Pendler-Proteste
Politiker bestellen Eurobahn-Vertreter ein: „Daumenschrauben anziehen“

Ascheberg -

Abgeordnete aus Eurobahn-Regionen im Münsterland und Ostwestfalen haben Firmenvertreter nach Düsseldorf gebeten, um genauso Klartext zu reden wie der Auftraggeber NWL, der über Konsequenzen laut nachdenkt. Der Frust wächst, die Aussichten bleiben bescheiden.

Freitag, 16.11.2018, 18:00 Uhr aktualisiert: 16.11.2018, 18:18 Uhr
Pendler-Proteste: Politiker bestellen Eurobahn-Vertreter ein: „Daumenschrauben anziehen“
Auf heimische Pendler, die auf den 9. Dezember und angekündigte längere Fahrzeuge auf der Strecke Münster - Dortmund hoffen, sieht der CDU-Abgeordnete Dietmar Panske neuen Frust zukommen. Foto: Jürgen Peperhowe

Wegen anhaltender Pendler-Proteste haben Abgeordnete aus Regionen, die von der Eurobahn bedient werden, Vertreter des Unternehmens am Donnerstag nach Düsseldorf eingeladen. „So geht es nicht weiter. Wir müssen die Daumenschrauben anziehen“, erklärte der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Dietmar Panske nach dem Gespräch mit Marcus Klugmann, Bereichsleiter Marketing und Bestellermarkt des Unternehmens.

25 Prozent der Flotte fällt aus

Schnelle Abhilfe verspricht er nicht: „Uns wurde gesagt, dass 25 Prozent der Flotte ausfällt. Jeden Tag werde neu entschieden, wo gefahren werde.“ Auf heimische Pendler, die auf den 9. Dezember und angekündigte längere Fahrzeuge auf der Strecke Münster - Dortmund hoffen, sieht Panske neuen Frust zukommen: „Bisher sind die Fahrzeuge nicht zugelassen. Uns wurde nicht versprochen, dass es mit der Zulassung bis dahin klappt. Das kann also dauern.“

Nach dem Gespräch glaubt Panske auch nicht, was die Eurobahn-Pressestelle verbreitet. Sie spricht von einem Ende des Engpasses zum Monatsende. Der Christdemokrat geht davon aus, dass die Probleme bis ins neue Jahr reichen werden: „Der Eurobahn fehlen sowohl Werkstatt-Personal als auch Ersatzteile.“

Einzigartige Informationslücke

Gesprochen wurde über die Informationspolitik des Unternehmens. In Duisburg sei eine zentrale Stelle, an der alle Anbieter des Schienenverkehrs aus NRW mit einem Vertreter vor Ort seien, um einen Austausch und möglichst schnellen Datenfluss zu ermöglichen. So könnten dann die Bahn-App und andere Dienste mit Hinweisen für die Reisenden bespielt werden. Ein Unternehmen fehle in Duisburg: die Eurobahn.

Entscheidung am 6. Dezember

Verspätungen, Zugausfälle, zu wenig Triebwagen - die aktuelle Lage reicht auch dem Auftraggeber. Der Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) teilte am Freitag mit: „Die betrieblichen Probleme haben inzwischen Dimensionen erreicht, die ein Handeln des NWL als Vertragspartner der Eurobahn erforderlich machen. Daher wird der NWL sämtliche rechtlichen und vertraglichen Schritte dahingehend prüfen, ob diese letztlich zu einer Stabilisierung des Betriebes in den Netzen der Eurobahn geeignet sind.“ Die Verbandsversammlung werde am 6. Dezember über die weitere Vorgehensweise gegenüber dem Unternehmen entscheiden. Anfang des Jahres hatte die Versammlung die Eurobahn wegen ähnlicher Probleme bereits abgemahnt

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Von der Eurobahn betroffene Abgeordnete aus dem Münsterland und Ostwestfalen treffen sich am Freitag mit dem Bereichsleiter Marketing und Bestellermarkt der Eurobahn Marcus Klugmann. Foto: privat

Vertragsstrafen gegen Eurobahn

Unabhängig davon erhebe der NWL sämtliche vorgesehenen Vertragsstrafen. Dies betreffe sowohl ausgefallene oder unpünktliche Leistungen als auch qualitätsrelevante Kriterien wie Sauberkeit, Funktionalität der Fahrzeuge und die Fahrgastinformation im Zug. Darüber hinaus erwarte der NWL von der Eurobahn sehr kurzfristig die umfangreiche Gewährung von Kulanzregelungen, die den betroffenen Fahrgästen unbürokratisch, ohne Zuhilfenahme von anderen Stellen und in adäquatem Maße angeboten werden.

Panske begrüßt das Vorgehen des NWL: „Die Eurobahn muss wieder zu geordneten Verhältnissen kommen und notfalls mehr Fahrzeuge mieten. Weil sie keine Reserve vorhält, gibt es immer wieder Probleme.“

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