Vorsicht ja – Panik nein
Vierbeiner und die Nester des Eichenprozessionsspinners

Ascheberg -

Er hat im Frühsommer für einen Hype gesorgt und tritt übers Internet nun mit seinen Nestresten eine Ehrenrunde an: der Eichenprozessionsspinner.

Donnerstag, 15.11.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 15.11.2018, 17:34 Uhr
Solche Nester vom Eichenprozessionsspinner sorgten im Sommer für helle Aufregung. Bei abgestorbenen Nestern, die am Boden liegen, gilt für Hundehalter, Vorsicht walten zu lassen.
Solche Nester vom Eichenprozessionsspinner sorgten im Sommer für helle Aufregung. Bei abgestorbenen Nestern, die am Boden liegen, gilt für Hundehalter, Vorsicht walten zu lassen. Foto: dpa

Er war in aller Munde, weil niemand mit ihm Kontakt haben wollte: Der Eichenprozessionsspinner. Denn die kleinen Härchen der Raupen können bei Menschen schwere Hautreizungen, Allergien und Asthma auslösen. Das war im Mai und Juni ein vieldiskutiertes Thema. Die Raupen haben sich längst verpuppt und in Schmetterlinge verwandelt.

Aber ihre Hinterlassenschaft beunruhigt über viele Posts in sozialen Netzwerken gerade Hundebesitzer. Sind die Reste von Nestern, die sich von Bäumen gelöst haben und auf dem Boden liegen, für ihre Vierbeiner gefährlich? „Ich würde meinen Hund da nicht ranlassen“, sieht Kreisveterinär Dr. Bernd Altepost durchaus, dass Härchen auch in leeren Nestern noch gefährlich bleiben. Und Hunde, so der Fachmann, seien genauso gefährdet wie Menschen.

Auf der anderen Seite, ist im Coesfelder Kreishaus bisher kein Fall bekannt, dass ein Hund ungewollten Kontakt mit einem leeren Nest hatte. Auch beim Ascheberger Ordnungs- und beim Tiefbauamt sind bisher keine Hinweise eingegangen. Die Eichenprozessionsspinner weben sich während der Puppenruhe in ihre Nester ein, um sich vor Feinden zu schützen. Diese Nester können die Größe eines Balls erreichen und befinden sich an Ästen und Stämmen von Eichen und liegen schon mal am Boden herum.

In den engeren Dorfgebieten dürften Reste von Nestern der Eichenprozessionsspinner auch kaum anzutreffen sein. Denn dort wurden im Frühsommer Schädlingsbekämpfer mit dem Beseitigen betraut. „Das hat uns außerplanmäßig 10. 000 Euro gekostet“, informiert Christian Scheipers vom Tiefbauamt der Gemeinde Ascheberg.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni haben die Verbreitung der Raupen in diesem Jahr begünstigt.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Nicht tätig wurde die Gemeinde, wo keine unmittelbare Gefahr für Menschen war, also an den Wegen im Außenbereich. Die Schilder, die dort noch angebracht sind, könnten für Gassi-Gänger ein Signal sein, darauf aufzupassen, dass ihr Vierbeiner nichts ungewollt mit dem Maul aufhebt. Geschickte Hundehalter können die mögliche Gefahr für andere Hunde vielleicht mit dem Kotbeutel, den sie ja dabei haben, beseitigen.

So rasend schnell, wie sich der Post bei Facebook durchs Teilen verbreitet, so gering war bisher der Kontakt von Hunden und Eichenprozessionsspinnern. In der Ascheberger Tierarztpraxis wurde weder in der heißen Eichenprozessionsspinner-Phase im Sommer noch jetzt ein Fall gemeldet.

Wer gerade bei Facebook auf besonders häufig geteilte Posts trifft, kann sich im Internet auf der Seite Mimikama.at informieren. Auch dort ist der Eichenprozessionsspinner eine Thema. Im Ergebnis deckt sich der Rat dort mit den lokalen Tipps „Brennhaar ist Brennhaar von daher sollte man auch im Herbst die nötige Vorsicht walten lassen, aber auch hier gilt – Vorsicht ja, Panikmache nein.“

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