Trinkwasserversorgung
Wenig – aber nicht knapp

Münsterland -

Flüsse werden zu Rinnsälen, Stauseen sind so leer wie selten. Die extreme Trockenheit in diesem Jahr macht sich deutlich bemerkbar. Im Münsterland muss zurzeit dennoch niemand fürchten, dass das Trinkwasser knapp werden könnte.

Montag, 12.11.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.11.2018, 08:00 Uhr
Wasser strömt aus dem Halterner Stausee in ein Versickerungsbecken, damit es das Grundwasser anreichert.
Wasser strömt aus dem Halterner Stausee in ein Versickerungsbecken, damit es das Grundwasser anreichert. Foto: Gelsenwasser

Keine Sorge: Im Münsterland muss zurzeit niemand fürchten, dass das Trinkwasser knapp werden könnte. Das haben Sprecher von Bezirksregierung Münster und Wasserversorgern betont. „Es gibt keinen Grund, Wasser zu sparen“, sagt zum Beispiel André Ziegert von Gelsenwasser , dem größten Wasserversorger des Münsterlands. Rainer Gutknecht, Geschäftsführer des Wasserverbands „Aabach-Talsperre“ sagt: „Es ist unsinnig, jetzt jemanden verrückt zu machen.“ Und auch Rudolf Fitzner-Goldstein von der Bezirksregierung meint: „Im Münsterland stellt sich die Frage noch nicht.“ Trotzdem reichten die Messungen der Grundwasserpegel an die von 1959 und 1976 heran. Das waren die trockensten Jahre seit Beginn der Grundwasseraufzeichnungen. „Wir kommen in diese Größenordnung“, sagt Fitzner-Goldstein.

Nach der Trockenheit in diesem Sommer hatte unter anderem der Ruhrverband weniger Wasser aus seinen Talsperren in die Ruhr abgegeben. Die Wasserspeicher im Sauerland geben nun rund ein Viertel weniger Wasser pro Sekunde in den Trinkwasserfluss als vorher. Der Ruhrverband muss für eine bestimmte Wassermenge in der Ruhr sorgen. Das Umweltministerium musste die Reduzierung der Abgabemenge genehmigen.

Der Haltener und der Hullerner Stausee, aus Gelsenwasser große Teile des Münsterlands versorgt, sind zwar noch zu über 50 Prozent gefüllt. Doch nach den Worten von André Ziegert „ist das schon extrem wenig“. Wenn es auch im November nicht regnen werde, werde der Wasserversorger auf den Dortmund-Ems-Kanal zurückgreifen. Herbst und Winter sind die Jahreszeiten, in denen die Wasserreservoirs im Normalfall aufgefüllt werden.

Trinkwasserversorgung im Münsterland

Im Regierungsbezirk Mün­ster versorgen 22 Unternehmen 78 Kommunen. Das Wasser stammt aus 57 Wassergewinnungsgebieten in 47 Wasserschutzgebieten. 35 Wasserwerke reinigen das geförderte Grundwasser, entfernen dafür den darin enthaltenen natürlichen Anteil von Kohlensäure und Anteile an Eisen und Mangan. Ist das Wasser besonders hart, wird in einigen Regionen auch sein Kalkanteil reduziert.

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Im Münsterland wird der Bedarf zu etwa 60 Prozent aus Grundwasser und zu 40 Prozent aus Oberflächenwasser – also Stauseen, Flüssen und dem Dortmund-Ems-Kanal – gedeckt. Tatsächlich führen aber mittlerweile mehrere Flüsse nicht mehr genug Wasser, um noch für die Trinkwasserversorgung genutzt werden zu können. Welche das sind, ließ der Mitarbeiter der Bezirksregierung offen.

Dieses Oberflächenwasser wird mechanisch vorgereinigt, gefiltert und reichert dann das Grundwasser an, nachdem es zwischen 20 und 50 Tagen versickert ist und so „sehr gut gereinigt“ wird, wie Fitzner-Goldstein erklärt. Das ist nötig, weil zum Beispiel von den Feldern „Abspülungen“ in die Flüsse gelangten.

Rainer Gutknecht ist Geschäftsführer des Wasserverbands „Aabach-Talsperre“, von der aus Teile des Kreises Warendorf mitversorgt werden. Er erklärt, dass nicht nur durch die Trockenheit im zurückliegenden Sommer die Lage angespannt ist. Seit zehn Jahren seien die Niederschläge unterdurchschnittlich, seit zwei Jahren „extrem unterdurchschnittlich“. Das führe unter anderem dazu, dass die Wasserreserven nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. „Es ist nicht so, dass der Kunde kein Wasser bekommt. Aber wir warten sehnsüchtig auf Wasser“, erklärt er. Nach zwei normalen Jahren sei die Aabach-Talsperre wieder voll. Werden sie nicht normal, „dann wird es Aufrufe geben müssen, die zum Wassersparen hinführen.“

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