Bürgerinitiative Rieselfelder
„Morgens ist das hier eine Autobahn“

Münster-Coerde -

Rund 70 Bürger nahmen am ersten Treffen der neu gegründeten Bürgerinitiative Rieselfelder teil. Nun liegen erste Ideen auf dem Tisch, um Die Verkehrslage im Naturschutzgebiet in Münsters Norden zu entspannen. Auch Vertreter politischer Parteien äußerten sich zu den Vorschlägen. Das Thema Nummer eins: Wir die Coermühle eine Anliegerstraße?

Sonntag, 04.11.2018, 18:06 Uhr aktualisiert: 04.11.2018, 18:19 Uhr
Sehr gut besucht war die Veranstaltung der Bürgerinitiative Rieselfelder im Seminar-Gebäude am Rieselfeldhof: Rund 70 Bürger nahmen teil.
Sehr gut besucht war die Veranstaltung der Bürgerinitiative Rieselfelder im Seminar-Gebäude am Rieselfeldhof: Rund 70 Bürger nahmen teil. Foto: rkr

„Ich hatte hier zehn Leute erwartet“, bekannte ein Besucher der ersten öffentlichen Veranstaltung der Bürgerinitiative Rieselfelder. Doch der große Tagungsraum im Seminar-Gebäude hinter dem „Heidekrug“ war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Heike Deckert-Peaceman die Besucher begrüßte und die Moderation übernahm. Rund 70 Bürger waren zu der Veranstaltung gekommen.

Drei Forderungen

Die Bürgerinitiative, die zehn Anwohner gegründet haben, hat sich drei Forderungen auf die Fahne geschrieben: deutlich weniger Durchgangsverkehr, wirksame Reduktion der Geschwindigkeit und Reduzierung der Lärmbelästigung für Mensch und Tier.

Tote Tiere an der Straße und schwere Unfälle

„Morgens ist das hier eine Autobahn“, sagte Bodo Kensmann , der zweite Sprecher der Bürgerinitiative. Morgens zwischen 5.30 und 8.30 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr würden Pendler-PKW und gewerbliche LKW über den Hessenweg und die Coermühle fahren. Oft lägen tote Tiere auf der Straße und mindestens drei Unfälle mit Personenschäden hätten sich auf der Kreuzung von Coermühle und Hessenweg ereignet, berichtete Anwohner Thomas Ratai.

Als Fahrradfahrer bin ich in der Stadt besser geschützt als hier im Naturschutzgebiet.

Leon Schröer

Andere Anlieger erzählten von rücksichtslosen Autofahrern, die mit überhöhter Geschwindigkeit durch das Naturschutzgebiet rasten und Fußgänger und Radfahrer gefährden würden. „Als Fahrradfahrer bin ich in der Stadt besser geschützt als hier im Naturschutzgebiet“, meinte Anwohner Leon Schröer.

Fußweg sei "lebensgefährlich"

Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei schlecht. Bis zur Bushaltestelle „Rieselfelder“ müsse man 15 Minuten auf dem Hessenweg bis über die Kanalbrücke gehen, und das sei „lebensgefährlich“, denn es gebe keinen Bürgersteig.

Dann wurden die Vertreter der politischen Parteien aus der Bezirksvertretung Nord aufgefordert, zu den Problemen Stellung zu nehmen.

Frostige Rieselfelder

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  • Auch in den Rieselfeldern fröstelt es. Immerhin: Die Sonne scheint. Ein Zeichen des Frühlings?

    Foto: Oliver Werner
  • Noch herrscht hier eine winterliche Stimmung, denn auch in den nächsten Tagen sind keine steigenden Temperaturen in Sicht. Im Gegenteil:

    Foto: Oliver Werner
  • Sibirische Kälte und Dauerfrost bis Anfang März sind angesagt. Einziger Trost für die bevorstehende Kältewelle: Die Sonne wird oft von einem blauen Himmel scheinen.

    Foto: Oliver Werner
  • Bis dahin bleiben uns frostige landschaftliche Impressionen.

    Foto: Oliver Werner
  • Frostige Rieselfelder Foto: Oliver Werner
  • Frostige Rieselfelder Foto: Oliver Werner
  • Frostige Rieselfelder Foto: Oliver Werner
  • Frostige Rieselfelder Foto: Oliver Werner
  • Frostige Rieselfelder Foto: Oliver Werner

Ralf Kiewit von den Grünen ergriff das Wort und erklärte, dass die Grünen wie berichtet zusammen mit der SPD einen Lösungsvorschlag erarbeitet hätten, den sie auf der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am 13. November in der Agora des Bürgerhauses Kinderhaus einbringen. Der Antrag sieht vor, die Coermühle zwischen Biologischer Station und dem „Heidekrug“ zur Anliegerstraße zu erklären und mit Bodenwellen auszurüsten. Johanne Lamken, Bezirksvertreterin der SPD, forderte die Anwesenden auf, zur BV-Sitzung zu kommen und den Forderungen damit Nachdruck zu verleihen.

Coermühle als Anliegerstraße?

Die Vertreter der Bürgerinitiative erklärten, dass sie darüber hinaus auch öffentlichkeitswirksame Aktionen in Erwägung ziehen würden, wie zum Beispiel ein Bürgerfrühstück auf der Kreuzung Coermühle und Hessenweg, damit sich endlich etwas verändere an der „unerträglichen Verkehrsbelastung“. Jeder könne sich auf einer Liste eintragen und werde dann zu den nächsten Arbeitstreffen eingeladen, so die Bürgerinitiative.

Früher waren die Gegner einer Sperrung des Naturschutzgebietes für den Verkehr in der Mehrheit, aber jetzt scheint sich das geändert zu haben. Das freut mich sehr.

Dr. Michael Harengerd, Leiter der Biologischen Station Rieselfelder

Nach dem Abschluss des offiziellen Teils wurde in kleinen Gruppen weiter diskutiert. Die Initiatoren zeigten sich zufrieden über die rege Beteiligung und das große Interesse.

Dr. Michael Harengerd, Leiter der Biologischen Station Rieselfelder, setzt sich seit Jahrzehnten für das Naturschutzgebiet ein. Er sagte zum Abschluss der Veranstaltung: „Ich war überrascht von der Menge der Leute, die heute gekommen sind. Früher waren die Gegner einer Sperrung des Naturschutzgebietes für den Verkehr in der Mehrheit, aber jetzt scheint sich das geändert zu haben. Das freut mich sehr.“

Die ursprünglichen Seiten des Münsterlands

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  • Naturwald Wolbeck

    Seit mehr als 100 Jahren hat dieses Areal keine Säge mehr gesehen: In „Teppes Viertel“, der ältesten Naturwaldzelle Nordrhein-Westfalens, ist die Natur sich selbst überlassen. Die 6,3 Hektar sollen sich zu einem „Urwald von morgen“ entwickeln – und die Wissenschaft beobachtet sie dabei. Als ein Teil des Wolbecker Tiergartens, der wiederum eines der ältesten Waldgebiete im Münsterland ist, zieht er Tier- und Pflanzenarten an, die im ganzen Wald langsam wieder heimisch werden. Schwarzspecht, Eisvogel und seltene Fledermausarten sind schon zurück und zeigen sich auch. Aber: Die Wildnis ist sensibel und unberechenbar. Wanderer sollten den ausgewiesenen Bereich nicht betreten, denn das Totholz kann auch ohne Sturm brechen und gefährlich werden. „Aber auch vom Weg aus hat man einen guten Blick“, sagt Uta Schulte vom Landesbetrieb Wald und Holz.


     

    Der Nabu bietet in Kooperation mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW Exkursionen in „Teppes Viertel“ an (Infos und Termine: www.nabu-station.de, Telefon 0 25 01/97 19 433). Ein Naturlehrpfad auf dem 6,2 Kilometer langen Rundwanderweg informiert Entdecker, die auf eigene Faust unterwegs sind

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emsdettener Venn

    Von den Jahrtausende alten Mooren im Münsterland sind vielfach nur noch Reste übrig. Vor allem in den vergangenen 150 Jahren für den Torfabbau entwässert und zerstört, bieten die Restflächen wie das Emsdettener Venn aber auch heute noch moortypischen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Interessante Libellenarten, eine reichhaltige Vogelwelt mit dem Großen Brachvogel oder der Uferschnepfe, das puschelige Wollgras oder der fleischfressende Sonnentau sind bei einem Besuch der weiten, baumlosen Landschaft zu sehen. Fußgänger und Radfahrer können über einen barrierefreien Rundgang das gesamte Emsdettener Venn umrunden und über einen Bohlweg hautnah erleben. Für noch mehr „Moor-Feeling“, da abgelegener und stiller, empfiehlt Geograf Thomas Starkmann von der Biologischen Station Steinfurt das Recker Moor. Beobachtungshütten, ein Torfgang und barrierefreie Stege machen das europäische Naturerbe erlebbar. Aber bitte die Wege nicht verlassen und auf die empfindlichen Torfmoose treten. Moor wächst nur einen Millimeter pro Jahr nach.


     

    Parkplatz und Eingang zum Emsdettener Moor befinden sich an der Neuenkirchener Straße nordwestlich von Emsdetten. An 13 Stationen gibt eine Begleitbroschüre Informationen zum Venn. Ein als Nummernpfad angelegter Lehr- und Erlebnisweg hilft ebenfalls beim Erkunden. Infos unter www.natur-erleben-nrw.de

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emsaue

    Natürlichkeit und die Ems: Lange waren das Widersprüche. Der Fluss war in ein Korsett gezwängt, begradigt, langweilig. Bis die Natur zurückkehrte – dank etlicher Renaturierungsprojekte, die der Ems ein natürlich gewachsenes Bett und ihre ursprüngliche Tier- und Pflanzenwelt wiedergeben wollten. Es hat funktioniert – und ist noch im vollen Gange. Zum Beispiel im Gebiet Pöhlen bei Telgte, wo Auerochsen-Nachfahren und Wildpferde das ganze Jahr über weiden und so als Landschaftspfleger Lebensraum für weitere Rückkehrer schaffen. Trockene Flussarme mit Treibholz, sich selbst überlassene Baumgruppen, Feuchtwiesen – die Auen bilden wieder eine reizvolle Landschaft. Vergleichbare Projekte gibt es in den Emsauen Lauheide und Vadrup bei Telgte. Dr. Olaf Niepagenkemper, Naturkenner mit einem Faible für Geheimtipps, empfielt das Teilstück der Ems bei Einen: Ursprüngliche Altarme und renaturierte Abschnitte bilden hier das Bild der Ems. An den Steilhängen nisten Uferschwalben. Ein Stück Wildheit ist hier bereits zurückgekehrt.


     

    Regelmäßige Führungen bieten die Nabu Naturschutzstation Münsterland (www.nabu-naturschutzstation-muensterland.de, Telefon 0 25 01/ 97 19 433) oder die Biologische Station des Kreises Steinfurt an. Infos unter Telefon 0 54 82/92 91 0, www.biologische-station-steinfurt.de.

    Foto: Bockwinkel
  • Davert

    Ein Naturschutzgebiet der Superlative: Die Davert ist eins der größten Schutzgebiete im Münsterland und laut Umweltministerium ein „Waldbiotop von internationaler Bedeutung“. Naturkenner kommen schon einmal ins Schwärmen, wenn es um die Wälder mit Sternmieren, Hainbuchen und Eichen über dichtem Unterholz geht, zwischen denen sich die gefährdete Flatter-Ulme findet, oder um die Bestände der Azurjungfer, einer Libellenart, die hier einzigartig ausgeprägt sind. Wasserpflanzen, Libellen, Schmetterlinge – die Davert ist Top-Biotop für gefährdete und seltene Arten. Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen sind so viele Mittelspechte gezählt worden. Kanadagänse leben in den Gewässern und auf den Lichtungen. Heckrinder und Konikpferde in der Emmerbachaue verhelfen der Flusslandschaft zu einer neuen Ursprünglichkeit. Die beste Tageszeit für Entdecker ist im Sommer die Abenddämmerung, wenn die Fledermäuse erwachen.


     

    Exkursionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten unter anderem über die Nabu-Naturschutzstation Münsterland (www.nabu-station.de, Telefon 02501/9719433) oder das Biologische Zentrum Lüdinghausen ( www.biologisches-zentrum.de, Telefon 02591/4129)

    Foto: Theo Israel
  • Rieselfelder

    Von Kanadagans über Weißstorch bis hin zu Eisvogel – Die Rieselfelder in Münster sind vor allem in ornithologischer Hinsicht einzigartig: Die Seenplatte mit über 130 Einzelteichen gibt Vogelarten, die regional in Nordrhein-Westfalen nur noch in den Rieselfeldern vorkommen, Lebensraum. Mehr als die Hälfte aller nordrhein-westfälischen Blaukehlchen beispielsweise leben hier. Früher als Abwasserreinigungsfläche genutzt, sind die Rieselfelder im Norden Münsters heute europäisches Vogelschutz- und Feuchtgebiet internationaler Bedeutung. Das Gebiet eignet sich besonders für die Erkundung mit dem Rad. Fünf Rundwanderwege sind ausgewiesen.Ausgangspunkte sind entweder die Biologische Station oder der „Heidekrug“.


     

    Infos unter www.rieselfelder-muenster.de

    Foto: Oliver Werner
  • Canyon Lengerich

    Türkises Wasser wie im Mittelmeer, sattes Grün auf kalkweißen Hängen, dazwischen exotisch anmutende Orchideen und die seltene Gebirgspflanze Enzian – der Lengericher Canyon ist ein landschaftliches Juwel. Der ehemalige Steinbruch ist Ersatzlebensraum für seltene Tiere geworden. Hier brütet der in weiten Teilen Mitteleuropas ausgestorbene Uhu, leben verschiedene Amphibien, wie Molche, Erdkröten und Frösche. Zum Schutz der Pflanzen und Tiere ist das Betreten des Canyons verboten. Den atemberaubenden Blick auf den Canyon können Besucher dennoch genießen. Auf dem Wanderweg „Canyon Blick“ können sie den See umrunden. Startpunkt und PKW-Stellplatz: Parkplatz an der Friedhofskapelle bei der LWL-Klinik Lengerich.


     

    www.tecklenburger-land-tourismus.de

    Foto: Wilhelm Schmitte
  • Bockholter Berge

    Wer vermutet schon Sanddünen im Münsterland? Dazu der Geruch von Kiefern, zypressenähnliche Wacholdersträucher, knorrige Eichen und das Zirpen von Grillen. Das ist wie Nordsee und Toskana in einem. Doch Flora und Fauna sind typisch für die Heide in der Emsdünenlandschaft der Bockholter Berge bei Greven-Gimbte und Zeugnis einer alten Kulturlandschaft. Durch Rodung und Entnahme von Mutterboden vor Jahrhunderten von Menschenhand geschaffen, ist dieser Lebensraum mit dem wildromantischen Gellenbach und seinen Sandbänken, dem Eisvogel und anderen seltenen Bewohnern heute Naturschutzgebiet. Am schönsten Ende August, Anfang September wenn die Heide blüht! Von Gimbte aus über die Emsbrücke zu erreichen oder vom Schiffahrter Damm in Richtung Westbevern abfahren und dann weiter in entgegengesetzter Richtung bis eine Auschilderung erfolgt.


     

    Weitere Infos unter: www.natur-erleben-nrw.d e

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Merfelder Bruch

    Mähnen, soweit das Auge reicht: 350 Tiere bilden die einzige Wildpferdeherde Europas, die im Merfelder Bruch auf 3,6 Quadratkilometern lebt. Die „Dülmener“ tragen ihre Rangkämpfe aus, weiden einträchtig, sterben und pflanzen sich fort – so wie seit Jahrhunderten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als ihre wilde Welt durch die Zivilisation gefährdet war, leben sie in einem umzäunten Reservat, der Wildpferdebahn. Hier ist die Natur mit ihren Kuhlen und Brüchen, feuchten Wiesen und mächtigen Wäldern gleichfalls unberüht. Die Wildpferde sind sich selbst und ihren Instinkten überlassen – mit einer Ausnahme: dem Fang der Jährlinge, wenn am letzten Samstag im Mai die jungen Hengste von der Herde getrennt werden.


     

    Samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr ist das Reservat geöffnet (3 € /Erwachsene, 1,50 € /Kinder). Unter der Woche ist das Gehege geschlossen. Infos zu Führungen beim Försterehepaar Rövekamp (Telefon 0170/­3478005) und auf www.wildpferde.de.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Zwillbrocker Venn

    Mit Flamingos rechnet man in Florida, in der Camargue oder auf Sardinien, aber nicht im Münsterland. Und doch lebt im Zwillbrocker Venn die nördlichste Flamingokolonie Europas. Die Tiere ziehen hier seit 1980 ihre Jungen auf (neun in diesem Jahr), bis sie Ende September mit ihnen ins holländische Winterquartier an der Nordsee fliegen. Bis dahin lassen sich die Brachvögel von einem sechs Kilometer langen Rundweg durch das Naturschutzgebiet aus beobachten – am besten mit einem Fernglas. Daneben ist auch die größte binnenländische Lachmöwen-Kolonie Deutschlands ein Erlebnis, die ebenfalls dort wohnt. Ein toller Blickfang jetzt im August ist außerdem die blühende Heide.


     

    Das Besondere am Zwillbrocker Venn ist, dass Besucher gleich drei Lebensräume mit ihrer Artenvielfalt auf relativ kleinem Raum erleben: Heide, Moor und See. Guter Ausgangspunkt ist die Biologische Station Zwillbrock. Infos unter www.bszwillbrock.de.

    Foto: Hubert Stroetmann
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