Produkt aus Heek
Neues Poller-System: Terrorschutz im Nullkommanix

Heek -

Terrorschutz ist eine traurige Wirklichkeit in diesen Tagen. Sichtbar derzeit auf fast jedem Weihnachtsmarkt in Form überdimensionierter Wassersäcke oder quer gestellter Müllwagen. Nahezu unsichtbar als versenkbare Poller vor Fußgängerzonen und belebten Plätzen, um Irre davon abzuhalten, mit Fahrzeugen in Menschenmengen zu fahren, wie geschehen in Nizza, Berlin, London, Stockholm oder Barcelona.

Donnerstag, 20.12.2018, 06:30 Uhr aktualisiert: 20.12.2018, 07:07 Uhr
Produkt aus Heek: Neues Poller-System: Terrorschutz im Nullkommanix
Das Pollermax-Sperrsystem wird direkt mit Betonfundament geliefert. Das verkürzt die Einbauzeit enorm. Foto: Firma Pollermax GmbH Heek

Terrorschutz als Geschäftsfeld, das haben Andreas Rosery aus Nienborg bei Heek und Jürgen Weithaupt aus Ahaus-Wessum für sich erschlossen. „Pollermax“ heißt ihr Unternehmen mit Sitz in Heek.

Ihre Idee: Ein versenkbares Pollersystem, das sprichwörtlich im Nullkommanix im Boden eingelassen und einsatzbereit ist. Dass es wirksam ist, haben die beiden Ingenieure unlängst bewiesen, indem sie testweise einen Lkw die Barriere rammen ließen. Der dicke Stahlstift stand, der Lastwagen war Schrott. Eindrucksvolldokumentiert das ein Video.

Produkt entwickelt, Test bestanden – und nun? „Kommt der Rollout“, sagt Rosery. In Heek steht das Pollerschutz-System testweise. In den nahen Niederlanden sei das Interesse groß. „Auf dem deutschen Markt ist es noch etwas schwierig“, sagt Roserys Kollege Weithaupt.

Berlin-Anschlag war Schlüsselerlebnis

Am Anfang war der Breitscheitplatz, jener Anschlag in Berlin im Dezember 2016, bei dem der Islamist Anis Amri mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche raste und zwölf Menschen tötete. „Für uns war das ein Schlüsselerlebnis“, sagt Rosery. Damals waren Weithaupt und er noch in der Verpack ungsin­dustrie tätig. Sie kannten sich seit Jahren, sie arbeiteten seit Jah­ren zusammen. Und gingen gemeinsam neue Wege.

Poller-Max: Verkehrs- und Widerstands-Barrieresysteme aus Heek

Ihre Idee ist vom Grundsatz her so simpel, dass sie sich selbst wundern, warum vor ihnen nie­mand anderes darauf gekommen ist. Die beiden liefern den per App oder auch mechanisch versenkbaren Poller in einem maßgeschneiderten Betonsockel, der im Prinzip nur noch in den Boden eingelassen werden muss. „In sechs Stunden ist das passiert“, sagt Weithaupt.

Wirksame Barriere

In Münster, wo über ein Dutzend Anti-Terror-Poller installiert wurden, dauerten die Arbeiten Monate. Weil erst die Betonfundamente ge­gossen wurden, die dann wochenlang trocknen mussten, ehe die Metallkonstruktion schließlich eingepasst werden konnte. Jede Menge Arbeit, sehr viel Zeit.

Um beides kümmert sich die Pollermax GmbH im Vorfeld, sodass die eigentliche Installation fix über die Bühne geht. Ein genereller Vorteil – und ein besonders wichtiger an neuralgischen Orten, „die unmöglich lange blockiert werden können“, sagt Rosery.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Die beiden Ingenieure tüftelten und rechneten, schließlich steckt der Teufel bekanntlich im Detail und auch ein Laie kann zumindest vermuten, dass es nicht reicht, einen Stahlstift in ein beliebiges Betonfundament zu setzen, um eine wirklich wirksame Barriere zu haben.

Vier Tonnen schwerer Koloss

Masse, Volumen, Material: Rosery und Weithaupt verwenden Polymerbeton und Vergütungsstahl. Ihr Poller ist ein Koloss, über vier Tonnen schwer, der aber nur etwas mehr als ein Meter tief im Boden steckt, „und dessen Installation damit keine Gefahr beispielsweise für Gasleitungen bedeutet“, sagt Rosery.

Sechs Stunden Einbauzeit inklusive Aushub- und abschließender Erd verdichtungsarbeiten als Vorgabe: Beim Premiere-Projekt in Heek ging’s schneller. Knapp vier Stunden und der versenkbare Sicherheitspoller stand wie eine Eins.

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