IHK Nord Westfalen zählt Passanten in Mittelstädten
Events locken in die Innenstädte

Münster -

Den Verbrauchern im Münsterland macht das Shoppen in den Innenstädten der Mittelzen­tren noch Spaß. Trotz wachsender Angebot der Onlinehändler haben sich die Passantenfrequenzen in den Fußgängerzonen in den vergangenen zwei Jahren nicht verändert – im Durchschnitt.

Freitag, 10.08.2018, 13:40 Uhr aktualisiert: 10.08.2018, 15:19 Uhr
IHK Nord Westfalen zählt Passanten in Mittelstädten: Events locken in die Innenstädte
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Michael Radau zweifelt: Ist es schon ein Erfolg, wenn die Zahl der Passanten in den Innenstädten der münsterländischen Mittelzentren innerhalb von zwei Jahren konstant bleibt? Der Vorsitzende des Handelsausschusses der IHK Nord Westfalen freut sich zwar, dass die Menschen trotz der Online-Angebote immer noch gerne im stationären Einzelhandel einkaufen.

Doch: Bei der letzten Passantenzählung der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Jahr 2016 hat es massiv regnet, 2018 herrschte am 7. und 9. Juni bestes Frühlingswetter. „Da sind konstante Zahlen schon ernüchternd“, erklärte Radau am Freitag. Die höchsten Passantenfrequenzen pro Stunde wurden in der Region samstags auf den Einkaufsstraßen in Rheine (knapp 2300), Bocholt (gut 2000) und Emsdetten (über 1800) gemessen – gefolgt von Ahlen, Coesfeld, Greven und Ibbenbüren.

Sondereffekte

Radau weiß, was die Verbraucher in die Innenstädte lockt: „Der Stadtbummel muss zu einem Erlebnis gemacht werden.“ Auch gebe es Sondereffekte wie den Bau der neuen Emsgalerie  in Rheine. In Lüdinghausen  habe während der Frequenzzählung das Stadtfest „Lüdinghausen karibisch“ stattgefunden, berichtete der Handelsausschuss-Vorsitzende und Inhaber der Super-Bio-Markt AG in Münster. Folge: 825 Passanten wurden gezählt statt lediglich 500 zwei Jahre zuvor.

Die Zählung ergab eine weitere klare Tendenz: Haupt-Shoppingtag wird immer mehr der Samstag. Im Durchschnitt des gesamten IHK-Bezirks, also des Münsterlandes und der Emscher-Lippe-Region, besuchten donnerstags 550 Menschen die Citys der Mittelzentren, samstags waren es mehr als Tausend. „Das könnte auch an Sonntagen so sein“, erlaubte sich Radau einen Seitenhieb auf die begrenzte Möglichkeit, Läden sonntags zu öffnen.

Attraktivität erhöhen

Zwar appellierte Radau mit Blick auf die Steigerung der innenstädtischen Anziehungskraft vor allem an die Kommunalpolitiker. „Doch auch jeder Händler muss sich überlegen, wie er die Attraktivität seines Standorts erhöhen kann.“ Auf die Feierabendmärkte in Gronau und Lüdinghausen als Beispiele für erfolgreiche Events verwies Jens von Lengerke.

Der Abteilungsleiter Handel, Dienstleistungen und Stadtentwicklung bei der IHK betonte den vielfältigen Charakter der Innenstädte – „der muss gepflegt werden“. Für ein Gesundschrumpfen mancher Innenstädte sprach sich indes Radau aus. „Eine Verkürzung der Einkaufstraße kann zu mehr Frequenz führen“, regte der Handelsexperte an. 

Kommentar: Kreative Ideen gefragt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge dürfte der Einzelhandel im Münsterland auf die Ergebnisse der Passantenzählung der IHK schauen. Positiv ist sicherlich, dass Amazon und Co. trotz massiver Ausweitung ihrer Geschäftsmodelle den Händlern vor Ort nur wenige Kunden abspenstig machen konnten.

Doch beim genaueren Hinsehen ist die Lage doch nicht so rosig, wie sie auf den ersten Blick anmutet: Nur dort, wo die Verbraucher mit Events, wachsenden Gastronomieangeboten und neuen Einkaufszentren in die Innenstädte gelockt werden, bleiben die Citys der Mittelzentren attraktiv. Wenn kommunale Politiker und Händler auf alten Mustern beharren und keine kreativen Angebote machen, wandern die Kunden schnell ab – ins Internet oder aber auch in die Nachbarstadt.

Ein Indiz für eine veränderte Shopping-Kultur ist die wachsende Bedeutung des Samstags als Haupt-Einkaufstag. Die Menschen gehen offenbar nicht mehr nur in die Innenstadt, um sich mit Waren aller Art zu versorgen. Vielmehr wird am Wochenende die Shoppingtour auch genutzt, um Cafés und Restaurants zu besuchen – ein dickes Plus gegenüber dem Online-Kauf. Jürgen Stilling

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