aus sahen die Beamten den 65-jährigen Münsteraner hilflos im Badezimmer liegen. Sie wussten auch: Der Hund ist in der Wohnung – ein Tier, das den Polizisten als groß, stark und unbeherrscht bekannt war. Ein Diensthundeführer habe noch versucht, den Schäferhund zu beruhigen. Als dieser Mann sagte „ich komme hier nicht weiter“ habe man keine andere Wahl gesehen als zur Waffe zu greifen, sagt Andreas Bode.

"Keine Standardsituation"

Es sei letztlich darum gegangen, so schnell wie möglich den Schwerverletzten zu erreichen. Der Hund, selbst wenn er nur aufgeregt war oder seinem Beschützerinstinkt folgte, sei für alle Beteiligten – für Notarzt, Rettungssanitäter und Polizeibeamte – eine zu große Gefahr gewesen. Es hätte auch weder die Zeit noch die Möglichkeit gegeben, ihn zu betäuben.

Dem 65-Jährigen konnte nicht geholfen werden, der Notarzt stellte den Tod des Mannes fest. An einen ähnliche Notfalleinsatz kann sich Andreas Bode nicht erinnern: „Das war keine Standardsituation.“

"Im Zusammenhang mit dem Tod des Mannes gibt es derzeit keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden", sagte ein Polizeisprecher kurz nach dem Vorfall auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Polizei geht von einer natürlichen Todesursache beziehungsweise einem medizinischen Notfall aus.

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