Uni streckt Fühler nach China aus
Deutsch-Export ans Ende der Welt

Münster -

Im Westen Chinas hat die deutsche Sprache viele Freunde - doch an der dortigen Universität fehlen Dozenten für einen Masterstudiengang. Das würde eine Germanistin der WWU gerne ändern.

Donnerstag, 25.10.2018, 08:32 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 25.10.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 25.10.2018, 08:32 Uhr
Uni streckt Fühler nach China aus: Deutsch-Export ans Ende der Welt
Im münsterischen Schloss ist die Universität angesiedelt. Foto: Stadt Münster

Die Universität Münster streckt ihre Fühler in eine der entlegensten Regionen der Erde aus. In Lanzhou, einer 3,6-Millionen-Einwohner-Stadt im Westen Chinas, die zwischen tibetanischem Hochland, Wüste Gobi und innerer Mongolei liegt, wollen viele Studenten Deutsch lernen – doch für einen Master­studiengang fehlen die ­Lehrkräfte. Die münsterische Germanistik-Professorin Dr. Susanne Günthner würde dies gerne ändern.

Gerade ist sie von einer Reise nach Lanzhou zurückgekehrt – und nachhaltig begeistert, wie populär die deutsche Sprache an einer Germanistischen Abteilung „am Ende der Welt“ (O-Ton Günthner) ist. Die 80 Studenten sprechen nicht nur teils hervorragend Deutsch, sondern sind auch gut über das Land im fernen Europa informiert. „Sie stellten Fragen zur angespannten Wohnsituation und zur Angst vor Ausländern – und wunderten sich, dass in Deutschland jeder Student ein eigenes Zimmer hat.“ 

China

117 Germanistik-Fakultäten in China

Günthner hat fünf Jahre in Shanghai und Guanzhou gelebt, dort Deutsch unterrichtet, spricht Chinesisch. Seit 2017 leitet sie eine auf zunächst drei Jahre angelegte, vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanzierte Kooperation der Germanistischen Institute der Universitäten Münster und Xian, das rund 600 Kilometer von Lanzhou entfernt liegt. „1990 gab es in China 19 Germanistik-Fakultäten, heute sind es 117. An den Schulen wurde Deutsch kürzlich flächendeckend zweite Fremdsprache – an manchen Schulen ist es bereits erste Fremdsprache.“

Unter jungen Chinesen sei die Sympathie für Deutschland gewaltig. „Ein Student in Lanzhou sagte mir, dass er gerne in Deutschland studieren würde, weil er Johann Sebastian Bach liebt. Eine Studentin schwärmte von der Literatur der Romantik.“ Andere hätten sich für Deutsch entschieden, um in der Wirtschaft oder im Tourismus voranzukommen.

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Prof. Susanne Günthner Foto: kal

Studenten- und Doktorandenaustausch

Die enge Zusammenarbeit mit Xian will Günthner nun auf Lanzhou ausweiten. „Ich hoffe auf eine Kooperation“, sagt die Germanistin. Denkbar sei ein gegenseitiger Studenten- und Doktoranden-Austausch – wie es ihn bereits zwischen Münster und Xian gibt. Noch wichtiger sei ein Austausch von Dozenten, denn die seien in Lan­zhou, „der entlegensten Deutsch-Abteilung der Welt“, Mangelware. Doch schon bei Xian habe sich die Bereitschaft junger Deutscher, für ein paar Monate nach China zu gehen, in Grenzen gehalten. Über die Gründe rätselt sie.

Studenten schwärmen von Deutschland

„Ein Aufenthalt in dieser extrem spannenden Gegend im Zentrum der alten Seidenstraße mit ihren unterschiedlichen Religionen sowie Lebens- und Esstraditionen lohnt sich“, so ihre Erfahrung. Dass ein Austausch auch in umgekehrte Richtung lohnenswert ist, sei in China längst bekannt: „Die Studenten schwärmen, wie schön und grün Deutschland ist, dass man dort gut leben kann, bezeichnen Deutschland als verlässlichen Partner und kennen sich gut im deutschen Fußball aus.“ Ein gutes Fundament also, um die beiden Universitäten in Münster und Lanzhou enger zusammenzuführen.

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