Pro und Contra
Ist die Ablehnung einer Baumschutzsatzung richtig?

Münster -

In Münster wird darauf verzichtet, eine Baumschutzsatzung einzuführen. Ist das richtig? In unserer Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

Sonntag, 18.11.2018, 12:52 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 12:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 18.11.2018, 12:52 Uhr
Pro und Contra: Ist die Ablehnung einer Baumschutzsatzung richtig?
Müssten Bäume in Münster besser geschützt werden? Der Vorstoß der Grünen, eine Baumschutzsatzung einzuführen, ist gescheitert. Foto: Syffus

Pro: Baumschutz geht anders

Um gleich mit einer Legende auszuräumen: Eine Baumschutzsatzung hätte das heftig umstrittene Fällen der beiden Platanen am Hansaring nicht verhindert. Denn die Satzung gilt für Privatgrundstücke, die Platanen standen aber im öffentlichen Raum. Und ganz abgesehen davon hat die Stadt Münster – als Genehmigungsbehörde – im vorliegenden Fall den Bau einer Fernwärmeleitung höher bewertet als den Schutz der Bäume.

Mit einer Baumschutzsatzung durchlaufen alle großen Bäume, die gefällt werde sollen, ein formelles, kompliziertes Genehmigungsverfahren. Und am Ende des Verfahrens muss die Behörde in etwa 99 Prozent der Fälle die Fällung genehmigen. Aufwand und Ertragen stehen in einem krassen Missverhältnis.

Angesichts des Baubooms in Münster ist ein anderer Weg erfolgversprechender. Da fast alle Investoren bei größeren Bauvorhaben inzwischen einen sogenannten Durchführungsvertrag mit der Stadt abschließen, kann man darin auch gleich die „Baumfrage“ mit bearbeiten. Das spart Zeit und Geld bei gleicher Wirkung.

Klaus Baumeister

Contra: Vertrauen ist gut ...

Die Rathauskoalition setzt mit der Entscheidung gegen eine Baumschutzsatzung darauf, dass die vorhandenen Regeln schon verhindern, dass für das Stadtklima wertvolle Bäume gefällt werden. In vielen Fällen mag das zutreffen. Grundsätzlich bedeutet aber Verzicht auf eine solche Verordnung, dass viele – auch alte und große Bäume – im Stadtgebiet auf privatem Grund gefällt werden dürfen, ohne dass dies rechtlich zu verhindern wäre.

Jeder große Baum in der Stadt ist nicht nur ein Schattenspender in der Sommerhitze, sondern er verbessert die Luft. Mit dem Sauerstoff, den etwa eine große Buche in einer Stunde per Fotosynthese produziert, können 50 Menschen dieselbe Zeit atmen. Auch, wenn die meisten Privatleute verantwortungsvoll mit ihrem Baumbestand umgehen mögen: In Zeiten, in denen der Klimawandel für den Menschen zunehmend spürbar schwerwiegende Konsequenzen hat, wäre eine Baumschutzsatzung ein geeignetes Instrument der lokalen Politik, gegenzusteuern. Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.  

Karin Völker

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