Von tollen Knollen keine Spur
Steigende Preise helfen Kartoffelbauern

Sassenberg -

Eine Kartoffel besteht zu 78 Prozent aus Wasser. Kein Wunder also, dass es Probleme mit sich bringt, wenn monatelang kaum Regen fällt. Aber Heinz Osthoff will gar nicht klagen: Mancher Acker seines Hofs am Rande von Sassenberg im Kreis Warendorf brachte in diesem Jahr halb so viel Ertrag wie üblich. Doch steigende Preise gleichen den Verlust fast wieder aus. Das liegt an einer Besonderheit der Knollen.

Donnerstag, 22.11.2018, 07:00 Uhr
Heinz Osthoff im Kartoffellager: Der Sassenberger Landwirt hat in diesem Jahr etwa halb so viel geerntet wie im Schnitt.
Heinz Osthoff im Kartoffellager: Der Sassenberger Landwirt hat in diesem Jahr etwa halb so viel geerntet wie im Schnitt. Foto: Gunnar A. Pier

„Kartoffelpreise explodieren“ lautete eine Schlagzeile in dieser Woche. Hintergrund: Der trockene Sommer, der ja vielen Bereichen der Landwirtschaft enorme Probleme bereitet hat, macht auch Kartoffelbauern das Leben schwer. Halbierte Erträge, schlechtere Qualität und Früchte, die zu klein sind für lange Pommes: von tollen Knollen keine Spur.

Im Frühjahr war noch alles gut. Heinz Osthoff hat wie gewohnt im März Frühkartoffeln gesät und rund 100 Tage später geerntet. Doch sie machen nur einen kleinen Teil seines Geschäfts aus, ein halber Hektar muss reichen.

Die zweite Runde startet er gewöhnlich im April auf rund acht Hektar Land. Den Sommer über sprießt das Kraut, und unter der Erde gedeihen die Knollen. Ab und an düngt er mit Kalkstickstoff und unternimmt etwas gegen Unkraut. Im September und Oktober wird geerntet: Mit einer Maschine, die Osthoff „Roder“ nennt, werden die Kartoffeln aus der Erde geholt.

Weniger Knollen, kleinere Knollen

Dann das Erwachen: Der Ertrag war in diesem Jahr nur etwa halb so groß wie im Durchschnitt: weniger Knollen, kleinere Knollen. In manchen Regionen verderben zudem dunkle Flecken und ungefährliche, aber eben auch unansehnliche Schorfpusteln den optischen Eindruck. „Bei uns war die Qualität aber gut“, freut sich der Sassenberger.

Oktober 2018: Am Sortierband oben auf dem Roder sammeln Heinz Osthoff und seine Helfer Steine und Pflanzenreste heraus. Die Kartoffeln laufen in den Bunker. Von dort wird übergeladen in die Kisten auf dem Hänger.

Oktober 2018: Am Sortierband oben auf dem Roder sammeln Heinz Osthoff und seine Helfer Steine und Pflanzenreste heraus. Die Kartoffeln laufen in den Bunker. Von dort wird übergeladen in die Kisten auf dem Hänger. Foto: Ulrike von Brevern

Weniger Konkurrenz

Doch den Kartoffelerzeugern geht es besser als anderen Agrarbereichen. „Kartoffeln lassen sich schlecht transportieren“, erklärt Bernhard Rüb, Sprecher der NRW-Landwirtschaftskammer. So droht keine Konkurrenz aus fernen Ländern, wo es mehr geregnet hat: Kartoffeln stammen in der Regel aus der größeren Region und dem nahen Ausland. Weil es dort auch trocken war, werden die Knollen knapp, die Preise steigen und die Landwirte bekommen reellen Lohn.

Eigene Vermarktung

Heinz Osthoff hat zusammen mit einigen gleichgesinnten Kartoffelbauern eh einen eigenen Weg der Vermarktung gefunden: Sie haben schon vor Jahren die „Münsterlandknolle GmbH“ gegründet. „Wir wollen nicht vom Großhandel abhängig sein“, erklärt Geschäftsführer Osthoff. Die Firma kauft den Landwirten die Kartoffeln zu einem vernünftigen und verlässlichen Preis ab, schält bis zu fünf Tonnen täglich maschinell in einer Halle in Freckenhorst und verkauft sie, vornehmlich in zehn-Kilo-Portionen vakuumiert, an Großabnehmer wie Kantinen, Caterer und den Betreiber der münsterischen Uni-Mensen.

Heinz Osthoff

Heinz Osthoff Foto: Gunnar A. Pier

Zocken

Einige seiner Kollegen aber zocken auch mit der Ware. Sie lagern große Mengen ein und hoffen, dass die Preise im Frühjahr noch einmal steigen. Wer weiß, ob es dann mal wieder regnet.

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