Wespen und Co.
Nicht jedes Nest ist gefährlich

Gronau -

Bernd Schatz ist derzeit im Dauereinsatz. Der Imker ist aktuell allerdings nicht in erster Linie wegen seines Honigs gefragt, sondern als Ansprechpartner, kompetenter Ratgeber und oft auch als Retter in der Not, wenn es um Wespen, Bienen, Hummeln und Hornissen geht.

Freitag, 10.08.2018, 07:54 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 10.08.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 10.08.2018, 07:54 Uhr
Imker Bernd Schatz mit einem besonderen Stück seiner Sammlung: Die Wespen hatten ihr Nest in einen Babykorb auf dem Dachboden gebaut und den Plüsch-Elefanten einfach integriert.
Imker Bernd Schatz mit einem besonderen Stück seiner Sammlung: Die Wespen hatten ihr Nest in einen Babykorb auf dem Dachboden gebaut und den Plüsch-Elefanten einfach integriert. Foto: Klaus Wiedau

„Wir hatten in den letzten zehn Jahren noch nie so viele Wespen wie in diesem Jahr“, sagt Schatz . Aber er hat für viele Betroffene auch gleich eine gute Nachricht parat: „Nicht jedes Wespennest ist gefährlich und muss entfernt werden.“

Zu wenig und falsches Wissen

Und damit ist der Imker auch schon bei einem wichtigen Punkt: Dem Wissen um Wesen und Wirken der kleinen Insekten, die viele nur als vermeintlich gefährliche Biester sehen. „Es ist erschreckend, wie wenig die Menschen über die Tiere wissen und welche Vorurteile sich halten“, sagt Schatz – etwa das von den sieben Hornissen, die ein Pferd töten können. „Das ist eher umgekehrt“, schmunzelt Schatz.

Ruhig bleiben

Mehr als die Hälfte der Fälle, die an ihn herangetragen werden, kann Schatz durch Beratung oder Umsetzung von Nestern lösen. „Ruhig bleiben“, lautet der erste Tipp des Fachmannes. Denn, es gebe viele Stellen, an denen ein Wespennest einfach bleiben könne, bisweilen sei schon mit kleinen Tricks dafür Sorge zu tragen, dass Mensch und Tier gut nebeneinander leben können, ohne sich in die Quere zu kommen.

Saison bald zuende

Zudem neige sich die Wespen-Saison ohnehin dem Ende zu: „Die Drohnen sind schon tot und die Arbeiterinnen sterben nach vier bis sechs Wochen. Später ziehe sich auch die Königin zurück – „dann kann das leere Nest gefahrlos entfernt werden“, so Schatz. Ein leeres Nest werde auch nicht erneut belegt, weiß Schatz aus Erfahrung. „Aber es kann vorkommen, dass die Wespen direkt daneben ein Neues bauen . . .“

Übrigens: Zu glauben, dass die Wespen am Frühstückstisch vom Nest am eigenen Haus kommen, sei übrigens ein Trugschluss: „Die kommen meist von weiter weg – etwa aus einem oder 1,5 Kilometer Entfernung“, so Schatz.

Das Babybett mit dem Plüsch-Elefanten von der anderen Seite.

Das Babybett mit dem Plüsch-Elefanten von der anderen Seite. Foto: Klaus Wiedau

Wespen in einem Babybett

Aber es gibt auch die Fälle, wo Warten auf den Abflug von Biene, Wespe und Co. keine Alternative ist: „Etwa wenn ein Nest im einen Rollladen-Kasten sitzt oder auf einem vielgenutzten Dachboden“, nennt Schatz solche Fälle. Vor wenigen Tagen erst hat er in Epe eines entfernt: Dort hatten es sich die Wespen in einem Babybett auf dem Dachbaden „bequem“ gemacht. Den im Bett liegenden Plüsch-Elefanten bauten sie kurzerhand in ihr Zuhause mit ein.

Nester werden umgesiedelt

In sehr vielen Fällen kann Bernd Schatz die Probleme seiner Kunden durch eine Umsetzung regeln – dabei wird das Nest irgendwo an eine wasserreiche Stelle in Wald oder Landschaft umgesiedelt.

Gelegentlich erlebt Schatz bei seinen Einsätzen auch ganz ungewöhnliche Dinge. So hatten neulich Wespen und Hornissen auf einem Dachboden ihre Nester nebeneinander gebaut: „Dabei sind die eigentlich Fressfeinde“, so Schatz.

Tiere stehen unter Artenschutz

Stichwort Hornissen: Deren Nester dürfen nicht so ohne Weiteres entfernt werden. „Da die Tiere unter Artenschutz stehen, ist dafür in jedem Einzelfall eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (Kreis Borken) erforderlich. Zudem darf das Umsetzen oder Entfernen nur durch fachkundige Personen erfolgen“, erläutert Schatz. Er warnt im Übrigen auch vor dem Einsatz von Hausmitteln oder Wunderpräparaten, die zu kaufen sind. „Meist schadet man damit den Wespen und sich selbst“, so Schatz.

Hornissen sehr verträglich

Anders als ihr Ruf, seien Hornissen aber „sehr verträgliche Viecher und überhaupt nicht aggressiv, sondern mit einer hohen Reizschwelle ausgestattet“, so die Erfahrung des Imkers.

Apropos Erfahrung – wie geht Schatz mit Stichen um? „Alle Stiche sind auf die gleiche Weise schmerzhaft“, sagt er. Vor allem in den ersten Minuten. Bei Bienen stelle sich oft am Tag danach ein starkes Jucken unter der Haut ein. Und was tut der Fachmann dagegen? „Nichts“, sagt Schatz – einfach ertragen. Vermeiden lasse sich das trotz Schutzkleidung nicht. Dass es derzeit reichlich Wespen gibt, führt Schatz auf die schönen ausgeglichenen Temperaturen im Frühjahr und auf die aktuelle Hitze zurück. Die Hitze sei es auch, die – vor allem die deutsche Wespe und die gemeine Wespe – in diesen Tagen „etwas aggressiv“ machen.

Wespen reagieren auf Körpergerüche

Wenn die Tiere auf einzelne Menschen besonders reagieren, hänge das mit bestimmten Gegebenheiten zusammen: „Starker Schweißgeruch, Alkoholdunst, Deo- oder Parfümgeruch“, listet Schatz auf. Auch wenn ein Gewitter in der Luft liegt, sollte man sich von Bienen oder Wespen besser fernhalten. Und wenn sie sich in langen Haaren verfangen, kann das auch schon mal mit einem Angriff enden.“ Der sei in der Regel aber nur für die drei bis sechs Prozent der Menschen gefährlich, die unter einer Allergie leiden.

Wer mehr über Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen erfahren möchte, den lädt Schatz ein, seinen Bienengarten in der Kleingartenanlage Ostland (Kaiserstiege) zu besuchen. Da macht er anhand verschiedener Info-Materialien deutlich, wie nützlich die kleinen Tierchen sind – „und das sie alle ihren Platz haben unter Gottes Sonne“.

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