Autohäuser und Werkstätten zum Plan der Politik
Diesel: Die große Skepsis bleibt

Münster -

Dem Diesel-Plan der Koalition in Berlin stehen Kfz-Werkstätten in Münster skeptisch gegenüber. Allein für eine Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge fehle die Technik, sagen die Praktiker.

Freitag, 05.10.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2018, 08:56 Uhr
Die Koalition hat ihre Diesel-Pläne beschlossen, Werkstätten und Autohäuser sind skeptisch, wie es weitergeht.
Die Koalition hat ihre Diesel-Pläne beschlossen, Werkstätten und Autohäuser sind skeptisch, wie es weitergeht. Foto: dpa

Der Diesel-Plan der Koalition in Berlin soll jetzt Klarheit für die Besitzer von älteren Diesel-Fahrzeugen schaffen. Inhaber von Kfz-Werkstätten in Münster bezweifeln die vorgeschlagene Vorgehensweise, einige Autohäuser äußern sich erst gar nicht zu diesem Thema. Rainer Ahlers , Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Münster, möchte sich aus den politischen Problemen lieber raushalten, wie er sagt. Für ihn steht fest: „Wir könnten eine Umrüstung der alten Fahrzeuge schnellstens vornehmen.“ Nur dafür fehle die Technik.

Rainer Ahlers ist überzeugt, dass „die Kunden die Dieseldiskussion kalt lässt“. Für Autofahrer, die mehr als 30.000 Kilometer pro Jahr fahren würden, gebe es keine Alternative zum Diesel. „Wir müssen mit dem Diesel leben“, sagt der Obermeister. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die neuen Euronormen 5 und 6, die jeweils die Grenzwerte für den Ausstoß von Luftschadstoffen festlegten.

„Alles nur Wortklauberei“

Udo Sieveneck stört, dass den Besitzern von Dieselfahrzeugen mit den Abgasnormen Euro vier und fünf ein Tausch angeboten werden soll. „Das ist doch alles nur Wortklauberei“, meint der Kfz-Handwerksmeister, der in Kinderhaus eine freie Werkstatt betreibt. Vor allem viele ältere Kunden hätten sich einen Diesel gekauft und würden diesen jetzt am liebsten auch auffahren. Sie seien sogar bereit zu investieren, so Sieveneck, aber auch diese Bereitschaft habe Grenzen. „Wir als freie Werkstatt sind ohnehin aus der Nummer der Nachrüstung so gut wie raus“, meint der Kfz-Meister. Er ist zudem überzeugt, dass ältere Diesel-Fahrzeuge nicht verschrottet sondern verkauft werden. „Das macht es nicht besser“, so Sieveneck.

Auch Ralf Frieling, der eine Kfz-Werkstatt in Albachten betreibt, vertritt die Meinung, dass momentan viel heiße Luft verbreitet werde. Noch gebe es keine Filter für eine Nachrüstung auf dem Markt. Und die Industrie sträube sich davor, Zusagen für Motor-Nachrüstungen zu erteilen. Insgesamt, so Frieling, sei der Handel mit gebrauchten Dieselfahrzeugen momentan im Keller.

Privatkunden steigen um

Jan Berkemeier vom gleichnamigen Autohaus an der Rösnerstraße in Münster, wartet auf eine offizielle Stellungnahme vom Hersteller. Da Opel seinen Angaben zufolge nicht in den Abgasskandal involviert gewesen sei, habe sich bei ihnen die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen schon wieder normalisiert. Sie könnten alle neuen Abgasnormen liefern, sagt Berkemeier. Zwar gebe es auch bei ihnen einen Bonus auf Dieselfahrzeuge, die verschrottet werden sollen, aber ein Hype wie bei der Abwrackprämie vor knapp zehn Jahren sei bisher nicht zu verzeichnen gewesen. Berkemeier rechnet auch damit, dass der Entwicklungsprozess für die neue Technik zum Nachrüsten der Motoren noch ein bis zwei Jahre Zeit in Anspruch nehmen wird.

Insgesamt stellt der Unternehmer fest, dass Privatkunden spürbar verunsichert seien und lieber einen Benziner kauften, gewerbliche Kunden dagegen nach wie vor auf Dieselfahrzeuge setzten. Berkemeier erwartet von den Herstellern, dass die Besitzer älterer Dieselfahrzeuge angemessen entschädigt werden. Zudem müsste für die Zukunft ein nachhaltiger Plan aufgestellt werden. Aber eine rein elektrische Lösung für Fahrzeuge könne er sich nicht vorstellen, so Berkemeier, der davor warnt, „alles übertrieben zu blockieren“.

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