Immobilien-Fallen im Netz
Semesterbeginn: Hochphase von betrügerischen Online-Wohnungsanzeigen

Münster -

Es klingt nahezu perfekt: Zentral gelegen, ausreichend groß - und sogar bezahlbar sollte die Wohnung in Münster sein, die in einem Online-Immobilienportal angeboten wurde. Endlich schien die mühsame Wohnungssuche eines Paars aus Emsdetten eine vielversprechende Wende zu nehmen. Doch die vermeintliche Traumwohnung hatte nicht nur einen Haken. Experten der Polizei erklären, woran man betrügerische Wohnungsanzeigen im Internet erkennen und wie man sich vor Schaden schützen kann.

Montag, 26.11.2018, 11:50 Uhr
Immobilien-Fallen im Netz: Semesterbeginn: Hochphase von betrügerischen Online-Wohnungsanzeigen
Foto: colourbox.de (Symbolbild)

Seit mehreren Monaten sucht Verena Möllerfeldt (*Name geändert) mit ihrem Freund eine Wohnung in Münster. Im ersten Moment sorgte die vielversprechende Anzeige im Immobilienportal für eine anfängliche Euphorie, die 26-Jährige wurde jedoch doch skeptisch: Die Informationen zur 3-Zimmer-Wohnung am Rande des Kuhviertels - in bester Lage in Münsters Innenstadt - klangen plötzlich so reizvoll, dass irgendwas mit dem Angebot einfach nicht stimmen konnte.

Ihre Neugier überwog aber: Verena Möllerfeldt schrieb den Anbieter - sowie einen weiteren mit einem ähnlich verlockenden wie zugleich verdächtig formulierten Angebot - per Mail an. Die Antworten kamen schnell mit bemerkenswerten Ähnlichkeiten: Sie wurden aus Italien verschickt, die angeblichen Inhaber schreiben, dass sie die jeweilige Wohnungen geerbt hätten, aber selbst im Ausland leben und daher die Vermietung ohne persönliche Begegnung von dort aus abwickeln würden. Voraussetzung für das Mietverhältnis: eine Vorab-Überweisung. Der Emsdettenerin waren diese Informationen suspekt, sie brach den Kontakt ab. Die richtige Entscheidung.

Perfide ausgeklügelte Betrugsmasche

Das Vorgehen der Anbieter ist der Polizei Münster bestens bekannt: Betrügerische Wohnungsanzeigen sind ein krimineller Zweig im Dschungel der Online-Delikte. In den letzten Jahren hat die Internetkriminalität deutlich zugenommen und ist in ihren Ausprägungen so vielseitig, dass innerhalb der Polizei Münster die Ermittlungs- und Aufklärungsarbeit auf mehrere Kommissariate aufgeteilt ist.

Ganz frisch auf dem Tisch liegt vor Frank Leismann , dem Leiter des Betrugskommissariats, eine Anzeige: Eine Frau hatte einem vermeintlichen Vermieter vorab 1500 Euro auf ein Konto im Ausland überwiesen. Der versprochene Wohnungsschlüssel kam jedoch nie per Post bei ihr an, anschließende Kontaktversuche liefen ins Leere. Der Vermieter war nicht mehr erreichbar. Verschollen im virtuellen Nirwana.

„Genau hier liegt die Schwierigkeit: Die Täter agieren aus der Anonymität im Netz heraus. Zwar liegen Personalien vor - doch diese sind falsch. Die Betrugsmaschen sind so perfide ausgeklügelt, dass die Täter so relativ einfach an anderer Leute Geld kommen können und schnell wieder von der Bildfläche verschwinden - wenn man nicht aufpasst“, sagt Leismann und betont zugleich: „Deshalb ist die Präventionsarbeit unser schärfstes Schwert!“

Vortäuschen von vertraulichem Einvernehmen

Bei der Polizei Münster kümmert sich auch Cordula Mayer vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz um dieses Thema. „Bei Wohnungsangeboten im Internet, die zu schön klingen, um wahr zu sein, sollten erstmal die Alarmglocken angehen“, sagt sie. „Wenn der Erstkontakt übers Ausland erfolgt, kein persönliches Treffen zustande kommt und eine Geldforderung - ohne eine Sicherheit - ergeht, sollte man als Interessent Abstand davon nehmen. Denn es sollte in solchen Fällen niemals einem vermeintlichen Vermieter Geld überwiesen werden, ohne dass man diesem von Angesicht zu Angesicht begegnet ist“, betont Cordula Mayer.

Polizei

Im Informationsaustausch: Frank Leismann, Leiter des Betrugskommissariats, im Gespräch mit Cordula Mayer vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz. Foto: Polizei Münster

Oftmals werden Wohnungssuchende verbal um den Finger gewickelt, um sie in die Falle zu locken: „Typisch ist bei diesem Vorgehen, dass das Opfer im Schriftverkehr in eine exponierte Lage versetzt wird, indem vorgegaukelt wird, dass dem Interessent ein Sympathiebonus eingeräumt wird und dieser Stillschweigen über das Angebot bewahren soll.

So wird das Opfer isoliert und ein vertrauliches Einvernehmen vorgetäuscht“, erklärt Cordula Mayer. Im nächsten Schritt wird dann um die Geldüberweisung ins Ausland - beispielsweise über Anbieter von weltweiten Bargeldtransfers -gebeten. Für die Täter ist es recht leicht, die erforderlichen Konten hierfür zu eröffnen und nach Gelderhalt wieder schnell aufzulösen.

Opfersuche zu Semesterbeginn

Bei der Polizei Münster werden Betrugsfälle zumeist erst dann zur Anzeige gebracht, wenn die Opfer finanziellen Schaden erlitten haben. „Wir raten aber grundsätzlich solche Fälle beziehungsweise Beobachtungen im Netz anzuzeigen. Für die Polizei ist dies sehr hilfreich und wichtig, um genau beobachten zu können, wie sich verschiedene Deliktbereiche entwickeln“, sagt Frank Leismann.

„Die Täter suchen sich die Zeit bewusst aus, zu der sie die Anzeigen schalten. Bei einer Studentenstadt wie Münster ist dies erfahrungsgemäß der Semesterbeginn, wenn Erstsemester unter großem Druck stehen, eine Bleibe finden zu müssen“, berichtet er weiter und empfiehlt Wohnungssuchenden, sich vor Ort zu vergewissern, ob es die angegebene Immobilie tatsächlich gibt. „Sinnvoll ist es zudem, Mieter zu fragen, ob überhaupt eine Wohnung im Haus frei ist oder wird. Außerdem bietet es sich dann an, direkt auch Informationen zum Vermieter einzuholen.“

Appell zur erhöhten Aufmerksamkeit

Sollte eine Online-Anzeige Detailaufnahmen von Räumen enthalten, gibt Leismann noch folgenden Ratschlag: „Man sollte die Steckdosen auf den Fotos genauer anschauen - manchmal kann man auf den Bildern schon erkennen, dass es sich um Stromanschlüsse im Ausland handelt.“ Zur besonderen Vorsicht rät er auch Wohnungssuchenden, die selbst online Anzeigen geschaltet haben, bei eingehenden Angeboten.

Verena Möllerfeldt, die dem Immobilienportal die betrügerische Wohnungsanzeigen gemeldet hat, hat für sich Lehren gezogen: „Nachdem ich diese Erfahrungen mit solchen Anzeigen gemacht habe, bin ich im Netz mit größerer Skepsis unterwegs. Ich bin ja zum Glück nicht in die Falle getappt - wichtig ist mir, dass auch andere nicht auf solche Betrüger reinfallen“, appelliert die junge Frau an Wohnungssuchende zur erhöhten Aufmerksamkeit.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6215951?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F87%2F3862662%2F
Nachrichten-Ticker